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Cape Blend: Südafrikas Bordeaux-Antwort

Immer häufiger liest man den Begriff Cape Blend, wenn es um eine rote Cuvée aus Südafrika geht. Aber was ist das? Und was hat das Bordeaux damit zu tun? Wir haben mal alle Informationen und Fakten zusammengetragen.

Ob man nun Cuvée, Verschnitt oder eben auf Englisch Blend sagt - gemeint ist immer das Zusammenspiel von verschiedenen Rebsorten in einem Wein. So kann jede Traube ihre Stärken ausspielen. Und zusammen wird dann ein Aromen- und Gaumenspektakel kreiert, das, im besten Fall, einzigartig ist. So das Grundprinzip einer Cuvée, simpel auf den Punkt gebracht. "Erfunden" wurde diese Vermählung verschiedener Rebsorten - wie sollte es auch anders sein - von den Franzosen. Stichwort Bordeaux. Genau diese Region ist dann auch das Vorbild, wenn es um einen Cape Blend aus Südafrika geht. Nur eben leicht anders. Und das hat nicht nur etwas damit zu tun, dass man (warum auch immer) Bordeaux-Blend mit und Cape Blend ohne Bindestrich schreibt.

Denn im Bordeaux ist genau festgelegt, welche Rebsorten für einen Blend aus der Region infrage kommen. Das kann sich von Appellation zu Appellation ändern. Frankreich ist da enorm kleinteilig. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass man nur von einem Bordeaux-Blend spricht, wenn Rebsorten wie Cabernet Franc, Malbec und Petit Verdot verwendet werden. Moment mal? Fehlt da nicht was? Ja, genau. Womit wir beim Clou wären. Denn das Bordeaux wird traditionell in Rechtes und Linkes Ufer unterteilt. Kommt ein Bordeaux-Blend vom Rechten Ufer, dann ist die Basis in der Regel Merlot während Cabernet Sauvignon die Blends vom Linken Ufer dominiert.

Zwei Menschen stoßen in freier Natur mit zwei Gläsern Cape Blend an.
In einem Blend kann jede Rebsorte ihre Stärken ausspielen.

Pinotage im Cape Blend

Eine Unterscheidung zwischen Linkem und Rechtem Ufer gibt es in Südafrika freilich nicht. Hier werden Merlot und Cabernet Sauvignon deswegen gleich behandelt. Was nicht zuletzt daran liegt, dass eine andere Rebsorte in einem Cape Blend den Ton angibt. Nämlich die einheimische Pinotage. Als Kreuzung von Pinot Noir und Cinsault ist Pinotage für recht fruchtige Weine bekannt. Diese Rebsorte bildet mit 30 bis zu 70 Prozent das Rückgrat eines Cape Blend. Traditionell werden dann noch Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah - beziehungsweise Shiraz - hinzugefügt.

Wobei das mit der Tradition vielleicht etwas weit hergeholt ist. Denn der Begriff Cape Blend kam tatsächlich erst zur Jahrtausendwende auf. Die Cuvée 'Three Cape Ladies' vom Stellenbosch-Weingut Warwick Estate war im Jahr 2000 mit den Rebsorten Pinotage, Cabernet Sauvignon und Merlot tatsächlich der allererste Cape Blend überhaupt. Der Begriff selbst allerdings stammt vom ebenfalls in Stellenbosch ansässigen Weingut Beyerskloof, die mit einem identischen Rebsorten-Verschnitt im Jahr 2001 auf den Markt gingen - und damit einen nicht minder großen Erfolg feierten wie Warwick Estate.

Ein Cape Blend macht Karriere

Danach war der Cape Blend plötzlich in aller Munde. Man sprach über ihn - und man trank ihn. Denn Cabernet Sauvignon, Merlot und auch Syrah/Shiraz ergänzen und unterstützen den kräftigen Charakter von Pinotage ideal. Immer mehr Weingüter in Stellenbosch und auch in Paarl produzierten einen Cape Blend. Und gingen dabei unterschiedliche Wege. Während einige Winzer lieber robustere Weine produzieren wollten und dementsprechend auf einen hohen Prozentsatz an Pinotage zurückgriffen, nahmen sich andere das Bordeaux als Vorbild, um möglichst feingliedrige Weine zu vinifizieren. Was im Umkehrschluss bedeutete: bitte so wenig Pinotage wie möglich.

Durch die unterschiedlichen Sichtweisen waren Streitereien quasi vorprogrammiert. Vor allem, als einige südafrikanische Weingüter anfingen, Cuvées ganz ohne Pinotage ebenfalls Cape Blend zu nennen. Da ging die Diskussion dann erst richtig los. Ob das denn noch ein landestypischer Blend sei, fragten manche. Oder ob man dadurch das durch den Cape Blend erworbene Geschmacksprofil vielleicht sogar verwässern würde. Die Krux: bis heute gibt es weder eine einheitliche Regelung oder gar gesetzliche Vorgaben. Seit mehr als zehn Jahren wenden sich Winzer deswegen immer wieder an das South Africa Wine & Spirits Board, das für solche Regelungen zuständig ist. Getan hat sich da aber leider bis heute nichts. Als Weinliebhaber kann man sich nur auf Folgendes verlassen: Steht auf dem Etikett nicht nur Cape Blend, sondern auch die Rebsorte Pinotage, dann kann man sicher sein, dass diese zu mindestens 20 Prozent enthalten ist.

Weingarten mit Pinotage-Trauben in Südafrika
Gehört Pinotage zwingend in den Cape Blend? Da scheiden sich die Geister!

Wieviel Pinotage darf’s sein?

Zum Glück sorgen aber die meisten Weingüter ganz freiwillig für Transparenz und schlüsseln entweder auf dem Etikett oder auf ihrer jeweiligen Website ganz genau auf, welche Rebsorten in welcher prozentualen Menge in ihrem Cape Blend drin sind. So hat man als Genießer dann doch den ein oder anderen Anhaltspunkt. Wer es gerne fruchtig und mit Druck am Gaumen mag, der greift am besten zu einem Cape Blend mit einem hohen Pinotage-Anteil. Liebhaber von feingliedrigen Weinen werden eher die Cuvées mit einem geringeren Prozentsatz an Pinotage bevorzugen.

Wobei auch die Blends ganz ohne Südafrikas Rebsorte Nummer 1 meist hervorragend sind, denn auch sie werden aufwendig vinifiziert. Was nämlich alle Cuvées im Bordelaiser Stil eint ist, dass es sich in der Regel um die Flaggschiff-Weine der einzelnen Weingüter handelt. Und das bedeutet dann: Handlese, sanfte Traubenpressung, schonende Fermentation und ein umsichtiger Ausbau in Eichenfässern. Ob nun mit oder ohne Pinotage: der Cape Blend hat allein durch seine Strahlkraft dafür gesorgt, dass sich der Weinbau in Südafrika durch diesen Aufwand qualitativ gesteigert hat. Und davon profitieren in erster Linie dann wir Weinliebhaber. In diesem Sinne: ein Cheers auf Südafrika!

Nicole Korzonnek

Von Nicole Korzonnek

Früher vor allem im Kulturjournalismus zuhause, begeistert sich Nicole Korzonnek nicht erst seit dem obligatorischen Pausen-Sekt im Theaterfoyer für Wein. Neben Theaterkritiken für die FAZ und Artikel für diverse Kulturformate brachte sie ihr journalistischer Weg über die Jahre immer mehr in Richtung Wein. Ob nun mit einem eigenen Blog oder eben als Copywriterin & Chief Editor Wine Magazine bei Wine in Black, wo sie die Geschichten hinter den Weinen entdeckt und dann auch begeisternd erzählt.

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