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Champagner-Spezial Kulinarik

Champagner-Cocktails: Prickelnde Verführung

Von wegen Kir Royal! Champagner-Cocktails sind weit mehr als Crème de Cassis und Schaumwein! Zusammen mit der Barkeeperin Constanze Lay tauchen wir in die faszinierende Welt der Champagner-Cocktails ein.

Sanft perlen die Bläschen im eisgekühlten Glas empor, ein feiner Schaumfilm bildet sich auf der Oberfläche, während darunter die Kohlensäure alle Zutaten elegant aufwirbelt und miteinander vermischt. Sinnlicheres als Champagner-Cocktails kann man in einer Bar nicht bestellen. Sie sehen edel aus und versprechen auch noch hohen Genuss. Meist stilecht serviert in einer Champagner-Schale.

Diese ist unter Liebhabern des französischen Schaumweins zwar inzwischen recht verpönt, wenn er pur ins Glas kommen soll. Aber bei Champagner-Cocktails ist die Glasform quasi Pflicht, wie Bar-Besitzerin und Cocktail-Expertin Constanze Lay bestätigt: "Zum einen ist die klassische Champagner-Schale sehr elegant. Zum anderen verteilen sich durch die große Oberfläche die Aromen sehr gut." Dass in ihnen die Perlage schneller nachlässt, sieht die Barkeeperin indes nicht so kritisch: "Champagner-Cocktails werden ja mit Eis oder mit direkt gefrosteten Gläsern gekühlt. Und das entzieht dem Schaumwein ja eh die Kohlensäure. Da kommt es nicht auf die Perlage, sondern auf die Aromenwelt an."

Auf dem Kopf stehende Champagner-Schalen im Regal einer Bar, bereit für Champagner-Cocktails
An der Champagner-Schale kommt man in einer guten Cocktail-Bar einfach nicht vorbei.

Expertentipps von der Barkeeperin

Seit 2016 betreibt Constanze Lay im Hamburger Stadtteil St. Pauli ihre Cocktailbar The Rabbithole, die sich parallel zur Reeperbahn in der Kleinen Freiheit 42 befindet. Hier tummeln sich nicht die Touristenströme, die sich auf Hamburgs Vergnügungsmeile amüsieren. Nein, es sind die Connaisseurs gepflegter Drinks in gediegen-entspannter Atmosphäre, die Lay mit ihren Kreationen begeistert. Die Barfrau kennt sich aus. Auf ihrer Karte findet man Klassiker, gerne auch mal neu interpretiert, und Eigenkreationen. Champagner-Cocktails dürfen dabei natürlich nicht fehlen. "Wer sich mal etwas Besonderes gönnen möchte, der schaut sich automatisch die Champagner-Cocktails an", verrät Constanze Lay.

Dass der Großteil der Champagner-Cocktails von weiblichen Gästen konsumiert wird, kann die Hamburgerin nicht bestätigen. "Das ist nur ein Klischee. Tatsächlich hält es sich die Waage. Aber es stimmt schon, dass Damen gerne fruchtigere Champagner-Cocktails trinken, während die Herren eher Klassiker auf Basis von Rum, Bourbon oder Cognac bestellen." Womit wir auch schon mittendrin sind in der vielfältigen Welt der Champagner-Cocktails. Zu denen übrigens nicht der so oft bemühte Kir Royal gehört, bei dem Crème de Cassis mit Champagner aufgefüllt wird. "In der Regel besteht ein Cocktail aus mindestens drei Zutaten", erklärt Lay die gängige Definition, "allerdings wird das im Barbetrieb inzwischen zum Glück nicht mehr ganz so verbissen gesehen."

Barkeeperin Constanze Lay in ihrer Bar The Rabbithole in Hamburg
Kennt sich mit Cocktails bestens aus: Barkeeperin und Rabbithole-Inhaberin Constanze Lay. © The Rabbithole

Champagner-Cocktails: Wie alles begann

Dass Champagner mit hochprozentigen Spirituosen und Zucker gemixt wird, ist so ungewöhnlich übrigens nicht, wenn man mal kurz in die Geschichte des französischen Edel-Schaumweins schaut. Dieser war bis Mitte des 19. Jahrhunderts zum einen noch sehr, sehr süß und hatte nichts mit den trockenen Varianten zu tun, die wir heute kennen. Und zum anderen gingen einige Handelshäuser sogar so weit, ihren Champagner für einen bestimmten Markt aufzuspriten. Wie einen Sherry oder Portwein. Vor allem die Konsumenten aus Russland liebten diese Art von Champagner, der inzwischen längst der Vergangenheit angehört. Aber diese Vorliebe verdeutlicht perfekt dass Champagner sehr gut mit Hochprozentigem und Süßem harmoniert.

Wobei Spirituosen bei der Urform des Champagner-Cocktails, der dann auch schlicht nur Champagne Cocktail heißt, noch keine Rolle spielten. Kreiert hat ihn Jerry Thomas, der "Urvater der US-amerikanischen Mixkunst", wie man ihn heute noch gerne nennt, im Jahr 1862: Ein mit Angosturabitter getränkter Zuckerwürfel wird in ein Sektglas gelegt und dann mit Champagner aufgegossen. "Der Zucker verstärkt die Freisetzung der Kohlensäure, wodurch sich der Angosturabitter im Champagner verteilt. So muss man nur aufgießen und muss nichts mixen oder gar shaken", erklärt Barkeeperin Constanze Lay den Aufbau des Champagne Cocktail. Wobei Champagner-Cocktails generell nicht geshaked werden. Gerade wegen der Kohlensäure. Die Cocktails werden in der Regel also lediglich mit Champagner aufgegossen.

Adel verpflichtet: Prince of Wales

Hochprozentiges kam erst Ende des 19. Jahrhundert beim Champagner-Cocktail ins Glas. Und zwar nicht in den Vereinigten Staaten, sondern in Großbritannien. Zu verdanken war das König Edward VII. Als dieser nämlich noch Prinz von Wales war, hatte er einen Hang zu starken Getränken - und mixte diese leidenschaftlich selbst. Eine seiner Erfindungen war ein Cocktail auf Basis von Cognac, Orangenlikör, Bitters, Zucker und einem (zugegebenermaßen sehr kleinen) Schuss Champagner.

Der Champagner-Anteil wurde im Laufe der Zeit erhöht und den Cocktail findet man unter dem Namen Prince of Wales noch immer auf den Karten hochwertiger Bars. "Der Prince of Wales wird bis heute oft noch stilecht in einem Zinnkelch serviert - so wie in damaligen Zeiten", verrät Constanze Lay, um direkt zu ergänzen: "Dieser doch recht herbe und vor allem hochprozentige Champagner-Cocktail wird gerne von Herren getrunken."

Champagner-Cocktail Prince of Wales in einer Champagner-Schale auf einem kleinen Tablett mit grüner Serviette
Nichts für schwache Nerven: Der Champagner-Cocktail Prince of Wales. © The Rabbithole

Ein Champagner-Cocktail macht Karriere: French 75

Erst 1915 verbreitete sich mit dem French 75 eine Variante des Champagner-Cocktails, der Frauen und Männer gleichermaßen ansprach. Kreiert in der Harry’s New York Bar in Paris, besteht dieser aus Gin, Zucker, Zitrone und Champagner. Hier ist also erstmals kein Angosturabitter mit im Spiel. "Der French 75 ist nach einer französischen Kanone benannt. Den Namen sollte man Ernst nehmen, denn er hat tatsächlich eine durchschlagende Wirkung", warnt Rabbithole-Chefin Constanze Lay. "Dank Zucker und Zitrone schmeckt man den Gin kaum. Dementsprechend leicht ist er zu trinken. Aber durch den Zucker kommt der Alkohol halt auch schneller ins Blut. Deswegen rate ich dringend, den Cocktail sehr langsam zu genießen."

Inzwischen ist der French 75 nicht nur einer der ganz großen Klassiker unter den Champagner-Cocktails. Es gibt ihn nämlich mittlerweile auch in zahlreichen schmackhaften Abwandlungen. Die bekannteste davon ist der Fraise Sauvage, bei dem noch zusätzlich pürierte Erdbeeren mit hineinkommen. Constanze Lay indes bietet in ihrer Bar The Rabbithole auch eine Variation mit Himbeeren an, die äußerst beliebt ist.

Champagner-Cocktail French 75 auf einem Tablett in einer Champagner-Schale
Den French 75 gibt es inzwischen auch in zahlreichen Abwandlungen. © The Rabbithole

Moderne Champagner-Cocktails

In der Bar-Branche müssen Klassiker nicht zwangsläufig auf eine lange Tradition zurückblicken. Bestes Beispiel ist da etwa der Old Cuban, der 1995 von der New Yorker Barkeeperin Audrey Sanders als Gegen-Cocktail zum damaligen Mojito-Boom entwickelt wurde. Rum, Minze, Bitters, Limette und Champagner verbinden hier quasi drei andere Cocktails zu einem. Nämlich Daiquiri, Mojito und French 75. Ein kleiner Geniestreich, der in kürzester Zeit die Cocktail-Szene begeisterte.

Ähnliches gelang auch dem Barkeeper des Seelbach-Hotels in Kentucky. Wobei dieser anfangs ein wenig schummelte, wie Cocktail-Expertin Constanze Lay verrät: "Er gab vor, ein altes Rezept im Hotel-Archiv gefunden zu haben. Es stellte sich dann aber recht schnell heraus, dass die Kreation von ihm selbst stammte und er sie mit der Geschichte lediglich pushen wollte." Das Besondere an dem Seelbach, wie der Champagner-Cocktail inzwischen heißt: Neben Bourbon, Orangenlikör, Zucker und Champagner kommen hier mit Angostura und Reychaud gleich zwei unterschiedliche Bitters zum Einsatz. Wir sind hier also auf der herben Geschmacksseite - und die kommt sehr gut bei männlichen Cocktail-Liebhabern an.

Detailfotografie eines hellen Champagner-Cocktails
Der Seelbach ist ein moderner Klassiker. © The Rabbithole

Es muss nicht immer Champagner sein

Natürlich ist die Welt der Champagner-Cocktails noch sehr viel größer. Aber die fünf genannten Klassiker geben schon einen guten Eindruck davon, dass das Thema eben mehr beeinhaltet als Kir Royal. Wobei ein weiterer Aspekt neben der Zusammenstellung der einzelnen Aromenwelten noch unerwähnt geblieben ist. Der Schaumwein selbst. Hier hat Rabbithole-Inhaberin Constanze Lay ein paar sehr praktikable Tipps: "Nur weil es Champagner-Cocktails heißt, muss natürlich nicht konsequent Champagner rein. Auch Crémant, Winzersekt oder Cava eignen sich sehr gut." Es sollte dann aber bitteschön ein trockener Schaumwein sein, damit er dem Zucker im Cocktail nicht in die Quere kommt. Und auch zu fruchtig sollte er nicht sein, um die Aromen nicht aus der Balance zu bringen.

Prosecco zum Aufgießen eines Champagner-Cocktails empfiehlt Constanze Lay indes nicht: "Prosecco hat oft nicht genügend Kohlensäure. Außerdem hat er recht florale Noten, die nicht immer zu den anderen Nuancen im Cocktail passen." Bei der Auswahl des Schaumweins sollte man also besser nicht zur nächstbesten Flasche greifen. Da darf ruhig Qualität ins Glas. Es muss aber tatsächlich nicht immer Champagner sein - auch wenn dieser letztlich der Namensgeber ist. Und das Schöne: einige der genannten Champagner-Cocktails lassen sich auch problemlos zuhause zubereiten. In diesem Sinne wünschen wir Ihnen viel Vergnügen beim Mixen!

Nicole Korzonnek

Von Nicole Korzonnek

Früher vor allem im Kulturjournalismus zuhause, begeistert sich Nicole Korzonnek nicht erst seit dem obligatorischen Pausen-Sekt im Theaterfoyer für Wein. Neben Theaterkritiken für die FAZ und Artikel für diverse Kulturformate brachte sie ihr journalistischer Weg über die Jahre immer mehr in Richtung Wein. Ob nun mit einem eigenen Blog oder eben als Copywriterin & Chief Editor Wine Magazine bei Wine in Black, wo sie die Geschichten hinter den Weinen entdeckt und dann auch begeisternd erzählt.

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