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Frankreich Languedoc-Roussillon

Corbières: Südfranzösische Region im Aufwind

Nachdem sie sich immer wieder neu aufgestellt hat, ist die Appellation Corbières auf dem besten Weg, der Star des Languedoc-Roussillon zu werden.

Im Jahr 1907 waren die Winzer im Languedoc mit ihrer Geduld endgültig am Ende. Sie forderten eine Änderung der Produktionsvorschriften. Und zwar für die gesamte Region. Aber: niemand hörte ihnen zu. Also schlossen sie sich zusammen und wurden aktiv. In Montpellier gingen 800.000 Menschen auf die Straße, um die Sache der Winzer zu unterstützen. Und in Narbonne, der berühmtesten Stadt des Corbières, stürmte eine Gruppe von Weinbauern sogar den Verwaltungssitz. 

Dieses Ereignis, das als Revolte der Winzer des Languedoc bekannt wurde, hatte zwar keine unmittelbaren Folgen, wurde aber zu einem Beispiel für das unzerbrechliche Herz des Corbières: Weine, die mit Leidenschaft von Winzern gekeltert wurden, die vor nichts zurückschreckten, um ein Maximum an Qualität herauszuholen. Selbst unter schwierigsten Bedingungen. Woher aber kommt dieser Elan?

Corbières: Eine Region, elf Terroirs

Im Herzen des Languedoc, in Südfrankreich, mit den atemberaubenden Pyrenäen im Westen und den glitzernden Seen von Narbonne im Westen, liegt das Juwel Corbières. Es ist die größte Appellation des Gebiets - und vielleicht auch die ausgeprägteste. Corbières ist eine Region, die sich allen vorgefassten Meinungen widersetzt, die auf eine reiche Geschichte zurückblicken kann und sich gleichzeitig ständig weiterentwickelt.

Blick auf die Pyrenäen in der südfranzösischen Region Corbières
Wild-romantische Schönheit: Corbières.

Wie das gesamte Languedoc-Roussillon befindet sich auch das Corbières in einer Übergangsphase. Langsam aber sicher streift es seinen altbackenen Ruf ab und entwickelt sich zu einem anerkannten Erzeuger von Spitzenweinen, die auf einem Terroir von Weltrang gedeihen. Vielleicht wussten Sie ja bereits, dass das Corbières eine Region für zuverlässig hochwertige Rotweine ist. Aber wussten Sie auch, dass die elf verschiedenen Terroirs des Corbières für jeden etwas bieten? Selbst für die anspruchsvollsten Weinliebhaber? Schauen wir uns das einmal genauer an!

Die elf Terroirs im Überblick

Unter den elf Terroirs gibt es vier ähnliche Klimazonen: Corbières Maritimes, das bergige Hautes-Corbières, Corbières d'Alaric im Nordwesten der Region und das Central Corbières, das südlich des Aude-Tals liegt.

  • Die Montagne d'Alaric ist mit einer Höhe von 600 Metern die kühlste Region. Die Trauben reifen hier langsam und das Klima ist kontinental.
  • Die Lagrasse liegt ebenfalls hoch und ist durch das Alaric-Gebirge vor ozeanischen Einflüssen geschützt.
  • Lézignan ist das am wenigsten zerklüftete Terroir von Corbières. 
  • Boutenac produziert ausschließlich Rotweine und ist das einzige Premier Cru der Appellation.
  • Fontfroide zeichnet sich durch Sandsteinböden aus, die von Kiefern und Heidekraut durchsetzt sind.
  • Sigean produziert Rot- und Roséweine und hat ein heißes Klima, das jedoch durch das Mittelmeer beeinflusst wird. 
  • Die Kalksteinböden von Durban erreichen eine Höhe von bis zu 600 Metern und bringen Rotweine hervor, die sich für die Reifung eignen. 
  • Saint-Victor erzeugt Rotweine und Rosés von Schiefer- und Kalksteinböden
  • Die Rosés und Rotweine von Quéribus werden hauptsächlich aus Syrah, Grenache Noir und Carignan bereitet. 
  • In Termenès herrscht ein kontinentales Klima, die Hänge sind zwischen 300 und 450 Metern hoch. Und Sandstein, Ton, Kalkstein und Schiefer prägen die Böden.
  • In Serviès dominiert grauer kalkhaltiger Lehm.
Karte von Corbières im südfranzösischen Languedoc-Roussillon
Wie ein U schmiegt sich Corbières ins südfranzösische Languedoc-Roussillon. © Wine in Black

Der Kampfgeist des Corbières 

Corbières ist ein Schmelztiegel an starken Einflüssen. So ist etwa Spanien nur 100 Kilometer entfernt. Und auch das Erbe der Phönizier ist noch allgegenwärtig. Das alles vereint sich auch in den Weinen, die so markant sind, dass sie sich spielend zu den reichhaltigen und würzigen Gerichten der Region behaupten können: Schnecken mit Knoblauch und Petersilie, Lammeintopf mit Honig und Sternanis sowie rustikale Meeresfrüchte- und Tomatengerichte.

Als viertgrößte Weinbauregion Frankreichs wurde Corbières 1985 offiziell zur Appellation ernannt. Aber die Geschichte begann natürlich viel früher. Die Gründung der Region Corbières geht bis ins zweite Jahrhundert vor unserer Zeit zurück, als die Griechen unter römischer Besatzung die ersten Reben anpflanzten. Die griechischen Bewohner brachten ihr umfangreiches Wissen über Landwirtschaft und Anbau mit und beobachteten mit Staunen, wie gut die Reben auf dem fruchtbaren Boden gediehen. Den römischen Landbesitzern war schnell klar, dass sie den Ertrag zügeln mussten, damit die Corbières-Weine nicht zu beliebt wurden. Schließlich sollten die Menschen doch lieber den importierten Wein aus Italien trinken. Also führten sie eine Produktionsbeschränkung ein. Der Ertrag wurde dann aber ganz von selbst minimiert. Denn das Corbières wurde immer wieder Opfer von Invasionen aus fast allen Richtungen. Blut tränkte die Erde, das Land selbst schätzte man irgendwann als wertlos ein und schenkte ihm keine weitere Aufmerksamkeit.

Doch im 11. Jahrhundert änderte sich das endlich, als Zisterzienser- und Benediktiner-Mönche mehrere Abteien gründeten. Allen voran die Abbaye de Fontfroide, die 1093 in der Nähe von Narbonne erbaut wurde und noch heute in ihrer ganzen Pracht erhalten ist. Die Mönche pflanzten Reben an, und die Gegend wurde wieder zu einem ergiebigen Weinanbaugebiet. Doch dann wurde der Aufstieg des Corbières erneut gestoppt, dieses Mal durch einen Kreuzzug. Der Weinbau kam erneut zum Erliegen.

Das südfranzösische Dorf Cucugnan
Blickt auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück: Corbières.

Eine neue Ära beginnt

Erst der Bau des Canal du Midi von 1666 bis 1681 weckte ein neues Interesse an der Region und erschloss sie für Verkehr und Handel. Der 240 Kilometer lange Kanal hieß ursprünglich Canal Royal en Languedoc und gilt weithin als eines der größten Bauwerke des 17. Jahrhunderts. Nach seiner Fertigstellung stieg die Weinproduktion in der Region Corbières sprunghaft an, da die lokalen Weine ihren Weg durch Frankreich und die Nachbarländer fanden. Der Kanal steht noch heute und ist einer der ältesten Kanäle Europas. Corbières erhielt seinen offiziellen Namen erst um 1700. "Cor" ist eine Ableitung des vorindischen Wortes "Fels". Und "Bieres" stammt von dem Küstenfluss "Berre", der sich am größeren Fluss Aude speist. 

In den späten 1880er-Jahren wurde die boomende Weinindustrie durch die Reblaus zum Erliegen gebracht. Doch wie schon so oft in der Geschichte, bauten die Corbières-Winzer ihre Weinberge mit Stolz wieder auf. Allerdings übertrieben sie es dabei ein wenig. Schnell geriet die Region wegen Überproduktion und Tricksereien ins Abseits. So war es bei den großen und kommerziellen Weingütern bereits damals Gang und Gäbe, den Most aufzuzuckern, um so alkoholstarke und extra vollmundige Weine zu erhalten. Dem gegenüber standen die Winzer mit Ehre und Berufsethos, die das nicht mehr hinnehmen wollten. Genau diese Ehrenmänner schlossen sich 1892 zusammen, um gegen die Mauscheleien zu protestieren. Und auch die Zunahme von importierten Weinen sowie die hohen Zölle auf Corbières-Weine waren ihnen ein Dorn im Auge. Doch die Proteste brachten nichts. 1907 kam es zur eingangs beschriebenen Revolte.

Rebsorten-Vielfalt inklusive

Die im Corbières am häufigsten angebauten roten Rebsorten findet man tatsächlich in ganz Frankreich. Die dünnhäutige Grenache, die im heißem Klima gut gedeiht, ist die beliebteste Rebsorte der Region. Aber die Winzer bauen auch Syrah in großen Mengen an. Mourvèdre ist vielerorts eine heikle Rebsorte, weil sie aufgrund ihrer sehr dicken Schale nur schwierig ausreift. Aber im mediterranen Klima des Corbières gedeiht sie prächtig und hat sich zu einem festen Bestandteil der roten Cuvées gemausert. Sie wird in Südfrankreich seit dem Mittelalter angebaut und nimmt in Corbières fast 800 Hektar ein. Carignan, die im 12. Jahrhundert in der Region eingeführt wurde, und Lledoner Pelut sind ebenfalls zwei beliebte rote Trauben aus der Region. Einige dieser Rebsorten kennen Sie vielleicht von Ihren Lieblings-Cuvées von der südlichen Rhône. Im Corbières allerdings erhalten diese Verschnitte dank intensiver Kräuternoten ein vollkommen neuartiges Geschmacksprofil.

Blaue Trauben am Rebstock in einer Detailaufnahme
Mourvèdre ist im Corbières der heimliche Star.

Obwohl die roten Cuvées eine der Stärken des Corbières sind, sollte man die Weißweine nicht vernachlässigen. Zu den weißen Rebsorten gehören Bourboulenc, Grenache Blanc, Maccabeu, Marsanne und Roussanne, die häufig zu aromatischen und faszinierenden Blends verarbeitet werden. In einem Corbières-Rosés findet man viele der gleichen Trauben wie in den Rotweinen, kombiniert mit Grenache Gris und Picpoul.

Böden und Klima des Corbières

Die Böden im Corbières bestehen hauptsächlich aus Lehm und Sand. Aber es gibt auch Abweichungen, die den Weinen wichtige Nuancen verleihen. Die große Vielfalt der Böden ist auf die Bewegung der tektonischen Platten im Laufe der Jahrtausende zurückzuführen, die eine große Vielfalt hervorgebracht hat. Von grauem kalkhaltigem Ton bis hin zu rotem Sandstein, Korallenkalk und Schiefer. Überall in der Region gibt es rustikale Garrigue, die den Rotweinen des Corbières deren typischen Kräuternoten verleiht. Die zerklüftete Landschaft bietet eine wunderschöne Kulisse für die Weinregion und ist eine Augenweide für das florierende Tourismusgeschäft.

In dieser Region, die eindeutig dem Mittelmeerraum zuzuordnen ist, sind die Tage heiß, die Abende jedoch kühl. Die verschiedenen Terroirs liegen auf unterschiedlichen Höhenlagen und verleihen den Weinen einen einen besonderen Charme. Die höchsten Lagen befinden auf 500 Meter Höhe! Hang- oder Berglage, unterschiedliche Böden und dann auch noch die Fülle von 19 Rebsorten (in Châteauneuf-du-Pape sind es "nur" 13!) - die Corbières-Winzer können hier ein ganzes Sammelsurium von unterschiedlichen Faktoren variieren. Deswegen wäre es vermessen, von DEM typischen Corbières zu sprechen.

Blick auf die zerklüftete Landschaft im Languedoc-Roussillon
Die zerklüftete Landschaft ist typisch für Corbières.

Corbières: Wo Qualität auf Leidenschaft trifft

Insgesamt tummeln sich 25 Genossenschaften und mehr als 2.000 Winzer im Corbières. So unterschiedlich die Weine auch sein mögen, so eint sie doch eines. Nämlich dass sie sich nicht nur der Quantität, sondern auch der Qualität widmen. Wobei sich tatsächlich auch die Menge mehr als sehen lassen kann. Auf 13.500 Hektar werden jährlich mehr als 73 Millionen Flaschen (oder 554.000 Hektoliter) Wein produziert.

Mit einem vielfältigen Terroir, einer leidenschaftlichen Geschichte und Qualitätsweinen in jeder Preisklasse avanciert das Corbières immer häufiger bei Weinliebhabern zur Lieblingsregion. Es ist schon schwierig, dem faszinierenden Charme dieser Weine zu widerstehen. Machen Sie doch einfach mal eine Verkostung und probieren Sie sich durch die unterschiedlichen Cuvées. Vielleicht verlieren Sie dann ja auch Ihr Weinherz an das Corbières?

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