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Grüner Veltliner: Österreichs Weißwein-Star

Vom süffigen Publikumsliebling bis hin zum hochkomplexen Wein, den man eine Ewigkeit reifen lassen kann – Grüner Veltliner hat viele unterschiedliche Gesichter. Und die zeigen wir Ihnen jetzt.

Nicole Korzonnek Von Nicole Korzonnek

  | 3. März 2021

Wenn es eine Rebsorte gibt, die für Österreich steht, dann ist es Grüner Veltliner. Und das ist nicht nur dem äußerst geschickten Marketing zu verdanken, das die Alpenrepublik seit Jahrzehnten erfolgreich betreibt. Sondern auch der beeindruckenden Menge. Schließlich sind in Österreich sage und schreibe ein Drittel aller Rebflächen mit Grünem Veltliner bestockt. In Zahlen ausgedrückt sind das dann gut 14.400 Hektar. Vor allem in den niederösterreichischen Weinbaugebieten wie der Wachau oder dem Kamptal und Kremstal ist die Sorte Trumpf. Und natürlich dem Weinviertel. Hier entsteht über die Hälfte der österreichischen Jahresproduktion!

Wer bei solchen Zahlen jetzt eher Masse statt Klasse erwartet, der liegt nur zur Hälfte richtig. Ja, aus der Rebsorte entstehen viele Zechweine, sogenannte Heurige, die im Sommer in den Buschenschenken rund um Wien ob ihres animierenden Trinkflusses äußerst beliebt sind. Gerne auch als Gespritzter, wie die gute alte Weinschorle in Österreich heißt. Diese einfachen Grünen Veltliner, die ideal zum berühmten Wiener Schnitzel passen, bestechen durch ihre knackige Weinsäure, die Aromen von Zitrone und Pfirsich sowie ihre Kräuterwürze. Und dann ist da natürlich noch das legendäre Pfefferl im Abgang, das schon zu so mancher Diskussion geführt hat. Schmeckt man da jetzt weißen, schwarzen, roten oder grünen Pfeffer? Die Meinungen gehen weit auseinander. Wo man sich aber einig ist: dass Grüner Veltliner eben nicht nur harmloses Trinkvergnügen sein kann, sondern auch richtig hochwertige Qualitäten hervorbringt.

Weinberge in Österreich
Grüner Veltliner, so weit das Auge reicht!

Anbaubedingungen für Grünen Veltliner

Welche Qualität aus Grünem Veltliner entsteht, entscheiden nicht nur Böden und Klima, sondern vor allem die Erträge. Die Rebsorte ist nämlich ebenso robust wie ertragsreich. Je weniger Trauben sich ausbilden dürfen, desto höher wird die Qualität, da sich die Energie der Rebe auf die wenigen verbleibenden Früchte konzentriert. Dass Grüner Veltliner viel Most liefert, war bis in die 1930er-Jahre übrigens nicht bekannt. Damals wurde für die Massenweine in Österreich vor allem die weiße Silvaner angebaut.

Ein Glas mit Weißwein auf einem Tisch mit weißer Tischdecke und einem Schattenspiel

Als aber der Winzer und Forscher Lenz Moser Anfang der 1930er die Hochkultur als Reberziehungssystem erfand, stellte sich schnell heraus, wie sehr Grüner Veltliner davon profitiert. Es dauerte noch bis in die 1960er-Jahre hinein, dann setzte sich diese Hocherziehung überall in der Alpenrepublik durch. Und die Rebsorte machte dem Silvaner sehr schnell den Rang streitig. Eben weil sie pflegeleichter und zudem auch noch ein Sprachrohr ihres Terroirs ist. Kein Wunder, dass die Stilistiken höchst unterschiedlich sind. Machen wir also eine kleine Reise durch Niederösterreich und die anderen österreichischen Anbaugebieten.

Grüne Veltliner-Trauben in Nahaufnahme am Rebstock
Grüner Veltliner ist eine recht pflegeleichte Rebsorte.

Grüner Veltliner: Von der Steinfeder bis zum Smaragd

Obwohl ein Gros der Grünen Veltliner für den jungen Genuss bestimmt ist, bestätigen Ausnahmen bekanntlich die Regel. Genau diese findet man vor allem in der Wachau. Hier, auf den steilen Weinterrassen an der Donau, zeigt die Rebe, dass aus ihr auch extra langlebige Weine entstehen können. Was nicht zuletzt dem Ehrenkodex der Vereinigung Vinea Wachau zu verdanken ist, die sich Anfang der 1980er-Jahre formte, um den Qualitätsanbau in der Region auf das nächste Level zu heben. Plötzlich wurden Ertragsmengen reduziert, auf das Mostgewicht geachtet und nach strengen Herkunftsregeln vinifiziert. Es war die Geburtstunde der dreistufigen Qualitätspyramide mit der Steinfeder an der Basis, dem Federspiel in der Mitte und dem Smaragd an der Spitze.

Drei Weingläser mit Weißwein vor schwarzem Hintergrund

Während die Steinfedern eher für den leichten und schnellen Genuss bestimmt sind, kann man einen Grünen Veltliner Federspiel durchaus schon ein paar Jahre lagern. Klar erkennbar mildert sich hier schon die knackige Weinsäure etwas ab. Hinzu kommen dann noch mehr Kräuternoten und Würze. Ein Grüner Veltliner Smaragd ist vergleichbar mit einem Großen Gewächs aus Deutschland. Hier kommen also nur die besten Trauben aus den ebenso besten Lagen zum Einsatz. Das Ergebnis ist dann ein Grüner Veltliner, der durch seine tiefgründige Komplexität ebenso besticht wie mit seinen mineralischen Anklängen. Und seiner Langlebigkeit. Schließlich kann man einen Grünen Veltliner Smaragd zehn Jahre oder länger lagern. Durch die Flaschenreifung kommen dann noch Noten von Honig und Toast hinzu.

Steile Weinbergsterrassen mit Grünem Veltliner in der Wachau
In der Wachau fühlt sich die Rebsorte besonders wohl.

Grüner Veltliner aus dem Kamptal und Kremstal

Obwohl es die Qualitätseinteilung in Steinfeder, Federspiel und Smaragd ausschließlich in der Wachau gibt, brauchen sich auch andere niederösterreichische Weinregionen mit ihren hochwertigen Grünen Veltlinern nicht zu verstecken. Die steilen Weinterrassen, auf denen sich die Rebsorte in der Sonne sehr wohl fühlt, findet man zum Beispiel auch im Kamptal. Hier werden die Böden von Löss, Schotter und Sandstein geprägt. Während die Ortsweine in der Basis hier leichtfüßige und frische Gewächse hervorbringen, sind die Lagen-Veltliner mit ihrer kompakten Struktur und ihrem gehaltvollen Charakter eine Nummer für sich. Vor allem, wenn sie dann auch noch im Eichenfass ausgebaut wurden. Bei den Lagen-Weinen ist das im Kamptal keine Seltenheit mehr.

Auch in der Nachbarregion Kremstal kommt bei den hochwertigen Grünen Veltlinern gerne mal Holz beim Ausbau zum Einsatz. So erhalten die Weine hier eine sehr cremige und dichte Textur. Im Kremstal findet man vor allem sehr schwere Lössböden. Und die sorgen dafür, dass aus der Rebsorte etwas rundere und fülligere Weine entstehen als im Kamptal. Auch ohne den Ausbau in Eiche. Ein typischer Grüner Veltliner aus dem Kremstal besticht zudem durch intensive Steinobstnoten und besonders viel Kräuterwürze.

Grüner Veltliner: Reben im Kamptal in der Abendsonne
Grüner Veltliner ist einer der großen Rebsorten-Stars im Kamptal.

Veltliner-Vielfalt aus dem Weinviertel

Wer sich dann doch eher für das Pfefferl im Abgang begeistert, der sollte sich die Grünen Veltliner aus dem Weinviertel anschauen. Hier entstehen nicht nur die meisten Weine aus dieser Rebsorte, sondern auch die vielfältigsten. Denn das Weinviertel ist groß - und von verschiedenen klimatischen Einflüssen sowie Bodentypen geprägt. Im Westen ist es zum Beispiel besonders trocken. Hier gedeihen die Reben auf Urgesteinsformationen aus Granit. Diese Kombination sorgt für sehr finessenreiche und elegante Veltliner, die durch eine zarte Mineralität glänzen.

Im Norden des Weinviertels wiederum findet man Kalkklippen. Zusammen mit dem etwas kühleren Klima sorgen sie dafür, dass hier die Heimat des typischen Grünen Veltliners ist: fruchtbetont, mineralisch, würzig und mit ordentlich Pfeffer im Abgang. Fährt man allerdings weiter in südöstliche Richtung, macht sich bereits das warme und trockene pannonische Klima bemerkbar, das das Burgenland beeinflusst. Am Fluss March sind die Weine deswegen ein wenig runder und behäbiger als im restlichen Weinviertel.

Buschenschank in Österreich, Mann legt seine Beine hoch und hat in der Hand ein Glas mit Grünem Veltliner
Im Weinviertel schenken viele Weingüter ihre Grünen Veltliner direkt vor Ort aus.

Grüner Veltliner im übrigen Österreich

Wir könnten diese Rebsorten-Reise durch die österreichischen Weinbaugebiete beliebig fortführen. Denn Grüner Veltliner gedeiht überall. Pardon, fast überall. Denn die Weststeiermark hat tatsächlich keinen einzigen Hektar mit dieser weißen Traube vorzuweisen. Und auch der Rest der Steiermark hält sich mit dem Anbau dezent zurück. Was aber nicht weiter verwunderlich ist, denn hier ist eben, neben Chardonnay, die hier Morillon genannt wird, ganz eindeutig Sauvignon Blanc der Wein-Star.

Auch das Burgenland wird nicht von Grünem Veltliner, sondern von einer der beiden roten Parade-Rebsorten Österreichs dominiert. Blaufränkisch. Was aber nichts daran ändert, dass auf den Kalk- und Schieferböden rund um das Leithagebirge komplexe Grüne Veltliner voll innerer Spannung und Tiefe entstehen. Und eh! Das Leithagebirge! Zu dem hat die Rebsorte eine ganz besondere Verbindung. Schließlich kommt hier ihre Mutter her!

Kleine Geschichte des Grünen Veltliners

Obwohl Grüner Veltliner bereits seit dem 16. Jahrhundert im Habsburger Raum angebaut wurde, war lange nicht klar, wie diese Rebsorte eigentlich entstanden ist. Das ist auch mit ein Grund, warum sie in die Gruppe der Veltliner-Sorten eingeordnet wurde. Also zu Rotem Veltliner und Co. Denn die grünlichen Beeren mit ihren braunen Sprenkeln sehen denen des Braunen Veltliners sehr ähnlich. Es wurde also automatisch eine Verwandtschaft angenommen. Diese wurde aber bereits Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Rebsortenforscher August Wilhelm Babo und Edmund Mach widerlegt. Der Name blieb trotzdem, er hatte sich inzwischen etabliert. Die alternative Bezeichnung Weißgipfler, die sich von der starken weißwolligen Behaarung der Triebspitze ableitet, existiert zwar auch heute noch, konnte sich aber nie richtig durchsetzen.

Tatsächlich tappte man bei der Herkunft lange Zeit im Dunkeln. Als Vaterrebe wurde der Traminer recht schnell identifiziert. Aber wer ist die Mutter des Grünen Veltliners? Diesem Geheimnis kam man tatsächlich erst im Jahr 2000 auf die Spur. Und zwar in St. Georgen am Fuße des Leithagebirges im Burgenland. Hier fand man einen einzelnen Rebstock. Vierhundert Jahre alt, gänzlich unbekannt. Eine sensationelle Entdeckung! Genetische Analysen ergaben schnell, dass die Mutter des Grünen Veltliners endlich gefunden wurde. Es war diese alte und unbekannte Rebe. Die einzige ihrer Art, übrigens. Und weil man der Mutter einen Namen geben musste, heißt sie jetzt wie ihr Fundort: St. Georgen.

Ort St. Georgen im Burgenland im Nebel
St. Georgen im Burgenland: Von hier stammt die Mutter des Grünen Veltliners.

Grüner Veltliner und der Rest der Welt

Ob Sie es glauben oder nicht: dass die Herkunft des Grünen Veltliners zur Jahrtausendwende endlich feststand, war nicht nur wissenschaftlich betrachtet ein Jackpot. Auch das österreichische Weinmarketing wusste diese Entdeckung sehr geschickt zu nutzen. Eine Pressemeldung jagte die nächste. Grüner Veltliner war plötzlich in aller Munde. Das war natürlich gut für den Export. Tatsächlich verkauft sich bis heute keine andere österreichische Rebsorte derart gut rund um den Globus wie der Grüne Veltliner. Die Rebsorte weckte aber auch bei Winzern anderer Länder Begehrlichkeiten. Trotzdem sind die Anbauzahlen außerhalb Österreichs verschwindend gering. Zwar findet man die weiße Traube auch in deutschen Anbaugebieten wie der Pfalz, Rheinhessen oder dem Rheingau. Aber die Rebfläche macht insgesamt nicht einmal 30 Hektar aus. Ähnliches gilt auch für Neuseeland, Australien und die Vereinigten Staaten.

Einzig in Ungarn, Tschechien und der Slowakei lassen sich nennenswerte Mengen finden. Damit ist und bleibt Österreich das Mutterland des Grünen Veltliners. Diese Fokussierung auf ein einziges Land ist dank der stilistischen Bandbreite aber zum Glück kein Problem. Haben Sie schon einmal einen Grünen Veltliner aus dem Kamptal neben einem aus dem Kremstal verkostet? Falls nicht: es lohnt sich! Selbiges gilt auch für einen Ausflug in die Wachau im Glas. Es ist einfach spannend, die unterschiedlichen Qualitäten von Steinfeder, Federspiel und Smaragd zu probieren. Und dann ist da ja auch noch die breite Vielfalt aus dem Weinviertel! Mit dem Grünen Veltliner wird es also garantiert nicht langweilig!

Weine aus unserem Shop, die zu diesem Artikel passen:

21 Antworten auf „Grüner Veltliner: Österreichs Weißwein-Star“

[…] Hier darf Ihr Wein etwas mehr Körper haben. Pizza Prosciutto mit seinem würzigen, leicht salzigen Prosciutto Cotto passt gut zu folgenden jungen Rotweinen: zu Sangiovese aus dem Chianti und süditalienischem Primitivo (Primitivo di Manduria). Als französische Alternative empfehlen wir Ihnen einen kräftigen Pinot Noir aus dem Burgund oder einen südfranzösischen Wein aus dem Languedoc-Roussillon. Möchten Sie Weißwein, greifen Sie zu einem gehaltvollen, trockenen Weißwein wie Vermentino aus Sardinien oder der Toskana, einem fruchtigen Grechetto di Orvieto oder einem intensiv-frischen Grünen Veltliner.  […]