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Kleine Zalze: Weingut im Herzen von Stellenbosch

Eine lange Geschichte und Menschen, die Tradition und Innovation miteinander verbinden – das zeichnet das Weingut Kleine Zalze aus. Und zwar schon seit 1683. Das Kult-Weingut aus Stellenbosch im Porträt.

Wer Neue Welt hört, der denkt in Sachen Wein an viel - aber nicht unbedingt an Tradition. Damit tut man der Neuen Welt aber oft Unrecht. Denn so neu ist da der Weinbau meistens gar nicht. Bestes Beispiel: Südafrika. Hier wird seit über 300 Jahren Wein kultiviert. Dank der Einwanderer aus den Niederlanden und Deutschland. Gut, das ist jetzt kein Alleinstellungsmerkmal. Einige Länder haben schließlich diesbezüglich eine noch viel längere Tradition. Aber die Dichte an Weingütern, die Ende des 17. Jahrhunderts in Südafrika - allen voran in der Region Stellenbosch - gegründet wurden und die es heute immer noch gibt, ist extrem hoch. Zu genau diesen großen Traditionsweingütern gehört Kleine Zalze!

Groß ist übrigens das richtige Stichwort, denn dem Weingut gehören sage und schreibe 100 Hektar Rebfläche. Das war natürlich nicht immer so. Fangen wir also von vorne an. Nämlich im Jahr 1683, als der deutsche Einwanderer Nicholas Cleef dem Aufruf von Simon van der Stel, dem zweiten südafrikanischen Gouverneur, folgte und sich nur drei Kilometer von der Stadt Stellenbosch niederließ. Und seine Farm gründete. Kleine Zalze. Ein bewusst gewählter Name für seine neue Heimat. Denn Cleef stammte aus Groß Salze, das heute Schönebeck-Bad Salzelmen heißt und in Sachsen-Anhalt liegt.

Kleine Zalze: Wie alles begann

Wein zu keltern war von Anfang an das Ziel von Nicholas Cleef, nur musste zuerst das Land urbar gemacht werden. Und das dauerte seine Zeit. Und zwar genau neun Jahre. 1692 war es dann endlich so weit: Nicholas Cleef konnte seine ersten 2.500 Rebstöcke in den fruchtbaren und sehr, sehr alten Boden pflanzen, der schon damals von Sand und Lehm, Kiesel und Granit geprägt war. Damit war Cleef übrigens recht spät dran. Denn im 17. Jahrhundert wurden die Einwanderer von den Behörden zwölf Jahre lang kontrolliert, wie sie sich denn so anstellten. Wer in dieser Zeit keine Erfolge vorweisen konnte, musste das ihm zugeteilte Land wieder abgeben.

Weinberge rund um das Weingut Kleine Zalze in Stellenbosch.
Genau hier ließ sich Nicholas Cleef im Jahr 1683 nieder. © Kleine Zalze

Zum Glück hatte Nicholas Cleef einen grünen Daumen. Und bekam nach den zwölf Jahren sein Land endgültig zugesprochen. Neben seinem Weingut betrieb Cleef mit seiner Familie auch ganz normale Landwirtschaft. Der Fokus lag damals aber bereits auf Wein. Aus den 2.500 wurden in zwanzig Jahren 10.000 Rebstöcke, aus deren Trauben er insgesamt sechs unterschiedliche Weine kelterte. Welche Rebsorten er damals anpflanzte, ist leider nicht genau überliefert. Auch nicht, warum seine acht Kinder und zwei Adoptivkinder das Weingut Kleine Zalze nicht in der Familie ließen, sondern irgendwann verkauften.

Besitzer wechsel dich

Es folgten Jahrzehnte des Wandels für Kleine Zalze. Ob nun Colyn, Krige, Du Toit oder De Waal - es waren bekannte südafrikanische Familien, die das Weingut zuerst erwarben, um es dann an den nächsten großen Namen weiterzuverkaufen. Bis Kleine Zalze 1968 an einen Weinhändler überging. Damit hätte das Weingut in die Masse der soliden Großbetriebe Südafrikas eingehen können. Wie zu dieser Zeit oft üblich: kleinere Weingüter lieferten ihre Trauben an große Abfüller statt selbst zu vinifizieren. Oder sie veräußerten ihre Rebflächen gleich komplett an die Großerzeuger.

Vielleicht wäre es auch Kleine Zalze so ergangen, wenn nicht 1996 Kobus Basson und Rolf Schulz gekommen wären und das Ruder übernommen hätten. Den beiden neuen Besitzern war es von Anfang an wichtig, sich gegen die Großproduzenten zu behaupten, ohne selbst Trauben zukaufen zu müssen. Nach und nach erwarben sie deswegen Weingärten in der Nachbarschaft. Bis sie auf die bereits erwähnten stolzen 100 Hektar kamen. Von diesen liegen 80 Hektar übrigens direkt am Weingut und in seiner unmittelbaren Nähe. Die restliche Fläche ist etwa etwa 15 Kilometer entfernt.

Weine für jeden Geldbeutel: Kleine Zalze

Angebaut werden weiße wie rote Rebsorten zu gleichen Teilen. Internationale Reben wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay oder Sauvignon Blanc finden sich hier ebenso wie die einheimischen Klassiker Pinotage und Chenin Blanc. Und natürlich auch Shiraz. Diese Sortenvielfalt kommt nicht von ungefähr. Sie passt perfekt zu den unterschiedlichen Böden und stark variierenden Mikroklimata in der Gegend rund um Stellenbosch.

Damit wird für die unterschiedlichen Weinlinien das Terroir perfekt auf die Flasche gebracht - und das auch noch für jeden Geldbeutel. Denn auch das war und ist Kobus Basson, der seit 2013 alleiniger Besitzer des Weinguts Kleine Zalze ist, wichtig: Jeder Mensch soll sich mindestens einen Wein von Kleine Zalze leisten können. Neben der Flaggschiff-Range "Family Reserve" (Weine aus den besten Trauben der besten Einzellagen mit besonders langer Reifezeit) oder "Vineyard Selection" (ausgewählte Lagenweine höchster Güte) wird im mittelpreisigen Segment die eher fruchtbetonte "Cellar Selection" angeboten. Die fruchtig-frischen Gutsweine der "Zalze Range" sind für den kleinen Geldbeutel und den alltäglichen Genuss.

Dreiklang aus Weinbergen, Menschen und Weinkeller

Konzipiert wurden diese unterschiedlichen Linien vom Önologen Henning Retief, der seit 2006 den Kellermeister Alastair Rimmer unterstützt. 2012 komplettierte Önologe RJ Botha die Crew bei Kleine Zalze. Gemeinsam setzte das dynamische Trio viele Änderungen in Gang, um das Weingut an die Spitze des südafrikanischen Weinbaus zu bringen. Mit dem Dreiklang Weinberge, Menschen und Weinkeller setzten sie dafür den Grundstein. Den Grundton bilden ganz ohne Zweifel die Reben selbst. Die 100 Hektar werden so naturnah wie möglich bewirtschaftet. In den Einzellagen ist konsequente Handarbeit nebst Ertragsreduktion Pflicht.

Weinmacher Alastair Rimmer (links) und RJ Botha (rechts) zusammen auf einer Parkbank mit einem Glas Wein in der Hand.
Alastair Rimmer (links) und RJ Botha (rechts) gehören zu den Weinmachern auf dem Weingut. © Kleine Zalze

Hier kommt dann, wenn wir beim musikalischen Sinnbild bleiben, der Faktor Mensch als Terz ins Spiel. Denn ohne all die helfenden Hände der angestellten Arbeiter wäre dieser enorme Qualitätsanspruch nicht umsetzbar. Die Quinte im Dreiklang ist in diesem Fall der Weinkeller, der mit modernster Technik ausgestattet ist. Was aber nicht bedeutet, dass die Weine von Kleine Zalze ausschließlich technisch hergestellt werden. Da ist sich das weinmachende Trio einig: ein Wein entsteht im Weingarten - und nicht im Keller. Es wird also so wenig wie möglich und soviel wie nötig eingegriffen. Außerdem bekommen alle Weine - von der Basis bis hin zu den punkteüberhäuften Ikonen - genügend Zeit, damit sie ihren jeweiligen Charakter in Ruhe entwickeln können.

Kleine Zalze - mit Auszeichnungen überhäuft

Mit diesem musikalischen Dreiklang-Vorbild haben die Weinmacher von Kleine Zalze großen Erfolg. Mal ganz davon abgesehen, dass die Weine Jahr für Jahr mit hohen bis höchsten Punkten der Weinkritiker überhäuft werden und im Sterne-Regen von Südafrikas Weinbibel Platter's Wine Guide stehen, wird das Weingut auch regelmäßig bei den Sommelier Wine Awards als "New World Producer of the Year" ausgezeichnet - wie zuletzt im Jahr 2018.

Aber wie schmecken die Weine von Kleine Zalze denn nun? Was sie alle eint: eine wundervolle Fruchtigkeit, die aber trotzdem eine feine Eleganz nicht vermissen lässt. Während die Linien "Zalze Range" und "Cellar Selection" für einen zeitnahen Genuss gemacht sind, sind die Weine der "Vineyard Selection" komplexer und facettenreicher. Zwar können auch sie schon jung getrunken werden, machen nach ein paar Jahren zusätzlicher Lagerung aber noch mehr Spaß. Die Krönung sind dann die dichten, komplexen und mineralischen Weine aus der Linie "Family Reserve". Diese Weine sind für eine kleine Ewigkeit bestimmt und gehören mit zu dem Besten, was am Kap produziert wird.

Zwei Frauen sitzen an einem Picknicktisch und genießen ein Glas Weißwein.
Besucher des Weinguts wissen die unterschiedlichen Weinlinien genussvoll zu schätzen. ©Kleine Zalze

Stellenbosch-Urlaubstipp

Wobei es sich aber nicht nur lohnt, mit den Weinen von Kleine Zalze im Glas nach Stellenbosch zu reisen, sondern auch ganz real im Urlaub. Weingut-Inhaber Kobus Basson hat viel dazu beigetragen, um den Tourismus in Stellenbosch anzukurbeln. Neben einem Gästehaus hat er mit dem Restaurant namens Terroir ein hochdekoriertes Feinschmecker-Mekka eröffnet. Ein eigener Golfplatz lockt zudem auch sportliche Touristen an. Wobei sich die Gegend rund um Stellenbosch auch ideal für Wanderungen und Fahrradtouren eignet. Etwa zum nur 15 Kilometer entfernten Atlantik, der mit seiner frischen Brise den Weinen ihre zarte Mineralität verleiht.

Bei derart vielen Attraktionen an einem Ort versteht es sich von selbst, dass das Weingut Kleine Zalze inzwischen auch eine der vielen attraktiven Stationen der Weinroute durch Stellenbosch ist. Ob nun ein mehrtägiger Aufenthalt oder als Stopp auf einer Tagestour: ein Besuch auf Kleine Zalze lohnt sich ebenso wie der Genuss dieser einzigartigen Weine, die den Geschmack von Stellenbosch auf die Flaschen bannen.

Nicole Korzonnek

Von Nicole Korzonnek

Früher vor allem im Kulturjournalismus zuhause, begeistert sich Nicole Korzonnek nicht erst seit dem obligatorischen Pausen-Sekt im Theaterfoyer für Wein. Neben Theaterkritiken für die FAZ und Artikel für diverse Kulturformate brachte sie ihr journalistischer Weg über die Jahre immer mehr in Richtung Wein. Ob nun mit einem eigenen Blog oder eben als Copywriterin & Chief Editor Wine Magazine bei Wine in Black, wo sie die Geschichten hinter den Weinen entdeckt und dann auch begeisternd erzählt.

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