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Lugana: Weißwein mit Urlaubs-Feeling

Frisch, fruchtig und herrlich mineralisch. Ein Lugana ist wie Ferien im Glas. Und das hat auch gute Gründe. Welche das sind, verraten wir Ihnen hier.

Es ist dieses ganz bestimmte Urlaubsgefühl. Die Sonne strahlt, man hört die sanften Wellen des Gardasees gegen den Bootssteg platschen, auf dem man gerade sitzt. Die Beine baumeln herunter, die Füße kühlen im klaren Seewasser ab. Keine Termine, Entspannung pur. Und in einer Hand ein Glas mit Lugana. So geht Urlaub in Italien! Und nein, das Beschriebene ist kein Klischee, sondern gelebte Wirklichkeit. In den 1980er-Jahren erreichte der Gardasee seinen Zenit als Urlaubssehnsuchtsort der Deutschen. Man kam, badete, genoss - und trank Lugana. Denn dieser kommt ja aus der Region. Und von dort ging er dann hinaus in die Welt. Zunächst als Urlaubsmitbringsel, dann als Exportschlager in den Weinhandlungen. Seit gut 40 Jahren ist Lugana dementsprechend im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde.

Wobei sich Masse und Klasse hier ganz klar nicht ausschließen, sondern ergänzen. Schon weitaus länger als 40 Jahre, übrigens. Bereits die alten Römer wussten vor 1.500 Jahren den Lugana sehr zu schätzen, wie aus historischen Dokumenten hervorgeht. Und auch in der Neuzeit hat der Wein, der südlich des Gardasees teils in der Lombardei, teils in Venetien entsteht, nichts von seiner Strahlkraft verloren. Das gerade einmal 700 Hektar große Gebiet bekam schon im Jahr 1967 den DOC-Status (Denominazione di Origine Controllata) verliehen, um die Herkunft des Weins zu schützen. Womit wir jetzt geklärt hätten, warum der Lugana in Deutschland so beliebt ist und dass er eine lange Tradition hat. Aber warum lässt dieser Weißwein immer wieder direkt Urlaubsgefühle aufkommen, sobald man ihn im Glas hat? Schauen wir uns die Faszination Lugana einmal näher an!

Karte von Italien mit dem Gardasee und der Lugana-Region
Eine kleine Orientierung, wo Gardasee und Lugana zu finden sind. © Wine in Black

Rebsorte hinter dem Lugana

Um es gleich vorweg zu nehmen: Lugana ist keine Rebsorte. Jedenfalls nicht im eigentlichen Sinne. So, wie ein Barolo aus der roten Nebbiolo-Traube oder ein Brunello aus Sangiovese bereitet wird, ist auch der Lugana nach seiner Herkunft benannt. Also Lugana DOC. Und wie bei allen herkunftsgeschützten Weinen, ist hier gesetzlich klar definiert, welche Rebsorten die 150 Winzer des Gebiets verwenden dürfen - und wie diese zu vinifizieren sind. Beim Lugana spielt eine Rebsorte die Hauptrolle. Nämlich die weiße Trebbiano di Soave, die in der Region auch Turbiana oder Trebbiano di Lugana heißt. Wobei der Name leider recht irreführend ist. Denn mit der Trebbiano-Traube aus Mittelitalien hat sie nichts zu tun. Die beiden sind nicht mal miteinander verwandt. Tatsächlich ist Trebbiano di Soave nämlich mit der Rebsorte Verdicchio identisch. Aber das nur am Rande. Ein Lugana muss also zu mindestens 90 Prozent aus ihr bestehen. Die restlichen 10 Prozent werden mit anderen weißen Sorten aus der Region aufgefüllt.

Dass  ausgerechnet Trebbiano di Soave der Star im Lugana ist, verwundert nicht. Die Rebsorte ist zum einen relativ pflegeleicht. Als Winzer hat man damit also nicht viel Arbeit. Zum anderen fühlt sie sich im milden Klima Norditaliens pudelwohl und mag auch die frischen Winde, die vom Gardasee herüberwehen, sehr gerne. So ist es weder zu warm noch zu kalt. Ideal, damit die Beeren in Ruhe ausreifen können. Das i-Tüpfelchen bilden dann noch die Böden, die hier vor allem aus Lehm und Ton und Sedimenten aus dem Urmeer, das hier noch vor Millionen von Jahren Wellen schlug, bestehen. Die sorgen nicht nur dafür, dass die Trauben eine schöne Aromatik entwickeln, sondern bringen auch noch wunderbare mineralische Nuancen in den Wein. Höchste Zeit, dass wir uns diesem jetzt endlich mal widmen.

Weiße Weintrauben am Rebstock im Weingarten
Aus ihr wird Lugana bereitet: Trebbiano di Soave.

Warum Lugana so unterschiedlich schmecken kann

Ein typischer Lugana ist sowohl fruchtig als auch gehaltvoll. Man findet in ihm nicht nur eine schöne Mineralik, sondern ebenso Noten von Akazienblüten, reifen Birnen und Pfirsichen. Und manchmal ist da noch ein Hauch von Ananas oder Kamille. Oder Vanille. Hier haben wir also endlich das Urlaubsfeeling für den Gaumen, der uns den Gardasee direkt auf die Zunge bringt. Dass die Stilistik nicht ganz einheitlich ist, hängt nicht unbedingt mit dem Terroir zusammen, sondern mit der Vinifikation. Und mit der Qualitätsstufe des Weins. Denn da gibt es für den Lugana direkt vier verschiedene.

Flaggschiff der Region ist mit 90 Prozent der Gesamtproduktion ganz eindeutig der Lugana DOC. Er wird meistens im Edelstahltank ausgebaut, ist fruchtig und frisch und sollte jung genossen werden. Traditionell kommt er am 15. Januar nach der Lese auf den Markt und hat mindestens 11 Volumenprozent Alkohol. Seit 1998 gibt es die Qualitätsstufe Lugana Superior. Dieser muss 12 Volumenprozent Alkohol haben. Minimum. Außerdem ist hier vorgeschrieben, dass er mindestens 12 Monate reifen muss. Für die Lugana Riserva sind dann sogar 24 Monate Reife vorgesehen - sechs davon auf der Flasche.

Sie ahnen es vielleicht schon: Superior und Riserva werden nicht nur im Edelstahl, sondern gerne auch im Holz ausgebaut. Dadurch gewinnen sie an Komplexität, bekommen einen kräftigeren Körper und können auch noch gut und gerne mehrere Jahre im heimischen Weinkeller gelagert werden. Ähnliches gilt für den Lugana Vendemmia Tardiva - die Spätlese, die ebenfalls 12 Monate vorab reifen soll. Hier stehen vor allem süße Honignoten im Vordergrund.

Zwei Weißweingläser vor einem See in der Sonne
Lugana: Urlaubsfeeling für den Gaumen.

Prickelndes Urlaubsvergnügen

Neben diesen vier Lugana-Spielarten gibt es übrigens auch noch einen Lugana Spumante. Also einen Schaumwein. Dieser ist hierzulande aber tatsächlich eine echte Rarität. Um ihn ins Glas zu bekommen, muss man leider Richtung Gardasee reisen, denn der Spumante bleibt in der Regel im Land. Er wird vor allem gerne als Aperitif genossen: frisch, fruchtig und leicht, mit einer angenehmen Weinsäure ausgestattet, öffnet er den Gaumen für kulinarische Freuden von der Pizza bis hin zum Risotto.

Wobei man wahrlich nicht extra nach Norditalien reisen muss, um die Lugana-Vielfalt zu entdecken. Das geht auch ganz bequem von zuhause aus. Vergleichen Sie doch mal einen Lugana DOC mit einem Superior oder einer Riserva. Die Unterschiede können erstaunlich sein. Und der angenehme Nebeneffekt: wenn man bei jedem Schluck die Augen schließt, kommt direkt das Urlaubsfeeling wieder auf. Als wäre man am Gardasee und eben nicht auf dem heimischen Balkon oder der Terrasse. Probieren Sie diese Art von Kurzurlaub im Glas einfach mal aus. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen damit!

Nicole Korzonnek

Von Nicole Korzonnek

Früher vor allem im Kulturjournalismus zuhause, begeistert sich Nicole Korzonnek nicht erst seit dem obligatorischen Pausen-Sekt im Theaterfoyer für Wein. Neben Theaterkritiken für die FAZ und Artikel für diverse Kulturformate brachte sie ihr journalistischer Weg über die Jahre immer mehr in Richtung Wein. Ob nun mit einem eigenen Blog oder eben als Copywriterin & Chief Editor Wine Magazine bei Wine in Black, wo sie die Geschichten hinter den Weinen entdeckt und dann auch begeisternd erzählt.

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2 Antworten auf „Lugana: Weißwein mit Urlaubs-Feeling“

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