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McLaren Vale: Wein-Vielfalt made in Down Under

Für Shiraz bekannt, für Grenache geliebt – so lautet die kurze Erfolgsformel des McLaren Vale. Dabei hat die ökologisch wohl grünste Weinregion Südaustraliens noch eine Menge mehr zu bieten. Höchste Zeit für einen Streifzug durch das Tal!

Nicole Korzonnek Von Nicole Korzonnek

  | 10. September 2020

Wer jetzt genau Namenspate für das McLaren Vale war, ist leider nicht überliefert. Fest steht nur, dass dafür zwei Männer in Frage kommen. Nämlich entweder John oder aber David McLaren. Nicht miteinander verwandt, übrigens. Beide waren zur selben Zeit für die South Australia Company in der Region, die etwa 40 Kilometer südlich von Adelaide liegt. Ihr Auftrag: die Gründung einer Kolonie. Gesagt, getan. Das offizielle Gründungsjahr des McLaren Vale lautet 1838.

Wie so viele andere Siedler, ließ sich auch John Reynell sofort in dem beschaulichen Tal nieder. Der große Unterschied zu den anderen Einwanderern: statt Getreide und Co. pflanzte Reynell Reben. Und zwar nicht für den Eigengebrauch wie die anderen Farmer, sondern um professionellen Weinbau zu betreiben. In genau diesem Detail verbirgt sich eine kleine Besonderheit. Denn es stimmt zwar, dass das Barossa Valley die älteste Region in Südaustralien ist, in der es schon Wein gab. Professionalisiert wurde Wein dort aber erst in den 1850er-Jahren - während Reynell seine ersten Weine bereits in den 1840er-Jahren abfüllte. Man hat im McLaren Vale also schon viel früher auf Wein als Haupteinnahmequelle gesetzt.

Karte von Australien mit dem McLaren Vale
Hier sieht man, wo das McLaren Vale geographisch verortet ist. © Wine in Black

Thomas Hardy und das McLaren Vale

Auf die Spitze wurde das dann von einem anderen Winzer getrieben. Nämlich von Thomas Hardy. Als Jungspund lernte er bei John Reynell alles, was er über Weinbau wissen musste und gründete dann 1853 sein eigenes Weingut. Hardy wiederum pflanzte vor allem Shiraz und Grenache - und exportierte seine Weine direkt nach England. 600 Liter! Damals eine unvorstellbar große Menge! Der Rest ist Legende. Denn das Weingut Hardys Wine gibt es heute noch. Und die Weine sind inzwischen auf der ganzen Welt sehr gefragt.

Mit seinem Export-Erfolg stellte Thomas Hardy dann die Weichen für das McLaren Vale. Immer mehr Farmer konzentrierten sich auf den Weinbau. Angebaut wurden vor allem rote Rebsorten wie Shiraz, Cabernet Sauvignon und Grenache. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sage und schreibe 90 Prozent der 7.300 Hektar umfassenden Rebfläche sind rot bestockt. Und hier wiederum hat Shiraz ganz eindeutig mit 58 Prozent die Nase vorn. Gefolgt von Cabernet Sauvignon (19 Prozent) und Grenache (fünf Prozent). Weißwein spielt, wenn überhaupt, also nur eine untergeordnete Rolle. Hier gehört die Hauptrolle auf der Weinbühne dann Chardonnay.

Klima im McLaren Vale

Dass sich die Winzer im McLaren Vale auf Rotwein spezialisiert haben, hat natürlich einen Grund. Und der hängt vor allem mit dem Klima zusammen. In der Region ist es nämlich heiß. Sehr heiß sogar. Im Sommer sind Temperaturen um die 35 Grad Celsius gar kein Problem. Allein die Nähe von Mount Lofte und dem Golf von St. Vincent ist es zu verdanken, dass hier überhaupt Wein angebaut werden kann. Denn sie mildern die Hitze ein wenig ab und lassen ein mediterranes Klima entstehen, in dem sich vor allem die drei roten Rebsorten Shiraz, Cabernet Sauvignon und Grenache sehr wohl fühlen.

Alte Reben im McLaren Vale
In der Hitze Südaustraliens fühlen sich vor allem einige rote Rebsorten richtig wohl.

Einzig und allein die Bewässerung war lange Zeit ein Problem. Denn in den australischen Sommermonaten regnet es im McLaren Vale nur sehr, sehr selten. Genau dann aber benötigen die Rebstöcke ob der Hitze dringend Wasser. Deshalb taten sich die Winzer mit Ingenieuren und Wissenschaftlern zusammen, um an einem Bewässerungssystem zu arbeiten. 1999 ging das Bewässerungsnetzwerk an den Start - als erstes in ganz Australien. Das Besondere: das System speist sich zwar auch aus dem Grundwasser (dessen Pegel ständig und streng kontrolliert wird). Aber hauptsächlich wird für die Rebenbewässerung wiederaufbereitetes Wasser aus Kläranlagen verwendet. So schuf man im McLaren Vale einen eigenen Recycling-Kreislauf!

Viele Böden, viele Stilistiken

Generell ist man im McLaren Vale recht grün unterwegs. In keiner anderen australischen Weinregion ist die Dichte an biologisch oder sogar biodynamisch bewirtschafteten Rebflächen derart groß wie hier. Und das ist nicht nur dem Wassermangel im Sommer geschuldet, sondern vor allem den Böden. Die haben es hier wirklich in sich! Es gibt über 40 verschiedene Bodentypen im McLaren Vale. Besonders häufig trifft man hier auf rotbraunen Sandlehm, graubraunen Lehmsand, roten und schwarzen Lehm sowie mit Kalk durchsetzen gelben Ton. Einige dieser Böden sind über 550 Millionen Jahre alt - und gehören damit zu den ältesten der Welt. Solch einen Schatz wollen die Winzer natürlich bewahren und hegen und pflegen. Aus diesem Grund haben inzwischen viele der etwa 110 Weingüter der Region ihre Bewirtschaftung auf biologisch oder sogar biodynamisch umgestellt.

Die Böden sind aber zugleich auch der Grund, warum man den Weinen  aus dem McLaren Vale kein eindeutiges Geschmacksprofil zuordnen kann. Shiraz aus dem Barossa Valley etwa erkennt man sofort. Die Weine sind sehr opulent, extraktreich und vollfruchtige Aromen-Granaten. Auch ein Shiraz aus dem McLaren Vale kann so sein. Es gibt aber sehr viele Gewächse mit einem eher mittelkräftigen Körper. Und einige Shiraz könnte man aufgrund ihrer Feingliedrigkeit sogar für einen Syrah von der Rhône halten. Diese Bandbreite ist den unterschiedlichen Bodenformationen zu verdanken.

Weingarten im Winter im McLaren Vale in Australien.
Unterschiedliche Böden sorgen für eine große stilistische Bandbreite.

Uralte Grenache-Reben sorgen für Begeisterung

Was die Weine aus dem McLaren Vale indes mit dem Barossa Valley gemeinsam haben, sind die zum Teil uralten Reben. Denn auch hier ward die Reblaus nie gesehen. Im Gegensatz zum Barossa Valley ist das aber wiederum nicht den Böden zu verdanken, die dafür einfach nicht genug Sand vorweisen - dem Todfeind der Reblaus. Es war also einfach nur Glück, dass die Reblaus nicht ins McLaren Vale kam. Einem Glück, dem inzwischen bewusste nachgeholfen wird. Denn wer hier neue Reben aus einem anderen Land importiert, um sie hier zu pflanzen, muss sehr strenge Quarantänevorschriften für die Stöcke einhalten. So soll verhindert werden, dass sich die gefürchtete Reblaus nicht doch noch eines Tages ausbreitet.

Aber zurück zu den Reben an sich. Denn hier gibt es noch einen Unterschied zum Barossa Valley. Dort sind die ältesten Stöcke Shiraz-Reben. Im McLaren Vale ist es Grenache. Und genau das macht die Rebsorte zum heimlichen Star. Die Weine, die von diesen bis zu 100 Jahre alten Reben stammen, glänzen mit einer ebenso dicht gestrickten wie feinen Aromatik. Neben Nuancen von Kirschen und dunklen Himbeeren verführen vor allem die würzigen und erdigen Noten. Lange Zeit wurde Grenache fast ausschließlich für Blends verwendet. Inzwischen wird die Rebe aber immer häufiger reinsortig ausgebaut.

Wir könnten jetzt ein Hohelied darauf singen, wie gut diese Entwicklung und wie phänomenal die Grenache-Qualität aus dem McLaren Vale ist. Nur leider werden die meisten Flaschen direkt vor Ort verkauft und genossen - nur wenige kommen überhaupt in den Export. Umso stolzer sind wir natürlich, wenn wir für Sie ein paar Flaschen ergattern und dann anbieten können.

Von Likörweinen und Italo-Hits

Was man hierzulande allerdings problemlos erstehen kann, ist eine weitere Spezialität aus dem McLaren Vale, die zugleich eine Reminiszenz an das Viktorianische Zeitalter darstellt: Tawny. Also die australische Version des Portweins. Womit wir jetzt wieder bei Thomas Hardy wären, der ja als Erster dafür sorgte, dass australische Weine in England genossen wurden. Und dort liebte man zwischen den 1840er-Jahren bis zur Jahrhundertwende eben alles, was süß war. Dementsprechend hatte der Wein auch so zu sein. Viele Winzer bauten ihre Weine deswegen nicht trocken aus, sondern machten entweder Likörweine oder eben den legendären Tawny daraus. Das änderte sich tatsächlich erst im Laufe des 20. Jahrhunderts, als die Süß-Welle in England nachließ.

Außerdem kam es nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem weiteren Wandel, der bis heute enormen Einfluss auf das McLaren Vale hat. Damals ließen sich verstärkt italienische Einwanderer im Tal nieder. Diese brachten zum einen ihre Esskultur mit. Der Grund, warum das McLaren Vale auch heute noch als Foodie-Hotspot mit einer enormen Dichte an Gourmetrestaurants glänzt. Und sie brachten italienische Rebsorten ins McLaren Vale. Ob nun Sangiovese, Barbera und Nero d’Avola auf der roten oder Vermentino und Fiano auf der weißen Rebsortenseite - in so manchem Weingarten vermutet man sich nach wie vor in Bella Italia.

Rebstöcke im diffusen Nachmittagslicht im südaustralischen McLaren Vale.
Bitte wundern Sie sich nicht, wenn Sie im McLaren Vale auch viele italienische Rebsorten sehen.

Im McLaren Vale trifft Innovation auf Tradition

Nun mag man meinen, dass der Anbau von solchen, für Australien doch recht exotischen Rebsorten ein bloßer Trend sei. Bitte täuschen Sie sich da nicht! Denn darin liegt eine weitere Stärke der Winzer dieses heißen Tals: sie schauen sehr gerne über ihren Tellerrand hinaus - ohne dabei ihre Traditionen zu vergessen. Und dieser Tellerrand ist nun einmal international - was nicht zuletzt an den Önologen liegt, die aus der ganzen Welt stammen und jetzt für Weingüter im McLaren Vale tätig sind. Allesamt bringen sie dementsprechend einen ebenso vielfältigen wie unterschiedlichen Erfahrungsschatz mit. Den nutzt aber nicht jedes Weingut nur für sich, um den Status quo zu bewahren. Im Gegenteil! Im McLaren Vale teilt man das Wissen!

Immer wieder setzen sich die Önologen der verschiedenen Weingüter in privaten Runden zusammen, diskutieren neue Techniken oder beratschlagen über historische Verfahren, die dann kurzerhand auch einfach mal ausprobiert werden. Wie etwa der Ausbau in Amphoren. Oder in Granit. Durch diesen regen Austausch ist stetig Bewegung im McLaren Vale. Nicht zuletzt solchen Zusammenkünften ist es schließlich zu verdanken, dass Grenache so etwas wie der neue Superstar im Tal ist. Oder auch, dass die Shiraz-Weine eben nicht mehr als Alkohol-Wuchtbrummen wahrgenommen werden wie noch vor einigen Jahren. Damals hagelte es Kritik, dass kaum ein Shiraz unter 15 Volumenprozent auskommt. Ein Umstand, der sich inzwischen geändert hat. Generell gilt: weg vom Schema F - hin zu mehr Individualität. Die Böden sollen sprechen, damit die Weine von ihrer Herkunft erzählen können. Genau das macht die Gewächse aus dem McLaren Vale inzwischen so spannend.

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