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Nebbiolo: Edle Rebe aus dem Piemont

Nebbiolo ist eine der edlen Rebsorten der Welt und zugleich eine der mysteriösesten. Sie bringt außergewöhnlich vielschichtige Weine hervor, elegant und zugleich kraftvoll, mit großem Lagerpotenzial. Erfahren Sie hier mehr über die Rebsorten-Diva.

Die rote Nebbiolo-Traube ist die berühmteste Rebsorte im norditalienschen Piemont, obwohl sie nur knapp vier Prozent der Weinbaufläche belegt. Sie ist hier bereits seit dem Mittelalter zu finden und hat sich an das Klima und die Böden der piemontesischen Weinberge perfekt angepasst.

Ideale Bedingungen findet sie nur im norditalienischen Piemont, wo sie in den Weltklasseweinen Barolo und Barbaresco zur Höchstform aufläuft. Und was ist die Rebe im Anbau kapriziös! Versuche, sie außerhalb Italiens anzubauen, waren bisher von wenig Erfolg gekrönt. Sie gilt daher als eine von Italiens autochthonen Rebsorten, wird also fast nur lokal angebaut. So kommt es, dass Nebbiolo immer noch etwas für Spezialisten und Neugierige ist. 

Das Piemont auf einer Karte. © Wine in Black
Nebbiolo wächst am besten im Piemont. © Wine in Black

Herkunft und Anbau

Die Bezeichnung "Nebbiolo" leitet sich wahrscheinlich von "Nebbia" - dem italienischen Wort für "Nebel" - ab. Da die Weinberge des Piemont im Herbst häufig in dichten Nebel gehüllt sind und die Trauben dort dennoch ausreifen, vermutet man, dass sie so zu ihrem Namen gekommen ist. Andere erklären den Namen mit dem weißgrauen Schleier, der sich im Endstadium der Reife über die Beeren legt.

Außerhalb von Italien sind kleine Bestände in Frankreich, Schweiz, Österreich, Argentinien, Chile, Mexiko, Uruguay, USA, Mexiko, Brasilien und Südafrika zu finden. Die weltweite Rebfläche für Nebbiolo beträgt um die 6.000 Hektar. Über 5.000 davon befinden sich in Italiens Weinbergen.

Treise im Gebiet Langhe.
Fühlt sich in den Weinbergen des Piemont pudelwohl: Nebbiolo.

Um einen Nebbiolo mit komplexem Aromen-Bouquet zu vinifizieren, müssen Winzer gute Bedingungen schaffen. Die Rebsorte hat eine lange Reifeperiode, denn sie treibt früh aus und kann erst Mitte bis Ende Oktober gelesen werden. Sie ist daher anfälliger für Frühlingsfrost und Spätfrost als andere Rebsorten. Zudem benötigt sie viel Sonne und bevorzugt hoch gelegene Kalkmergelböden in steilen Lagen mit süd- bis südwestlicher Ausrichtung. All das findet Nebbiolo in den DOCGs Barolo und Barbaresco im Piemont.

So schmeckt Nebbiolo

Nebbiolo ergibt mächtige, körperreiche Weine mit großem Alterungspotenzial, die zu den besten und berühmtesten Rotweinen Italiens gehören. Ihre vielschichtige Aromatik umschmeichelt die Nase mit Noten von dunklen Früchten, Rosen, Veilchen, Tabak, Trüffeln, Schokolade und Gewürzen. Die meisten Nebbioli schmecken in ihrer Jugend recht säure- und tanninbetont. So laufen unerfahrene Genießer, die ihren Wein zu früh öffnen, Gefahr, die Rebsorte von ihrer verschlossenen, gar kratzbürstigen Seite kennenzulernen. Der Trick heißt Geduld. Denn die meisten Exemplare werden erst nach einigen Jahren Reifezeit zugänglich und verwöhnen dann mit Harmonie und Eleganz. Dann sind sie überraschend samtig und weich, zugleich aber auch erdig und kraftvoll. 

Weil ein hervorragend gereifter Nebbiolo trotz aller Kraft sehr elegant ist, wird er von eingefleischten Fans sogar mit - Achtung - Pinot Noir verglichen wird. Auch, weil beide Rebsorten vielschichtige Weine hervorbringen können, die Kopf und Sinne zugleich ansprechen. Zugegeben, etwas mehr Wumms hat Nebbiolo dann doch und so wundert es nicht, dass der Schriftsteller Norm Roby die Rebsorte liebevoll als "Pinot Noir with a bad attitude" beschreibt. 

Weißer großer Teller mit hausgemachter italienischer Pasta und weißen Trüffeln.
Nebbiolo-Aromen passen hervorragend zu Trüffel-Gerichten.

Die typische Farbe eines Nebbiolo ist Rubin- bis Granatrot mit orangefarbenen Reflexen und sie bleibt eines seiner Faszinosa: wie kann ein schwerer, alkoholstarker Wein einen derart hellen Farbton annehmen? Geklärt ist auf jeden Fall die Frage nach der passenden Essensbegleitung: Wir empfehlen aromatischen Rinderschmorbraten oder ein gehaltvolles Waldpilz-Risotto. Und natürlich dürfen Sie ihr Menü mit Trüffeln aus der berühmten Piemonteser Stadt Alba abrunden.

Die Nebbiolo-Stars Barolo und Barbaresco

Die besten Weine stammen aus dem Langhe-Gebiet, einer hügeligen Landschaft im Südwesten des Piemont, und hier insbesondere aus den Anbaugebieten Barolo und Barbaresco. Der kräftige Barolo kommt mit einer 3-jährigen Reife auf den Markt, wovon der Wein mindestens achtzehn Monate im Eichenfass reifen durfte. Der etwas leichtere Barbaresco reift neun Monate im Eichenfass und insgesamt zwei Jahre, bevor er in den Handel kommt.

Beide-Stile vertragen eine weitere Lagerung in der Flasche. Vor allem Baroli sollte Sie einige Jahre lagern, damit sich das volle Aromenspektrum entfaltet. Wie lange, hängt auch davon ab, ob der Barolo von einem traditionell arbeitenden Weingut oder einem modern arbeitenden kommt. Was es mit diesem Unterschied auf sich hat, erfahren Sie hier.

Weinfässer in einem Keller zur Weinlagerung.
Braucht Zeit: Nebbiolo reift gern in Ruhe.

Andere Weine aus Nebbiolo

Sie haben einen hervorragenden Barolo und großartigen Barbaresco gekauft und wollen beide aber noch etwas lagern? Sie wollen aber unbedingt schon Nebbiolo aus dem Piemont verkosten? Kein Problem. Natürlich verstehen sich auch die Nachbarwinzer der beiden Nebbiolo-Hotspots auf die Rebsorte. Gehen Sie ohne Sorge ins nördliche Piemont.

So finden Sie in den nördlich gelegenen DOCGs Gattinara und Ghemme ebenfalls guten Nebbiolo. Die Weine sind leichter und früher zugänglich. Auch in benachbarten Roero gibt es Wein aus der Rebsorte, der leicht und duftend ist. Im Gebiet Roero wird der gleichnamige Wein erzeugt, der manchmal auch als Nebbiolo d’Alba oder Langhe Nebbiolo erhältlich ist. Weitere Bestände gibt es im Aostatal und im lombardischen Valtellina - beide Regionen befinden sich ebenfalls in Norditalien.

Wie auch immer Sie Ihren Nebbiolo mögen: wir wünschen Ihnen viel Weingenuss. Und falls Sie bereits ein zu junges Exemplar erwischt haben, geben Sie dem Wein eine zweite Chance! 

Marie Ohl

Von Marie Ohl

Hätte nie gedacht, dass sie mal beruflich über Wein schreibt. Und sich früher gefragt, warum manche Leute bereit sind, so viel Geld für Wein auszugeben. Jetzt versteht sie es. Studium der Theaterwissenschaft mit Stationen bei Christoph Schlingensief und beim ZDF, WSET (Wine & Spirit Education Trust) Level 3. Mag es, mit dem Schreiben die Wein-Welt zu entdecken und Dinge zu erklären.
© Steffen Kugler

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