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Weihnachten: Wein-Tipps zum Fest

„Schatz, wegen Weihnachten – Wein bringst du mit, oder?“ Mit diesen Worten meiner Mutter steigt Jahr für Jahr mein Stresslevel. Denn für die gesamte Familie den richtigen Wein auszuwählen ist eine Herausforderung. Erfahrungsbericht einer Betroffenen.

Seitdem ich in der Weinbranche tätig bin, bin ich bei uns in der Familie für die Weinauswahl zuständig. Was mich zu Beginn mit einem gewissen Stolz erfüllte, entpuppte sich allerdings recht schnell als, nun ja, eher schwierige Aufgabe. Denn es bedeutet mitnichten, dass ich - wie anfangs gedacht - einfach eine spannende Auswahl an Weinen mitbringe und wir uns gemeinsam durchverkosten. Oh nein!

Vielmehr geht meine Familie davon aus, dass ich über eine Art Geheimwissen verfüge, das mich in die Lage versetzt, für jeden den perfekten Wein zu finden. Und zwar auf Grundlage von Hinweisen wie: "So wie der, den wir da mal im Urlaub im Schwarzwald getrunken haben." (Bei besagtem Urlaub war ich neun). Obwohl also die Wahrscheinlichkeit, daneben zu liegen, immer noch durchaus vorhanden ist, habe ich es in den vergangenen Jahren doch zu einer gewissen Expertise gebracht. Hier finden Sie meine Tipps für besinnliche Weihnachten. Wein-Empfehlung inklusive.

Aperitif an Weihnachten - Wein, Sekt oder Champagner? 

Der Tisch ist gedeckt, der Braten im Ofen, die Kerzen entzündet. Jetzt fehlt nur noch die Verwandtschaft. Und die trudelt ein: gut gelaunt, hungrig und - in meinem Fall - vor allem durstig. Der Aperitif muss her! Wer jetzt allerdings denkt, dass Champagner eigentlich immer geht, der irrt gewaltig. Zu trocken, zu prickelnd, zu hefig, zu französisch … Die Gründe, die gegen Champagner sprechen, sind überraschend vielfältig. Also müssen Alternativen her! Ein Schäumer, mit dem ich eigentlich fast immer richtig gelegen habe, ist die 'Grande Cuvée 1531 de Aimery' - ein eher fruchtbetonter Crémant aus dem Languedoc. Das ist Everybody’s Darling, ohne jedoch in die Beliebigkeit abzudriften. 

Weihnachten: Wein in Gläsern, mit denen angestoßen wird
Ob klassischer Champagner oder alternative Schäumer: ein Aperitif gehört bei uns dazu.

Meinen Vater, der als Rheinhesse immer erstmal in die nähere Umgebung schaut, konnte ich mit dem 'Sans Compromis' vom Sekthaus Raumland überzeugen. Das ist ein Pinot-Sekt, der dem französischen Ideal schon ziemlich nahe kommt. Und auch diejenigen, die den prickelnden Freuden nicht zugewandt sind, dürfen natürlich mit anstoßen. Hier empfehle ich einen Pouilly-Fumé, wie den von der Domaine de la Loge. Das ist sehr frisch und mit dem gekonnten Weinsäurespiel genau so animierend, wie man es sich von einem Aperitif wünscht.

Ich meinerseits bleibe übrigens beim Champagner. Einer meiner Favoriten ist der Premier Cru von Louis Nicaise. Das kleine Winzerchampagnerhaus wird mittlerweile von Laure Nicaise geleitet und die macht meiner Meinung nach einen verdammt guten Job. Also: Cheers! Mit dem Aperitif im Glas können wir uns dem nächsten wichtigen Thema zuwenden: dem Essen an Weihnachten. Wein spielt natürlich auch hier eine wichtige Rolle. 

Menü an Weihnachten: Wein für alle Vorlieben

Die klassische Gans, ein geselliges Fondue oder ganz frugal Kartoffelsalat mit Würstchen - so unterschiedlich die Speisefolge an Weihnachten, so unterschiedlich natürlich auch die Weinauswahl. Da ich nicht weiß, welches Menü bei Ihnen unter der Nordmanntanne aufgetischt wird, habe ich Ihnen ein paar allgemeine Tipps zusammengestellt, mit denen ich seit ein paar Jahren relativ konfliktfrei durch den Themenkomplex Weihnachten-Wein komme. 

Hauptsache rot und üppig

Es gibt Genießer - bei uns in der Familie gehören meine Tante und mein Schwager in diese Kategorie - für die muss ein Wein in erster Linie vollmundig sein. Mit Burgund brauche ich da also nicht um die Ecke kommen. Nach ein paar Versuchen mit Neuer Welt sind wir mittlerweile bei Primitivo gelandet. Das klingt vertraut, irgendwie nach Urlaub und gefällt mit der üppigen Frucht und den eher sanften Tanninen eigentlich immer. Für dieses Jahr habe ich den Bollina 'Actarus' Primitivo di Manduria 2018 vorgesehen. Das wird ein Volltreffer ... hoffe ich.

Zwei Weingläser mit Rowein vor gedecktem Tisch mit Kerze
Sanft und fruchtig: Primitivo ist ein Gaumenschmeichler.

"Lecker halt"

Es ist schwer zu glauben. Aber man hört ja immer wieder von Leuten, die sich nicht so viel aus Wein machen. So wie meine Schwester. Fruchtig soll er sein, nicht teuer und "lecker halt". Weiß oder Rot, kommt aufs Essen an. Vor einigen Jahren habe ich einen Gelben Muskateller mitgebracht und hielt das für eine sichere Bank. Schmeckt ja fast wie Traubensaft. Aber das war ihr dann doch zu aufdringlich.

Ok, also haben wir aromatisch ein bisschen runtergedreht und sind jetzt bei Sauvignon Blanc oder Scheurebe gelandet. Ihr Lieblingswein ist mittlerweile der 'Scheu... aber geil!' 2019 von Emil Bauer. Never change a winning team, den wird es auch dieses Jahr wieder geben. Zusätzlich habe ich natürlich auch einen Rotwein dabei, von dem ich gespannt bin, wie er ankommt. Der 'INK’d' aus Südspanien ist Easy-drinking im besten Sinne des Wortes, mit einer feinen Würze, die auch mit dem Essen harmonieren sollte.

Klassisch bitte

Natürlich bieten die Feiertage die beste Möglichkeit, sich mal wieder voller Lust den Klassikern der Weinwelt zuzuwenden. Zwangsläufig landet man dabei recht schnell in Frankreich. Saint-Émilion Grand Cru, Puligny-Montrachet, Sancerre … In der Grande Nation kann man so richtig aus dem Vollen schöpfen. Aufgrund der extremen Zugänglichkeit und des wirklich hervorragenden Preis-Wein-Verhältnisses bringe ich in diesem Jahr den Château Vignot Saint-Émilion Grand Cru 2013 mit. Vor allem zum Essen sollte der gut passen. (Es gibt Ente in diesem Jahr). Aber auch ein Brunello aus dem Traumjahr 2015 oder ein Barolo aus dem umjubelten Jahrgang 2016 passen perfekt zu einem festlichen Essen. 

Lust auf Experimente

Für alle, die gerne mal etwas Neues probieren, das es nicht an jeder Ecke gibt, habe ich auch noch ein paar Tipps dabei. Ein Wein, der eigentlich immer für Begeisterung sorgt, ist der 'Odette' von Sicera. Ein Schaumwein aus Birnen, der ebenso wie Cidre in der Normandie erzeugt wird. Für mich ist er mit seinem herb-fruchtigen Geschmack ein ganz toller Aperitif. 

Wo es vor dem Essen prickelt, da sorgt nach dem Essen hoffentlich der 'Nana' für Aufsehen. Das ist ein Brandy aus Ghana, der aus den Äpfeln der Cashew-Nüsse hergestellt wird. Ja, das gibt es. Und ja, das schmeckt! Wie auch immer Sie die Feiertage verbringen: Ich wünsche Ihnen schon heute frohe Weihnachten - Wein ist hoffentlich ausreichend im Haus, so dass ein paar besinnlichen Stunden mit der Familie zumindest in dieser Hinsicht nichts im Wege steht. 

Eine Frau serviert Ente an einen festlichen Weihnachtstisch
Ich wünsche Ihnen genussvolle Weihnachtstage!

Tanja Stein

Von Tanja Stein

Als Rheinhessin wuchs Tanja Stein quasi zwischen Reben auf. Riesling, Silvaner, Scheurebe - die Liebe vor allem zum deutschen Wein wurde schon früh gelegt. Ein Studienjahr in Paris entfachte die gleiche Leidenschaft für Frankreich. Neben Studium und Promotion hat sie die Weinwelt nie richtig losgelassen. Nach einigen Jahren in der Gastronomie und im Vertrieb ist sie heute bei Wine in Black im Marketing tätig.

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