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Winzerchampagner oder Champagnerhaus? Das sind die Unterschiede!

Champagner liegt als prickelndes Getränk nach wie vor im Trend. Immer mehr Genießer greifen inzwischen aber lieber zu einem Winzerchampagner als zu den großen Marken. Doch wie unterscheiden die sich eigentlich? Wir klären auf!

Nicole Korzonnek Von Nicole Korzonnek

  | 14. Dezember 2020

Seit gut zehn Jahren sind Winzerchampagner - im wahrsten Sinne des Wortes - in aller Munde. Und das hat auch einen guten Grund. Denn Winzerchampagner stehen für Individualität im Glas. Wobei wir an dieser Stelle erst einmal eine Lanze für die großen Marken brechen müssen. Denn qualitativ unterscheiden die sich so gar nicht von den derzeit so beliebten Winzererzeugnissen. Mal ganz davon abgesehen, dass gerade die Non-Vintage-Schäumer so etwas wie die genussreichen Fingerabdrücke der großen Champagnerhäuser sind. Sprich: man weiß, was man bekommt. Bei Moët & Chandon ist es etwa eine cremige Vollmundigkeit, während ein Champagner von Bollinger enorm dicht und konzentriert ist und Roederer wiederum für klassische Ausgewogenheit steht. Um nur mal drei Beispiele zu nennen.

Außerdem ist es tatsächlich viel einfacher, sich die unterschiedlichen Ausrichtungen der Champagnerhäuser zu merken. Von denen gibt es schließlich "nur" 360. Ihnen gegenüber stehen 2.000 Winzer aus der Champagne, die selbst vinifizieren. Aber lassen Sie sich von diesen Zahlen bitte nicht in die Irre leiten. Denn laut dem Comité de Champagne wurden im Jahr 2016 sage und schreibe 72 Prozent aller Flaschen von den großen Häusern produziert - und nur 28 Prozent von eigenständigen Winzern oder Genossenschaften.

Detailaufnahme von unterschiedlichen Champagnerflaschen vor einem Regal
Die Champagner-Vielfalt ist groß.

Champagnerhaus vs. Winzerchampagner - die harten Fakten

Schaut man sich die Exportzahlen beim Comité de Champagne für das Jahr 2016 an, ist das Ungleichgewicht sogar noch größer: 87 Prozent große Marken gegen 13 Prozent Winzerchampagner. Zahlen, die ebenso unterschiedlich wie logisch sind. Denn nicht alle kleinen Winzer können es sich logistisch und wirtschaftlich leisten, ihre Schaumweine auf der ganzen Welt zu verkaufen, geschweige denn zu vermarkten. Die großen Handelshäuser aber leben genau davon. Deswegen vertreiben die meisten Winzer ihre Champagner nur in der Region selbst oder in ganz Frankreich. In den Export geht dabei dann eben weniger.

Hinzu kommen dann natürlich noch die extrem unterschiedlichen Mengen. Während die großen Häuser so zum Beispiel beeindruckende 135 Millionen Flaschen in die Welt verkauften, waren es gerade einmal 20 Millionen Winzerchampagner. Letztere sind also ein vergleichsweise rares Gut. Und das weckt natürlich Begehrlichkeiten. Bevor wir uns denen aber etwas genauer widmen, sollten wir erst einmal klären, was einen Winzerchampagner von einem Luxus-Schäumer der Champagnerhäuser unterscheidet. Das ist eigentlich ganz einfach. Zwar besitzen die großen Handelsmarken inzwischen auch eigene Rebflächen, kaufen aber Trauben von Winzern in großen Mengen hinzu, um ihren hohen Bedarf zu decken. Winzerchampagner darf sich ein Schaumwein aus der Champagne nur nennen, wenn der Winzer ausschließlich die Trauben seiner eigenen Rebflächen verwendet.

Dicht gestapelte Flaschen mit Winzerchampagner.
Jedes Jahr kommen unglaubliche Mengen Champagner auf den Markt.

Warum nicht jeder Winzer selbst Champagner macht

Wie bereits erwähnt machen das gerade einmal 2.000 Winzer. Insgesamt gibt es in der Champagne allerdings 19.000 Weinbauern. Der Großteil verkauft seine Trauben also weiterhin an die Häuser. Auch das hat einen guten Grund. Denn oft ist der Weinbau nur ein Nebenverdienst, da die Rebflächen einfach sehr stark aufgesplittet sind. Da lohnt es sich meistens kaum, einen eigenen Champagner zu vinifizieren.

Weingärten in den Champagne sind sehr, sehr teuer. Dementsprechend selten kann man sich vergrößern, indem man einfach welche kauft. Wahrscheinlicher ist es, durch Heirat zu wachsen. Wenn zum Beispiel einer der beiden Partner Rebflächen mit in die Ehe bringt. Wer dieses Glück nicht hat, dem bleibt ansonsten noch die Möglichkeit, sich einer der gut 20 Genossenschaften anzuschließen. Wobei sich jetzt die Frage stellt, wie man erkennt, ob man gerade einen Champagner eines Winzers, eines Hauses oder einer Genossenschaft in Händen hält. Dafür muss man nämlich nicht alle Namen auswendig lernen. Ein Blick auf die Flasche genügt.

Weingarten in der Champagne bei Sonnenuntergang.
In der Champagne sind Rebflächen sehr, sehr teuer.

Produzentenabkürzungen im Überblick

Hinten auf dem Etikett, meistens in einer der vier Ecken ganz klein gedruckt, finden Sie zwei Buchstaben, die Ihnen verraten, von wem genau der Champagner stammt. Was diese beiden Buchstaben bedeuten, fassen wir mal kurz für Sie zusammen:

  • NM - Négociant manipulant: An diesem Kürzel erkennen Sie ein Champagnerhaus, denn es bedeutet, dass Trauben zugekauft werden. Was uns direkt zum Haken bringt: Kauft ein kleiner Winzer für seinen Champagner Trauben hinzu (etwa weil die Ernte dürftig ausfiel), dann muss er auch dieses Kürzel verwenden. Kann immer mal wieder passieren.
  • RM - Récoltant manipulant: Hierbei handelt es sich um den klassischen Winzerchampagner. Also Champagner, der von einem Winzer stammt, der ausschließlich eigene Trauben verwendet und diese auch selbst weiterverarbeitet.
  • CM - Coopérative de manipulation: An diesen zwei Buchstaben erkennen Sie Genossenschaften, die die Trauben ihrer Mitglieder vinifzieren und anschließend den Champagner auch vertreiben.
  • RC - Récoltant coopérateur: Streng genommen ist das auch ein Genossenschafts-Champagner. Allerdings von einem Mitgliedswinzer, der sich fertigen Schaumwein von seiner Genossenschaft zurückkauft und ihn unter einem eigenen Label vermarktet.
  • ND - Négociant distributeur: Es kann vorkommen, dass ein Champagnerhaus bereits fertige Schaumweine von anderen Anbietern aufkauft und sie unter der eigenen Marke vertreibt. Das ist aber sehr, sehr selten. Und wenn, dann bleiben diese meist einfachen Qualitäten eher im eigenen Land und gehen nicht in den Export.
  • MA - Marque d’acheteur: Dieses Kürzel steht für Großabnehmer, der riesige Mengen an bereits fertigem Champagner aus unterschiedlichen Quellen kaufen und sie als eigene Marke vertreiben. Hierbei handelt es sich in der Regel um Champagner von nicht allzu hoher Qualität. Dementsprechend günstig kann der Schaumwein angeboten werden. Diese Champagner finden Sie vor allem im Discounter.

Wenn Sie also einen waschechten Winzerchampagner haben möchten, sollte unbedingt das Kürzel RM irgendwo auf der Flasche zu finden sein. Und falls der Winzer Ihres Vertrauens plötzlich mal NM statt RM auf das Etikett druckt, dann musste er Trauben dazukaufen.

Rote Trauben in Plastikboxen direkt nach der Ernte am Weingarten.
Die entscheidende Frage: Nach der Lese selbst vinifizieren oder die Trauben verkaufen?

Wiedererkennung oder Individualität?

Dass Winzerchampagner immer mehr Genießer in seinen Bann zieht, kommt natürlich nicht von ungefähr. Denn Ihnen wird hier eindeutig noch mehr Geschmacksvielfalt geboten. Die Champagnerhäuser möchten, dass ihre Erzeugnisse vom ersten Schluck an mit der Marke verbunden werden. Der hohe Wiedererkennungswert gehört zum Image. Winzerchampagner allerdings lebt in der Regel von Individualität.

Und wie überall auf der Welt lässt sich das am besten über das Terroir ausdrücken. Genau das haben sich viele der Winzer, die selbst Champagner machen, auf die Fahnen geschrieben: das Terroir (und damit die Herkunft) schmeckbar zu machen. Das kann zum einen der Geschmack eines bestimmten Ortes oder aber sogar der einer einzelnen Lage sein.

In Gläser eingeschenkte Winzerchampagner in unterschiedlichen Farben.
Dass Champagner höchst unterschiedlich sind, kann man ihnen auch ansehen.

Kleine Geschichte des Winzerchampagners

Der erste Winzer, der selbst einen Schaumwein machte, war übrigens Gaston Chiquet. Und zwar im Jahr 1935. Der Winzerchampagner hat also eine noch nicht allzu alte Tradition. Chiquet stand zudem lange Zeit allein auf weiter Flur. Für Weinbauern war es einfach rentabler, die Trauben an die Champagnerhäuser zu verkaufen. An Champagner aus Einzellagen, die ihr Terroir ausdrücken sollten, war da kaum zu denken. Selbst vor zehn Jahren noch machten das gerade mal zwei handvoll Winzer. Da es aber immer mehr Menschen gibt, die ihr Herz an Winzerchampagner verloren haben, stieg auch hier die Nachfrage irgendwann. Inzwischen gibt es allein über 300 Einzellagen-Champagner von fast ebenso vielen Winzern.

Hinzu kommen dann noch Spezialitäten wie Blanc de Blancs (ein Champagner, der ausschließlich aus Chardonnay besteht), Blanc de Noirs (weißer Champagner aus Pinot Noir oder Pinot Meunier oder beiden zusammen), Rosé-Champagner oder Jahrgangschampagner. Wobei der Fokus tatsächlich immer mehr auf der Einzellage liegt. Diese Champagner bilden so eine Art natürliches Gegengewicht zu den Erzeugnissen, die sich Grand oder Premier Cru nennen dürfen. Denn schließlich wird der Cru-Status in der Champagne nicht einer einzelnen Lage, sondern einer gesamten Gemeinde verliehen. Doch auch innerhalb dieser gibt es durchaus schmeckbare Unterschiede.

Aus einer Magnum wird Winzerchampagner in ein Glas gegossen.
Welchen Champagner schenken Sie sich als nächstes ein?

Die Vorteile aus beiden Welten genießen

Während man in Sachen Champagnerhäuser generell recht schnell einen Überblick gewinnen kann, ist das Reich der Winzerchampagner derart kleinteilig, dass es schon fast eine Wissenschaft für sich ist, dieses auch in Gänze zu erkunden. Ein tieferer Einstieg in die Materie lohnt sich aber allemal, wenn man erleben möchte, wie individuell Champagner schmecken kann. Von üppig über fruchtig bis hin zu zart oder gar salzig ist tatsächlich alles in allen erdenklichen Facetten vertreten. Diese Vielfalt macht den Winzerchampagner zusätzlich interessant.

Wobei aber bitte auch die Geschmacksverlässlichkeit eines großen Markenchampagners nicht zu verachten ist. Vor allem, wenn man diesen zum Beispiel bei Feiern genießt, zu denen ja bekanntlich sehr unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Mit dem Champagner eines großen Hauses treffen Sie den Geschmack der Mehrheit eher als mit einem Winzerchampagner. Auch ist es wahrscheinlicher, dass eine große Marke tatsächlich getrunken wird, wenn Sie Champagner verschenken möchten. Und manchmal muss es auch im eigenen Glas einfach mal verlässlich und bekannt zugehen. Es ist ja auch nicht so, dass man sich zwingend entscheiden muss, was einem denn nun besser gefällt. Machen Sie es da einfach wie wir und genießen Sie beides!

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