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Bordeaux-Klassifikation: Willkommen im Labyrinth!

Aus der Weinregion Bordeaux kommen die legendärsten Rot- und Süßweine der Welt. Die Bordeaux-Klassifikation der Weine ist zum Leidwesen der meisten Weinanfänger sehr speziell. Damit Sie sich zurechtfinden, geben wir Ihnen hier einen Überblick!

Hand aufs Herz, wie lange haben Sie sich schon mal einem Herzensprojekt gewidmet? Fünf Jahre, zehn Jahre, gar zwanzig Jahre? Ganze 51 Jahre hat es gedauert, bis Baron Philippe von Rothschild die Früchte seiner Arbeit ernten konnte. 1973 ist er mit seinem Weingut Mouton-Rothschild in die Königsklasse der französischen Châteaux aufgestiegen: zum Premier Cru innerhalb der legendären Bordeaux-Klassifikation von 1855. Diese Klassifizierung ist zwar nur eine von mehreren Einteilungen in der Region, aber sie ist die wichtigste. Denn sie ist die älteste und exklusivste. Und in genau dieser war das Weingut des Barons bereits. In der zweitbesten Stufe als Deuxième Cru. Warum also hat er sich nicht mit dem ebenfalls sehr guten zweiten Platz begnügt? Warum hat er sein Leben diesem Projekt gewidmet? 

Als ehemaligem Rennfahrer hätte man dem Baron die Frage auch so stellen können: Bugatti oder BMW? Natürlich machen die Châteaux in der zweiten Klasse auch hervorragende Weine. Es fehlen ihnen nur leider Luxus, Glamour, Extraklasse. Denn lediglich vier Weingüter hatten bis 1973 den raren Status als Premier Cru. An der Spitze befanden sich Lafite-Rothschild, Latour, Margaux und Haut-Brion. Namen, die Weinkennern weltweit den Puls schneller schlagen lassen. Aufgrund der hohen Qualität - und vor allem wegen des Preises. Verständlich, dass Baron Philippe sein Leben dieser Exklusivität widmete. Er war felsenfest davon überzeugt, dass sein Weingut auch dazu gehöre. Dass die starre Klassifikation von 1855 keine Änderungen vorsah, war dann eher sportlicher Ansporn denn Hindernis. Was hat es nun mit dieser Klassifikation auf sich?

Château Haut-Brion Vorderansicht mit Blüten © Domaine Clarence Dillon.
Von Anfang an an der Spitze: Château Haut-Brion. © Domaine Clarence Dillon

Das Labyrinth Bordeaux-Klassifikation

Bevor wir uns die Klassifikation von 1855 genauer anschauen, müssen wir Sie warnen und - wenn Sie noch nicht vertraut sind mit den Reglements - vorbereiten. Diese Klassifizierung ist nur eine von weiteren im Gebiet Bordeaux. Historisch gewachsen, beinhaltet die Großregion Bordeaux heute weitere Systeme, deren Vielfalt man getrost als komplex beschreiben darf. Es gibt neben der Bordeaux-Klassifikation von 1855 noch die von Saint-Émilion, die der Crus Bourgeois du Médoc, die Crus Artisans du Médoc, die Crus Classés in Graves sowie natürlich das allgemeine französische Appellationssystem. 

Das Appellationssystem von 1935 gibt den einzelnen Appellationen durch ihre Größe eine erste Bewertung. Je kleiner die Appellation, desto besser in der Regel die Weine. So gelten die kleinen Bordelaiser Appellationen wie Pauillac und Saint-Émilion als höherwertiger als die allgemeinere Appellation Bordeaux. Demgegenüber beziehen sich die anderen oben genannten Bordeaux-Klassifikationen auf einzelne Appellationen in der Region. Und stellen in diesen selbst eine Rangfolge auf. Wir geben Ihnen hier einen Einstieg in das Thema, in dem wir uns auf die drei bekanntesten Systeme konzentrieren: Die Klassifikation von 1855 im Médoc sowie in Sauternes und Barsac, die Klassifikation von Saint-Émilion und das System der Crus Bourgeois im Médoc. Beginnen wir endlich mit der ältesten.

Karte mit den verschiedenen Bordeaux-Klassifikationen
Hier finden Sie die verschiedenen Klassifikationen in der Appellation Bordeaux. © Wine in Black

Die Klassifikation von 1855: Médoc, Sauternes, Barsac

Weit vor der Zeit des Barons Philippe von Rothschild begann im 18. Jahrhundert eine Entwicklung, die in Bordeaux extrem ausfiel: die Schere zwischen den durchschnittlichen bis sehr guten Weinen und dem absoluten Spitzenbereich klaffte weit auseinander. Insbesondere Weine aus dem Médoc-Gebiet - also dem Gebiet links neben dem Fluss Gironde - genossen bei Kennern weltweit einen erstklassigen Ruf. Jeder wollte einen Rotwein von den berühmten Kiesbänken im Médoc im Weinkeller haben. Dies führte natürlich zu entsprechend hohen Preisen. Im Windschatten dieser Spitzenprodukte zogen auch die übrigen Bordeaux-Weine nach. Aufgrund von immer wieder entstehenden Überkapazitäten und sehr unterschiedlichen Jahrgängen entwickelten sich so die Marktpreise äußerst sprunghaft überall im Bordeaux. Klassifikation im 18. Jahrhundert? Fehlanzeige. Durch ein spezielles System erhoffte man sich Abhilfe von diesen unberechenbaren Zuständen.

Die Grands Crus Classés der Bordeaux-Klassifikation  

Kein Geringerer als Kaiser Napoleon III. bat hierfür im Vorfeld der Pariser Weltausstellung 1855 die Weinregionen um eine offizielle Bordeaux-Klassifikation. Da die Industrie- und Handelskammer von Bordeaux nur für das Gebiet links der Gironde zuständig war, kamen lediglich Weine aus wenigen Regionen des heutigen Bordeaux-Gebiets in die Auswahl: Rotweine aus dem Médoc, Süßweine aus Sauternes und Barsac sowie ein Rotwein aus Graves. Grundlage für die Bewertung war die Bekanntheit der Weine und die in den vorangegangenen 100 Jahren erzielten Preise. Dabei war die Annahme: Je teurer ein Wein verkauft wird, desto besser das Château. Damals wurden die hiesigen Spitzen-Weingüter in eine fünfstufige Hierarchie gebracht.

Etikett von Mouton-Rothschild 1994 © Wine in Black
Seit 1973 dabei: Mouton-Rothschild. © Wine in Black

61 Weingüter haben es in eine der fünf Grand Cru Classé-Stufen geschafft. Diese dürfen sich also Große klassifizierte Gewächse, oder kurz Crus, nennen. Das System beginnt mit der Einstiegskategorie Cinquièmes Grands Crus Classés und geht bis zur besten Stufe der Premiers Grands Crus Classés. Anstatt der langen Namen können Sie auch kurz Premiers Crus oder Erste Gewächse sagen. Außerdem finden Sie mitunter Abkürzungen auf den Etiketten, also 1er für Premier Cru, 2ème für Deuxième oder 5ème für Cinquième.  An der Spitze befanden sich 1855 die vier legendären Weingüter Lafite-Rothschild, Latour, Margaux und Haut-Brion. Top-Weine aus diesen Häusern sind auch nach 100 Jahren noch zu genießen. Das System sah keine Änderung vor und Mouton-Rothschild fehlte noch.

Die Ausnahme Mouton 

Keine Regel ohne Ausnahme. Als das Multitalent Philippe von Rothschild 1922 das Weingut Mouton-Rothschild übernahm, packte ihn der sportliche Ehrgeiz. Ob als Rennfahrer beim Großen Preis von Monaco im Jahr 1929 oder eben als Inhaber eines Château - der Baron kannte nur die Devise Erfolg. Er wollte sich nicht mit dem zweitklassigen Rang eines Deuxième Cru zufrieden geben. So ließ er es dann auch auf das Etikett seiner Flaschen drucken: "Premier ne puis, second ne daigne, mouton je suis." ("Erster darf ich nicht sein, Zweiter mag ich mich nicht nennen, Mouton bin ich."). 

Sicher auch, weil neben der immensen Qualität der Weine in der Spitzenkategorie Premier Cru die möglichen Verkaufspreise astronomisch hoch waren. Und sind. Ältere Weine erzielen bei Auktionen Preise, die sie zu den teuersten Weinen der Welt machen. So erzielte ein Lafite-Rothschild von 1787 auf einer Versteigerung unglaubliche 105.000 Britische Pfund. Das entspricht heute 115.000 Euro. Für eine Flasche, wohlgemerkt. Und selbst heute kann man für neue Jahrgänge locker eine Summe im dreistelligen Bereich hinblättern.

Der Baron schraubte also beständig an der Qualität der Weine und insistierte an entscheidenden Stellen erfolgreich. Schließlich konnte er 1973 als Inhaber eines frisch gebackenen Premier Cru-Weinguts sein Motto anpassen in "Premier je suis, second je fus, Mouton ne change." ("Erster bin ich, Zweiter war ich, Mouton bleibe ich.") Gönnen wir dem Baron seinen Sieg und schauen uns an, was für Besonderheiten südlich der Stadt Bordeaux klassifiziert wurden.

Weinfässer in der edel erleuchteten Halle von Château Mouton-Rothschild
Im Château Mouton-Rothschild wandelt man fast ehrfürchtig entlang der edlen Fässer. © Deepix

Die Süßweine Sauternes und Barsac in der Bordeaux-Klassifikation

Die Appellationen Sauternes und Barsac sind einzigartig. Während Winzer sonst im Bordeaux vor allem trockene Rotweine herstellen, werden hier Süßweine produziert. Diese sind so herausragend, dass sie bei der Bordeaux-Klassifikation von 1855 mit berücksichtigt wurden. Dennoch gibt es hier, statt der oben beschriebenen fünf Stufen, nur drei Qualitätsstufen. Es sind die Kategorie Premier Cru Supérieur an der Spitze, danach folgt die Premier Cru Classé und zum Schluss die Deuxième Cru Classé. Es gibt insgesamt 27 Crus, die auf die beiden Appellationen Sauternes und Barsac verteilt sind: Ein Premier Cru Supérieur, elf Premiers Crus und fünfzehn Deuxièmes Crus. 

Dabei ist die beste Stufe dieser Bordeaux-Klassifikation eine Art Super-Klasse, die für ein einzelnes Weingut geschaffen wurde. Sie besteht einzig und allein aus dem unangefochtenen Superstar Château d’Yquem. Trinkt man ein Mal einen Yquem, versteht man, warum dessen Süßweine als Ikonen gelten. Golden im Glas, fast ölig beim Schwenken öffnen sich die vielschichtigen Aromen (Pfirsich, Honig, Akazien, Orangenmarmelade, Vanille) nach und nach und langanhaltend. Wie sehr sich die Châteaux selbst als Marke begreifen, sieht man auf dem Label von Yquem. Der Titel Premier Cru Supérieur steht nicht auf dem vorderen Label. Dort steht in Schnörkelschrift lediglich der Name des Château. 

Weißwein-Star innerhalb der Bordeaux-Klassifikation: Das Château d’Yquem hinter Rebstöcken.
Der Superstar aus Sauternes: Château d’Yquem, der einzige Premier Cru Supérieur.

Besonderheiten der Bordeaux-Klassifikation von 1855

Diese Klassifikation (mit den Rotweinen Médoc und den Süßweinen in Sauternes und Barsac) bildete den damaligen Markt um 1855 ab. Trotzdem gilt sie größtenteils unverändert bis heute. Während in anderen Gebieten Frankreichs, etwa im Burgund, die Lagen bewertet wurden, hat man in Bordeaux das Châteaux als Ganzes eingeschätzt. Außerdem sieht diese Bordeaux-Klassifikation keinerlei Änderungen vor. Da sich über die Jahrzehnte die Châteaux-Welt natürlich weiterdrehte, ist mittlerweile geregelt, was passiert, wenn ein Weingut Land dazu kauft. Erwirbt ein höherwertiges Châteaux Land von einem anderen, kann letzteres aufgewertet werden. Die Annahme dahinter: Es gehört ja ab nun zum Château und wird dementsprechend besser behandelt. Andersherum passiert das gleiche. 

Der Grund dahinter: Die Klassifizierung von 1855 sieht die Weingüter als Marke. Und ja, Kritik ist da natürlich vorprogrammiert: wie kann es sein, dass ein einmal vergebener Titel quasi vererbt wird? Verführt das nicht zur Schlamperei? Dem kann man nur entgegenhalten, dass den Weingütern ebenfalls an hoher Qualität und damit einhergehenden Preisen gelegen ist. Ein weiterer Grund liegt in der Konkurrenz. Denn auch das Rechte Ufer, also die Winzer rechts des Flusses Gironde, schraubte an der Qualität seiner Weine. Die Spitzen-Gewächse aus der kleinen Appellation Saint-Émilion gewannen zunehmend an Renommee. Kein Wunder, dass sie eine eigene Bordeaux-Klassifikation schufen.

Saint Émilion von einem Hügel aus gesehen.
Blick auf das Weltkulturerbe mit seinen Weinbergen: Saint-Émilion.

Saint-Émilions Bordeaux-Klassifikation

Weil die Weine und Weingüter rechts der Gironde bei der offiziellen Aufstellung von 1855 nicht berücksichtigt wurden, entschied man sich in der Appellation um das malerische gleichnamige Dorf Saint-Émilion für eine eigene. Schließlich war die Gegend schon damals mit beneidenswert guten Böden gesegnet. Das Kalkplateau verlangt den Reben viel ab und ergibt konzentrierte Weine auf Merlot-Basis. Und auch diese gehörten Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts zu den berühmtesten und teuersten der Welt. So ließen (und lassen) die Superstars aus Saint-Émilion - Château Ausone und Cheval Blanc - Weinkenner ehrfurchtsvoll Luft holen. Es war also Zeit für eine eigene Bordeaux-Klassifikation.

Die Superstars vom Rechten Ufer

Knapp 100 Jahre nach der Weltausstellung stellte man 1954 in Saint-Émilion die neue Hierarchie mit folgenden Qualitätsstufen vor: Ganz an der Spitze befinden sich die Premiers Grands Crus Classés, also die "ersten klassifizierten Gewächse". Diese unterteilen sich in die Spitzenklasse A und die, ebenfalls sehr gute, Klasse B. Darunter befinden sich die Grands Crus Classés (die "großen klassifizierten Gewächse"). Diese Bewertung erfolgt ungefähr alle zehn Jahre. Alle Weingüter, die es nicht in eine der genannten Stufen schaffen, können sich jährlich um den Titel Saint-Émilion Grand Cru bewerben. Die gar nicht klassifizierten Gewächse gehören dann zur Appellation Saint-Émilion. Anders als in der historischen Bordeaux-Klassifikation von 1855 müssen die Weingüter ihren Status mit ihren Weinen also immer wieder neu beweisen.

Bordeaux-Flaschen in einem Regal, darunter Cheval Blanc
Einer der raren Premiers Grands Cru Classés A: Château Cheval Blanc. © Wine in Black

Die aktuelle Version von 2012

Das System in Saint-Émilion klassifiziert die Erzeuger trockener Rotweine, die von Merlot und Cabernet Franc dominiert sind. Die sechste und letzte Klassifizierung wurde 2012 veröffentlicht und fand zum ersten Mal unter einem neuen Verfahren statt. Dafür verkostete eine siebenköpfige Experten-Jury, die explizit nicht aus Bordeaux kam, alle eingesandten Weine. In die momentan gültige Version haben es 82 Weingüter geschafft. Da es knapp achthundert Erzeuger in der Appellation gibt, kommt dies einem Ritterschlag gleich. 

Es gibt 64 Grands Crus Classés, darunter die Châteaux Bellevue, Faugères und Grand-Pontet. Weiter oben wird die Luft bekanntlich dünner und so gibt es lediglich 18 Premier Grand Cru Classé. In der Kategorie B befinden sich 14 Châteaux, darunter Canon, Figeac, la Gaffelière, Troplong Mondot. Mit der neuen Version sind zu dieser Gruppe neu aufgestiegen die Châteaux Larcis Ducasse, La Mondotte und Valandraud. In der Spitzengruppe A ist es überschaubar und exklusiv mit nur noch vier Mitglieder. Zu den leuchtenden Juwelen der Gruppe A, den Châteaux Ausone und Cheval Blanc, kamen 2012 die Châteaux Angélus und Pavie hinzu. Das war sensationell, denn es waren die ersten, die das seit Gründung der Klassifikation geschafft haben. 

Châteaux Angélus mit Pferd vor dem Haupthaus.
Hier wird auf Tradition und Sorgfalt geachtet: Château Angélus. © Château Angélus

Obwohl in Saint-Émilion Änderungen in der Hierarchie möglich sind, haben Châteaux Angélus und Pavie also wie der Baron ebenfalls ein halbes Jahrhundert gebraucht, um in die Superliga am Rechten Ufer aufzusteigen. Wenden wir uns nun wieder zum Linken Ufer und schauen uns eine weitere Bordeaux-Klassifikation an, deren Einteilung noch dynamischer ist, als die in Saint-Émilion. 

Die bürgerliche Bordeaux-Klassifikatione: Crus Bourgeois 

Darüber, dass der Baron, Angélus und Pavie ein halbes Jahrhundert gebraucht haben, um etwas an der Reihenfolge ihrer Klassifikation zu ändern, können die Winzer der sogenannten Crus Bourgeois nur milde lachen. Die Crus Bourgeois, also die "Bürgerlichen Gewächse", sind eine Gruppe unterhalb der Grands Crus Classés der Bordeaux-Klassifikation von 1855. Die Crus Bourgeois gibt es seit 1932 und ist grundsätzlich für alle Weingüter aus der Großregion Médoc möglich. Allein seit 2000 wurde das System dreimal überarbeitet.

Zank im Médoc

Die Crus Bourgeois sind in drei Klassen unterteilt. Die Crus Bourgeois Exceptionnel als beste Kategorie und anschließend die Crus Bourgeois Supérieur sowie die Crus Bourgeois. Alle Crus Bourgeois sind kraftvolle, trockene Rotweine mit ordentlich Tannin. Um das Jahr 2000 gab es knapp 500 Weingüter, die einen dieser Titel hatten. Also im Vergleich zu den oben genannten Bordeaux-Klassifikationen recht viele Erzeuger. Um die Qualität und das Ansehen des Titels zu steigern, reduzierte man drastisch. 2003 wurde die überarbeitete Version mit nur noch 247 Weingütern vorgestellt, davon lediglich neun mit dem besten Status Exceptionnel. Kein Wunder, dass es Ärger gab. 

Crus Bourgeois aus dem Médoc in Bordeaux
Crus Bourgeois sind kraftvolle Rotweine und perfekte Essensbegleiter.

Ausgeschlossene Produzenten klagten und 2007 verbot ein Gericht den Titel Cru Bourgeois gänzlich, um alle zu beruhigen. Nur, um ihn kurz darauf wieder zu erlauben. Bis 2017 vergab man dann den Titel Cru Bourgeois jährlich nach neuem Verfahren: Es wurden nicht mehr die Châteaux, sondern deren Weine bewertet und klassifiziert. Und es wurde nur noch der Titel Cru Bourgeois vergeben. Einige der Erzeuger wollten gern ihre dreistufige Hierarchie zurück. Und so wurde nach langer Arbeit im Jahr 2020 die alte Dreiteilung eingeführt, die die Châteaux klassifiziert und für die nächsten fünf Jahre Orientierung bietet. 

Die aktuell klassifizierten Crus Bourgeois

An der Spitze der Version von 2020 befinden sich jetzt 14 Crus Exceptionnels (zum Beispiel Château du Taillan, 56 Crus Supérieur (zum Beispiel Château La Branne sowie 179 Crus Bourgeois. Die Klassifizierung wird auf den Etiketten der Jahrgänge 2018 bis 2022 erscheinen. Dort sehen Sie etwa die Bezeichnung "Cru Bourgeois Médoc", "Cru Bourgeois Haut-Médoc" oder "Cru Bourgeois Saint-Estèphe". Es können sich alle Weine aus der Großregion Médoc (also aus den zwei Subregionen Médoc, Haut-Médoc sowie den sechs kleineren Lokal-Appellationen Pauillac, Margaux, Saint-Estèphe, Saint-Julien, Listrac-Haut-Médoc und Moulis) als Cru Bourgeois klassifizieren. Rund 30 Prozent der produzierten Weine im Médoc sind Crus Bourgeois.

Alle diese Weine sind von sehr guter Qualität und deutlich erschwinglicher als die Grands Crus Classés mit der Bordeaux-Klassifikation von 1855 oder der von Saint-Émilion. Zudem sind die Crus Bourgeois früher trinkbereit als die lagerfähigen Rotweine aus den anderen beiden Klassifikationen. Und während die großen Cru-Ikonen am besten solo zur Geltung kommen, sind Crus Bourgeois hervorragende Essensbegleiter. Wir wissen zwar nicht, was der Baron zu seinen Premier Cru-Weinen genossen hat. Aber wir wissen: ob solo oder zu Ihrem Lieblingsgericht - erlaubt ist, was Ihnen gefällt!

Marie Ohl

Von Marie Ohl

Hätte nie gedacht, dass sie mal beruflich über Wein schreibt. Und sich früher gefragt, warum manche Leute bereit sind, so viel Geld für Wein auszugeben. Jetzt versteht sie es. Studium der Theaterwissenschaft mit Stationen bei Christoph Schlingensief und beim ZDF, WSET (Wine & Spirit Education Trust) Level 3. Mag es, mit dem Schreiben die Wein-Welt zu entdecken und Dinge zu erklären.
© Steffen Kugler

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