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Burgenland: Österreichs Rotwein-Region par excellence

Ob nun Zweigelt, Blaufränkisch oder aber Cabernet Sauvignon und Merlot – das österreichische Burgenland ist für seine Rotweine bekannt. Doch auch weiße Süßweine entstehen hier. Machen wir einen Ausflug in das wärmste Weinbaugebiet der Alpenrepublik.

Nicole Korzonnek Von Nicole Korzonnek

  | 13. September 2021

Obwohl im Burgenland dank der alten Römer schon seit mehr als 2.500 Jahren Wein angebaut wird, ist die Geschichte der österreichischen Weinregion noch recht jung. Denn tatsächlich existiert das Burgenland offiziell erst seit 1921. Und feiert dementsprechend 2021 seinen hundertsten Geburtstag. Bis zum Ersten Weltkrieg gehörte der Bereich zu Ungarn und ging erst danach an die Republik Österreich über. Von der ungarischen Vergangenheit berichtet dann auch der Name. Denn dieser geht nicht etwa auf diverse Burgen zurück, die man dort recht vergeblich sucht. Sondern auf drei altungarischen Verwaltungsgemeinschaften, die eingedeutscht allesamt das Wort Burg im Namen tragen: Wieselburg (heißt heute Moson), Ödenburg (besser bekannt als Sopron) und Eisenburg (Vas).

Am 5. Dezember 1921 übergab Ungarn das Burgenland feierlich an Österreich. Das Gebiet wurde somit ein Bundesland im Grenzgebiet der Alpenrepublik. Politisch ist das noch lange Zeit dank des Kalten Krieges und dem damit einhergehenden Eisernen Vorhang sehr relevant gewesen. Und das hatte auch auf den Weinbau Auswirkungen. Denn das Burgenland ist ja nicht nur Bundesland, sondern eben auch eine Weinregion. Wie ein Kette zieht es sich an der österreichisch-ungarischen Grenze entlang, teilt sich mit dem Nachbarn sogar einen kleinen Teil des Neusiedlersees. Viele Winzer hatten auf beiden Grenzseiten ihre Rebflächen, mussten die auf der ungarischen Seite dann aufgeben und sich neu zu orientieren. Wein war dementsprechend von vornherein im Burgenland auch immer ein Politikum. Zumal man sich ja am damals äußersten Rand der westlichen Welt befand. Das brachte einen starken Zusammenhalt der Weinbauern mit sich. Zusammen arrangiert es sich nun einmal besser.

Blick auf Rebzeilen durch Weinlaub hindurch
Viele burgenländische Winzer hatten und haben auch Rebflächen in Ungarn.

Das Burgenland nach dem Weinskandal

Genau dieser Zusammenhalt unter den burgenländischen Winzern war dann auch im Jahr 1985 ein großer Vorteil, als der Weinskandal Österreich überrollte. Damals setzten große Betriebe ihren Weinen Glykol (ein Frostschutzmittel) zu, damit sie vollmundiger wurden. Zugleich konnte man den Wein so auch schön strecken - und dadurch noch mehr verkaufen. Das Problem: viele dieser großen Weingüter kamen aus dem Burgenland. Und zwar rund um die Stadt Rust. Darunter litt dann auch das Image der kleinen Weinbauern, die sich quasi über Nacht neu erfinden mussten, um wirtschaftlich zu überleben. Zunächst nahm man sich das Ausland zum Vorbild und frönte dem internationalen Stil. Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah, Chardonnay - die großen Rebsortenstars aus Frankreich fand man quasi überall.

In den 1990er-Jahren bildete sich dann aber eine Gegenbewegung. Winzer, die die Herkunft, also das Burgenland selbst schmeckbar machen wollten, schlossen sich zu der Pannobile-Gruppe zusammen. Parallel hob man die Vereinigung Renommierte Weingüter Burgenland aus der Taufe, die in ihrer Struktur dem Verband der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP) ähnelt. Beide Gruppen sorgten für einen gewaltigen Image-Push.

Wein aus dem Burgenland war dank ihnen nicht mehr verpönt, sondern hochinteressant. Warum wir diese Geschichte so ausführlich erzählt haben? Weil diese Entwicklung das Gesicht der heutigen Weinbauregion prägt. Zwar ist das Burgenland als Rotwein-Mekka Österreichs bekannt, aber tatsächlich prägt eine enorme Vielfalt die langgestreckte Grenzregion. Einzig und allein das warme und trockene pannonische Klima eint die einzelnen Subregionen, die inzwischen einen eigenen DAC-Status (Districtus Austriae Controllatus - die geschützte Herkunftsbezeichnung Österreichs) bekommen haben. Ohne die Vorarbeit der einzelnen Winzer-Gruppierungen wäre das so nicht möglich gewesen. Schauen wir uns also mal die sechs Unterbereiche des knapp 13.000 Hektar umfassenden Burgenlandes mit den jeweiligen Besonderheiten von Nord nach Süd genauer an.

Karte von der Weinregion Burgenland
Das Burgenland mit seinen Subregionen im Detail. © Wine in Black

Süßes vom Neusiedlersee

Mit 6.200 Hektar Rebfläche ist der Neusiedlersee die größte Subregion im Burgenland. Benannt nach dem optisch so prägenden See, der übrigens der größte in Mitteleuropa ist, kann man dieses Gebiet aufgrund von Klimaeinflüssen und Böden grob in zwei Bereiche unterteilen. Da wäre im Nordwesten der Neusiedlersee selbst. Hier dominieren sandige Böden mit Schotterauflage. Dank des See-Einflusses ist es hier eher feucht und vor allem milder als im übrigen Burgenland. Genau das ist vor allem für weiße Rebsorten wie Welschriesling ideal. Zumal sich im Herbst am Ufer auch noch gerne dicke Nebel bilden, die den ganzen Vormittag zwischen den Rebzeilen verweilen. Dadurch kann die sogenannte Edelfäule entstehen - eine Grundvoraussetzung für die Süßweine, für die die Gegend inzwischen sehr bekannt ist.

Eine weitere süße Spezialität vom Neusiedlersee ist der sogenannte Strohwein. Für ihn werden gesunde Trauben ohne Edelfäule gelesen und dann auf Strohmatten so lange getrocknet, bis sie 50 Prozent ihres Volumens verloren haben. Erst dann beginnt man mit der Vinifikation. Dieses Verfahren wird auch Appassimento genannt und kommt vor allem beim Amarone della Valpolicella zum Einsatz. Die Süßweine vom Neusiedlersee glänzen mit einer perfekten Balance zwischen Süße und Weinsäure. Sie sind extrem lagerfähig und stehen anderen berühmten Süßweinen wie Sauternes oder einer deutschen Beerenauslese in nichts nach.

Ufer des Neusiedlersees im Burgenland im Morgennebel
Dichte Nebelschwaden sind das Erfolgsrezept für die Süßweine vom Neusiedlersee.

Die rote Seite vom Neusiedlersee

Wenn wir das Ufer des Sees verlassen, finden wir in der Subregion Neusiedlersee vor allem von Lehm geprägte Böden mit einem mal mehr, mal weniger hohem Kalkanteil. Rund um Gols, der Ort mit der größten Winzerdichte in ganz Österreich, prägt vor allem eine rote Rebsorte den Weinbau. Zweigelt. Und zwar derart, dass im gesamten Burgenland tatsächlich mehr Zweigelt als Blaufränkisch zu finden ist. Wobei es natürlich auch Blaufränkisch gibt. Ebenso wie St. Laurent. Damit sind die drei großen österreichischen Rotweintrauben hier vereint. Dank des Lehmbodens entstehen hier besonders fruchtige und saftige Rotweine. Je nachdem, wie hoch der Kalkanteil im Boden ist, können sich die Weine aber auch mineralisch-elegant im Glas präsentieren.

Das steht auch einer anderen roten Rebsorte gut, die man hier inzwischen immer häufiger findet: Pinot Noir. Sie entwickelt in der Subregion Neusiedlersee nicht nur ein herrliche Mineralik, sondern spielt auch ihr fruchtiges Können voll aus. Ein Pinot Noir aus dem Burgenland ist dementsprechend etwas fülliger als sein Bruder aus dem Burgund, steht ihm in Sachen Eleganz aber in nichts nach. Einen gewaltigen Unterschied gibt es dann aber doch: ein Pinot Noir aus dem Burgenland ist im preislichen Direktvergleich ein echtes Schnäppchen. Und zwar immer.

Ufer des burgenländischen Neusiedlersees in Österreich in der Abendsonne
Am Neusiedlersee entstehen dank Zweigelt, Blaufränkisch und Co. auch Rotweine.

Burgenland-Vielfalt am Leithaberg

Westlich vom Neusiedlersee erstreckt sich auf 3.100 Hektar Rebfläche die Subregion Leithaberg. Der Name ist hier etwas irreführend, denn wirklich bergig ist es hier nicht. Und hoch ist der Leithaberg auch nicht. Bei 400 Metern ist für die Reben Schluss. Aber dieser Höhenunterschied reicht tatsächlich schon für eine unglaubliche Weinvielfalt. Hinzu kommt dann noch das Boden-Zweigestirn aus Kalk (dem sogenannten Leithakalk) und Schiefer. Beide sorgen dafür, dass die Leithaberg-Weine mit einer faszinierenden Mineralik glänzen - und zwar bei den roten wie auch bei den weißen Varianten. In dieser Ecke des Burgenlands werden vor allem Blaufränkisch und Pinot Noir auf der roten wie Grüner Veltliner, Weißburgunder und Chardonnay auf der weißen Rebsortenseite angebaut. Die Roten beeindrucken mit Leichtfüßigkeit, die Weißen mit einer ungeheuren Komplexität.

Auch historisch ist die Leithaberg-Region für den Weinbau Österreichs bedeutend. Denn hier fand man im Jahr 2000 im kleinen Örtchen St. Georgen eine einzelne, 400 Jahre alte Rebe. Genetische Untersuchungen bewiesen, dass es sich dabei um die Mutter des Grünen Veltliners handelte! Man benannte sie dann übrigens nach ihrem Fundort: St-Georgener-Rebe.

Blick auf einen Weingarten am Leithaberg im österreichischen Burgenland
Leithaberg: Gar nicht mal so bergig.

Klein aber fein: Ruster Ausbruch und Rosalia

Im Jahr 2020 trennte man gut 400 Hektar Rebfläche aus der Subregion Leithaberg für eine neue DAC heraus, die seitdem den Namen Ruster Ausbruch trägt. Hierbei handelt es sich um eine weitere Süßwein-Spezialität aus dem Burgenland. Ausbruch ist das österreichische Wort für Auslese. Was dem einzigen Wein, der hier aus Welschriesling, Weißburgunder, Chardonnay, Furmint und Muskateller bereitet werden darf, nicht ganz gerecht wird. Denn wenn der Ruster Ausbruch ein deutscher Prädikatswein wäre, würde er auf einer Stufe mit der Trockenbeerenauslese stehen. Süßwein-Königsklasse also. Die hohe Qualität, die hier am Westufer des Neusiedlersees entsteht, kann man dann auch schmecken. Intensive Aromen von getrockneten Aprikosen, Honig und kandiertem Ingwer prägen den Ruster Ausbruch, der zudem auch noch ein herrliches Süße-Säure-Spiel vorweist.

Südwestlich vom Leithaberg, am Osthang des Rosaliengebirges gibt es seit 2018 eine weitere kleine DAC. Rosalia. 60 Prozent der 300 Hektar sind hier mit einer einzigen Rebsorte bepflanzt. Nämlich Blaufränkisch. Kein Wunder! Denn die Traube fühlt sich auf den Lehmböden äußerst wohl und dankt diesen Feel-Good-Faktor mit kräftigen und würzigen Weinen. Auch Zweigelt gedeiht hier gut. Daraus entstehen dann vor allem fruchtige Rosé-Weine, die sich ideal für den Sommer eignen.

Landschaft rund um die Ortschaft Oggau im Burgenland
Blick auf das Weindorf Oggau in der Nähe von Rust.

Mittelburgenland: Willkommen im Blaufränkischland!

Womit wir jetzt im Rotweinherzen der Region angekommen wären. Denn das Mittelburgenland gilt tatsächlich als Zentrum der österreichischen Rotweinkultur. Diese besondere burgenländische Subregion mit dem Ort Deutschkreutz als Angelpunkt, trägt aber noch einen anderen Beinamen: Blaufränkischland. Obwohl man auf den 2.100 Hektar umfassenden Rebflächen auch internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah findet, dominiert Blaufränkisch ganz klar. Aus gutem Grund. Zum einen ist es hier heißer als im restlichen Burgenland. Und trockener. Zum anderen findet man hier aber auch besonders schwere und tiefgründige Lehmböden, die Wasser sehr gut speichern können. Für Blaufränkisch ist das sozusagen eine Win-win-Situation.

Denn die Rebsorte kann hier mit ihrer dicken Schale sehr verlässlich ausreifen und zugleich vollmundige Aromen entwickeln. Außerdem bekommt sie selbst im heißesten Sommer keinen Wasserstress, der die Qualität mindern könnte. Oder anders ausgerückt. Im Mittelburgenland findet Blaufränkisch die idealsten Bedingungen überhaupt, um große Weine entstehen zu lassen. Und diese brillieren dann auch mit einer unglaublichen Kraft, Würze und Struktur. Zudem sind die meisten der 102 Winzer wahre Meister, wenn es um den klug dosierten Holzeinsatz beim Ausbau geht. Ein Blaufränkisch-Wein aus dem Mittelburgenland ist deswegen meist geradezu prädestiniert, ihn für viele, viele Jahre im Keller zu lagern, um irgendwann seine wahre Größe kennenzulernen.

Herbstliche Rebflächen in Deutschkreutz in Österreich
Deutschkreutz im Herbst.

Spezialitäten vom Eisenberg

Südlich vom Mittelburgenland, an der Grenze zur Steiermark, findet man mit dem Eisenberg die letzte Subregion des Burgenlands. Auch hier ist der Name irreführend, denn die 515 Hektar umfassende Rebfläche geht nur bis zu einer Höhe von maximal 400 Metern hinauf. Der erste Teil des Namens ist allerdings Programm. Schließlich sind die Lehm- und Tonschieferböden sehr eisenhaltig. Noten von Graphit und eine mineralische Frische, die mit der Präzision eines Laserschwerts daherkommt, sind vor allem in den Blaufränkisch-Weinen sehr präsent. Diese Rebsorte dominiert hier dann auch ganz klar. Die Weine aus dieser Traube vibrieren fast vor innerer Spannung und zeigen die filigrane Seite der Sorte.

Bei all dieser Finesse ist es fast schon ein wenig schade, dass Eisenberg vor allem für eine andere Spezialität bekannt ist. Dem Uhudler. Hier geben nicht europäischen Edelreben, zu denen alle Rebsorten von A für Albariño bis Z für Zinfandel gehören, ihre Trauben her. Denn Uhudler wird aus so schillernden Sorten wie Delaware, Concord oder Elvira gemacht, die allesamt zur Spezies der Amerikaner-Reben gehören. Die österreichische Regierung verbot diese besondere Kreszenz viele Jahre, weil man diesen Genuss-Zwitter nirgendwo rechtlich richtig einordnen konnte. Was die Winzer zwischen den Bezirken Güssing und Jennersdorf jedoch nicht davon abhielt, ihn trotzdem zu produzieren. Ende der 1980er-Jahre wurde der Uhudler unter der Hand derart beliebt bei den Österreichern, dass er seit 1992 auch wieder offiziell gemacht werden darf. Allerdings fällt er seitdem in die Kategorie Obstwein, da Amerikaner-Reben für den offiziellen Weinbau in der Alpenrepublik nicht zugelassen sind.

Blaufränkisch-Trauben am Rebstock in einer Detailaufnahme
Am Eisenberg präsentiert sich die Rebsorte Blaufränkisch von ihrer kühlen und eleganten Seite.

Naturnahe Vielfalt aus dem Burgenland

Zugegeben, der Uhudler ist schon mehr als speziell - in der Machart wie auch im Geschmack. Die moschusartigen, erdigen und süßlichen Aromen, die auch unter dem Begriff Fox-Ton firmieren, muss man schon mögen. Zum Glück macht diese Besonderheit aber tatsächlich nur einen klitzekleinen Teil der Gesamtproduktion im Burgenland aus, sollte aber der Vollständigkeit halber mit erwähnt werden. Von Bedeutung ist sie indes nicht. Diese Aufgabe übernehmen ohne Zweifel die diversen Rot- und Süßweine aus dem Burgenland, die übrigens in der Regel aus einem sehr naturnahen Anbau kommen. Viele Betriebe im Burgenland sind bio oder sogar biodynamisch zertifiziert. Um die Artenvielfalt in der Region zu fördern und verantwortungsvoll mit der Natur umzugehen, schlossen sich auch hierfür viele Winzer wieder zu Vereinigungen wie etwa respekt-BIODYN zusammen. Zusammenhalt wird auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bei den burgenländischen Weinbauern sehr groß geschrieben.

Und was wir Ihnen jetzt empfehlen, dürfte klar sein. Eine Verkostung! Es ist nämlich höchst spannend, die unterschiedlichen Geschmacksfacetten des Burgenlandes an einem Abend zu erkunden. Da wären zum Beispiel die unterschiedlichen Blaufränkisch-Stilistiken aus Rosalia, dem Mittelburgenland und Eisenberg, die man miteinander vergleichen kann. Oder wie wäre es mal mit einem Zweigelt vom Neusiedlersee? Mal ganz abgesehen davon, dass sich auch die Königsklasse lohnt. Nämlich einen Süß- oder Strohwein vom Neusiedlersee neben einem Ruster Ausbruch zu genießen. Die Genussvielfalt aus dem Burgenland ist immens. Nutzen Sie sie!

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