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Perlwein: Prickelnde Leichtigkeit im Glas

Als Frizzante oder Secco erfreut sich Perlwein einer immer größeren Beliebtheit. Aber was ist der Unterschied zu Sekt und anderen Schaumweinen? Das verraten wir Ihnen jetzt!

Nicole Wolbers DipWSET Von Nicole Wolbers DipWSET

  | 18. November 2021

Auf Gesellschaften oder bei besonderen Anlässen darf ein Glas Schaumwein zum Anstoßen einfach nicht fehlen. Dabei muss es aber nicht immer Sekt, Crémant oder gar Champagner sein. Denn schließlich gibt es mit dem Perlwein eine Alternative,  die nicht nur leichter, sondern auch preisgünstiger ist.

Womit wir quasi schon mittendrin sind im Thema. Denn Sekt und Perlwein sind zwar beides Schaumweine, aber es gibt gewaltige Unterschiede, die dann auch die preisliche Differenz erklären. Schaumwein ist der Oberbegriff für alle weinhaltigen Getränke in Flaschen, die durch ihren Kohlensäuregehalt unter Druck stehen. Bei den sogenannten Vollschäumern wie Sekt, Cava oder Champagner muss der Überdruck mindestens 3 bar betragen. Perlweine dagegen dürfen nur einen Überdruck von 1 bis 2,5 bar haben und sind damit Halbschäumer. Und das schlägt sich dann auch direkt im Preis nieder. Denn für alle Vollschäumer wird die Sektsteuer von 1,02 Euro fällig. Für Perlwein gilt sie indes nicht. Womit wir geklärt hätten, warum Perlweine günstiger sind.

Drei Frauen stoßen mit Perlwein im Glas an
Cheers: Auf Perlweine entfällt keine Schaumweinsteuer.

Vom Pétillant über Frizzante bis hin zum Secco

Höchste Zeit, dass wir uns die vielen verschiedenen Perlwein-Gesichter mal anschauen. Denn tatsächlich kommt er mit vielen unterschiedlichen Namen daher. In Frankreich bezeichnet man verperlte Weine als Vin Mousseux oder Pétillant, in Italien hingegen nennt man sie liebevoll Frizzante. Auch der bekannteste Vertreter dieser Weinkategorie kommt aus Italien, den wir alle kennen. Den Prosecco Frizzante. Seitdem der schmeichelnde Prickler in den 1990er-Jahren in Deutschland immer beliebter wurde, haben auch hierzulande diese prickelnden Weine an Fahrt aufgenommen. 

Sektglas auf einem festlich gedeckten Tisch

Dabei orientiert sich der Begriff Perlwein an der französischen Bezeichnung, ohne jedoch deren Esprit und Lebensfreude zu versprühen. Damit mehr Leichtigkeit in dieser prickelnden Kategorie mitschwingt, hat sich inoffiziell der Rufname Secco eingebürgert. Dies wiederum weckt unweigerlich Assoziationen mit dem italienischen Prickler. Um mehr Eigenständigkeit in die deutsche Perlweinwelt zu bringen, greifen viele Weingüter deswegen inzwischen auf kreative Bezeichnungen wie Rossecco, Seccoli bis hin zu Sexy Frizz zurück, um zu zeigen, wie vielseitig dieser prickelnde Wein sein kann.

Picknickkorb auf dem Rasen und einer blauen Decke, mit Baguette, Weintrauben, Äpfeln, Feigen, Käse, Muffins und zwei Gläsern Schaumwein
Nicht nur beim Picknick eine ideale Begleitung: Perlwein.

Wie wird Perlwein hergestellt?

Ursprünglich verstand man in vielen Weinregionen unter Vin Pétillant Weine, die von Natur aus spritzig waren. Die fleißigen Hefen ernährten sich während der ersten Gärung vom vorhandenen Zucker und produzierten dabei Alkohol sowie Kohlensäure. Genau die fing man durch einfaches Verschließen der Flasche zum Ende der Vergärung ein. Aber die daraus resultierenden Ergebnisse waren sehr wechselhaft. Mal hatte man mehr und mal weniger Bubbles im Wein. Auch zeigte sich der Schäumer häufig trüb oder unsauber. Also musste eine neue Methode her, um diese Probleme in den Griff zu bekommen.

Wie kommen die Perlen in den Wein?

Als beste Herstellungsmethode hat sich die sogenannte Imprägniertechnik durchgesetzt. Dafür benötigt der Winzer zuerst einmal einen Grundwein aus frischen Weintrauben. Diesem Basiswein setzt man Kohlensäure zu. Er wird also imprägniert - ein prickelnder Schäumer entsteht. Stimmt die Qualität des Grundweines sowie die der technischen Ausstattung, dann können mit dieser Methode hervorragende und feinperlige Seccos entstehen. 

Die Imprägniertechnik erlaubt dem Winzer eine Konstanz und Sauberkeit in der Qualität. Auch kann er das ganze Jahr über Perlwein produzieren. Die Weine dafür lagert man problemlos bis zum Bedarf in gekühlten und drucklosen Gärbehältern. Während Großbetriebe auf EU-Grundweine setzen, greifen die hiesigen Winzer auf ihre eigenen Weinbestände zurück. 

Welche Kohlensäure kommt ins Perlenspiel?

Bei der zugesetzten Kohlensäure handelt es sich entweder um eine exogene (externe) oder endogene (während der Grundweinherstellung selbst entstandene und separat aufgefangene) Kohlensäure. Um welche Karbonisierung es sich handelt, kann man leicht am Vermerk "Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure" erkennen. Hier handelt es sich dann um die externe. Ist ausschließlich "Perlwein" auf dem Etikett angeführt, wurde der Grundwein mit endogener Kohlensäure versetzt.

Schaumwein im Glas aus der Vogelperspektive fotografiert, sodass man die feinen Kohlensäurebläschen gut sieht
Wie genau die Kohlensäure reingekommen ist, sieht man einem Perlwein nicht an.

Perlwein-Qualitätsstufen 

Deutsche Perlweine gliedern sich in drei Kategorien auf. Dabei muss der Gesamtalkohol des Pricklers mindestens 9 Volumenprozent und der Kohlensäure-Überdruck zwischen 1,0 und 2,5 bar aufweisen:

  • (Deutscher) Perlwein
  • Qualitätsperlwein bestimmter Anbaugebiete (b. A.)  
  • (Deutscher) Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure 

Auf dem Etikett deutscher Perlweine dürfen keine Rebsorten oder Jahrgänge stehen. Beim Qualitätsperlwein b. A. sind diese Angaben indes verpflichtend. Auch muss er das in den jeweiligen Anbaugebieten geltende Mindestmostgewicht einhalten. Sind die Trauben zu 100 Prozent eigenes Lesegut, darf man Winzer und Weingut benennen. Verwendet die Kellerei für die Herstellung Weine aus Italien, müsste auf dem Label der Zusatz "Perlwein mit zugesetzter Kohlensäure - hergestellt in Deutschland aus italienischen Weinen" zu finden sein. 

Perlwein: Von trocken bis lieblich

Seccos dürfen wie Sekt sehr trocken ausgebaut werden. Dennoch dominieren die restsüßen Perlweine auf dem Markt. Auch ist nicht vorgeschrieben, den Süßegrad zu erwähnen. Deshalb ist es ratsam, sich vorab ausreichend zu informieren. Nur so kann man als Verbraucher ungefähr wissen, wie trocken ein Perlwein schmeckt. Die besten Halbschäumer zeichnen sich durch einen harmonischen Zuckergehalt zur Weinsäure und einem fein-prickelnden Reiz am Gaumen aus.

Bei der Bereitung muss der Produzent dennoch folgenden gesetzlichen Restzuckergehalt beachten:

  • Trocken: bis 35 Gramm Restzucker pro Liter
  • Halbtrocken: 33 bis 50 Gramm Restzucker pro Liter
  • Mild: über 50 Gramm Restzucker pro Liter
Zwei Paare stehen bei Sonnenuntergang an einem See und genießen dabei ein Glas Perlwein
Egal, wie der Restzuckergehalt auch aussieht: Perlwein passt perfekt zu guter Laune.

Früher wurden Perlweine mit einem Drahtgestell und einer Kapsel verschlossen. Dies machte eine Unterscheidung zum Sekt rein optisch sehr schwierig. Heutzutage sind die Flaschen entweder mit einem Drehverschluss, Kronkorken oder einem kürzeren Korken inklusive Klammer oder Kordel gesichert. Damit sind in Deutschland dem Winzersekt heutzutage das Drahtgestell, das Metalldeckelchen sowie die Folienkapsel vorbehalten.

Alternative zu Sekt und Co.

Ein klarer Vorteil von Perlwein ist sein niedrigerer Alkoholwert. Gut gekühlt (zwischen 6 und 8 Grad Celsius) und an einem warmen Sommertag serviert, zeigt der Schäumer am besten seine Frische und den typischen fruchtfeinen Ausdruck. Dieser stammt überwiegend von ausgereiften und aromatischen Rebsorten wie Riesling, Scheurebe oder Muskateller. Secco mit Essen? Passt wunderbar zusammen! Probieren Sie doch einmal einen Serranoschinken mit einem trockenen Secco. Die dezente Fruchtsüße harmoniert wunderbar mit der Salzigkeit des Schinkens.

Da die Perlen im Wein zugesetzt worden sind, verschwinden sie leider im Glas etwas schneller als bei einem richtigen Winzersekt. Deshalb empfehle wir Ihnen als Glas die sogenannte Sektflöte, wenn Sie das Perlenspiel betonen wollen. Mögen Sie eher die Aromen genießen, dann nehmen Sie ein bauchiges Weißweinglas zur Hand. Perlweine sind definitiv keine Lagerweine, sondern sollten mit ihrer Leichtigkeit und Frische bald genossen werden. Beherrschten lange Zeit die großen Markenhersteller und natürlich Prosecco Frizzante die Szene, lohnt sich heute ein Blick zu den heimischen Weingütern. Denn auch sie haben erkannt, dass ein gut gemachter Secco eine tolle Alternative zu Sekt und Co. sein kann. Leicht und beschwingt - Dolce Vita eben!

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