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Reifes Spanien: Reserva, Gran Reserva und Co.

Was hat es mit den verschiedenen spanischen Reifestufen wie Reserva und Gran Reserva auf sich? Und was ist eigentlich eine Crianza? Wir klären auf!

Wer sich für spanische Weinklassik interessiert, kommt an diesen Begriffen nicht vorbei. Die Rede ist natürlich von Crianza, Reserva und Gran Reserva. Sie haben etwas mit der Reife des Weins zu tun. Aber: gibt es diese Begriffe in ganz Spanien? Und wie lange sind die Weine gelagert? Steht das immer auf den Etiketten? Wir schauen uns das mal näher an.

Das Gute zuerst: Die Bezeichnungen Crianza, Reserva und Gran Reserva finden Sie auf den Etiketten der Weinflaschen. Im Unterschied zu Weinen ohne diese Bezeichnung sind Reserva und Gran Reserva Weine von besserer Qualität. Denn sie durften länger im Holzfass und in der Flasche reifen. Sie können am Etikett genau ablesen, wie lange der Wein mindestens auf dem Weingut reifen durfte. Natürlich kommt in diese beiden Stile nur sorgfältig ausgewähltes Lesegut. Andere Länder mit ähnlichen Vorgehen sind Italien und Portugal. Dort sind die Qualitätsstufen Riserva (Italien) beziehungsweise Reserva (Portugal) ebenfalls festgelegt. In anderen Ländern ist das derzeit nicht geregelt. Doch bleiben wir in Spanien und schauen wir uns die drei Stufen an!

Crianza, Reserva und Gran Reserva

Alle drei Begriffe beschreiben, wie lange der Wein im Keller ausgebaut wurde. Dabei ist die Königsklasse des spanischen Weins die Gran Reserva: sie durfte am längsten ruhen und dabei ihre Aromen verfeinern. Reserva und Gran Reserva wurden vor ungefähr einem halben Jahrhundert eingeführt. Ursprünglich nutzten Händler den Begriff, um sich damit Fässer zu sichern.

Die erste Stufe ist die Crianza, und ab jetzt kommen die Vorgaben. Damit Sie bei den folgenden Zahlen nicht den Überblick verlieren: Je weiter wir in der Qualitätspyramide nach oben gehen, desto länger die Mindestreife aus Fass und Flasche insgesamt. Außerdem verlängert sich die vorgeschriebene Zeit im Fass. Hingegen ist die Länge der Flaschenreife nur in der Rioja niedergeschrieben. Doch dazu später mehr. Zunächst die allgemeine Pyramide.

Reserva und Gran Reserva-Weine lagern im Weinkeller
Hier ruhen Reserva- und Gran Reserva-Weine.

Crianza: Frisch, fruchtig, kraftvoll

Eine Crianza muss mindestens zwei Jahre reifen, davon sechs Monate im Holzfass. Am Gaumen dominieren die Fruchtaromen - etwa Kirsche, Brombeere, Walderdbeere und Himbeere, wenn Spaniens Starsorte Tempranillo den Ton angibt. Die Holzaromen wie Vanille und Kokos sind nur leicht zu schmecken. Ist der Wein gar nicht im Eichenfass gereift, finden Sie die Information meist auf dem Etikett als "sin crianza" oder "joven".

Reserva: Konzentriert mit Potenzial

Um sich den nach der Crianza nächsthöheren Titel als Reserva zu verdienen, müssen Winzer ihren Rotwein länger reifen lassen, nämlich mindestens drei Jahre. Davon muss der Wein mindestens ein Jahr im Eichenfass ruhen. Bei diesem Stil kommen zu den dunklen Fruchtaromen (Brombeeren, Schwarzkirschen) schon deutliche Noten von Vanille und Kokos hinzu - ein Hinweis auf den Ausbau in Holz. Und Sie können die ersten Aromen aus der Flaschenreife schmecken: die Reserva hat leichte Noten von Tabak, Leder und Rauch entwickelt. Sie können gut noch etwas lagern, um Frucht und Tannine perfekt in Einklang zu bringen.

Gran Reserva: Die feingereifte Königsklasse

Für die Top-Kategorie, die Gran Reserva, sind die Vorgaben noch strenger: Ganze fünf Jahre verbleibt der Wein beim Winzer. Und darf so erst im sechsten Jahr nach der Lese verkauft werden. Davon verbringt der Wein mindestens anderthalb Jahre im Holz. Im Glas ist die Gran Reserva auch noch Dunkelrot, weist aber einen granatroten Rand auf. Ein Hinweis darauf, dass sie schon ein paar Jahre gereift ist. Im Mund ist sie deutlich harmonischer als die Crianza und die Reserva. Ihre Aromen sind komplexer. Und genau das hat mit der längeren Zeit in Fass und Flasche zu tun. 

Ein junger Winzer füllt Wein in ein Holzfass
Nach der Gärung füllen Winzer die Weine zum Reifen ins Holzfass.

Aromen aus Fass und Flasche

Für alle drei Varianten sind Fassgröße und Holzart vorgeschrieben. In die Eichenfässer dürfen maximal 225 Liter passen. Das entspricht der Größe von französischen Barrique-Fässern. Das ist recht klein und so gelangen viele der Holzaromen in den Wein. Denn: je kleiner das Fass, desto größer der Einfluss des Holzes. Typische Aromen, die ein neues Eichenfass an den Wein abgeben kann, sind Vanille, Kokos, Zedernholz und Kaffee. Zusätzlich erhält der Wein durch Fassreife weichere Tannine. Während die meisten Winzer in Europa Fässer aus französischer Eiche lagern, bevorzugen spanische Winzer amerikanische Eiche. (Amerikanische Eiche erkennen Sie meist am Geruch nach Kokos.) Das hat sich historisch so ergeben und zum klassischen Stil der Rioja Reserva geführt. 

Warum braucht es dann noch eine Flaschenreife? Durch die Zeit in der Flasche entwickeln sich wiederum neue Aromen. Zu den Frucht- und Holznoten kommen jetzt weitere wie Tabak, Kaffee, Rauch und Leder. Außerdem werden die Tannine noch weicher und der Wein insgesamt harmonischer. Aber kann der Wein das nicht auch bei Ihnen zuhause? Natürlich kann er das, wenn Sie die idealen Bedingungen dafür haben. Dazu brauchen Sie einen dunklen Raum mit einer konstanten Temperatur von 10 bis 15 Grad Celsius, der frei ist von Erschütterungen und in dem Sie die Ihre Flaschen liegend einige Monate bis Jahre lagern. Da die wenigsten Konsumenten das haben, übernimmt das Weingut das für Sie. Praktisch, oder? Sie können Ihre Gran Reserva also sofort genießen. Da es keine Regel ohne Ausnahme gibt, schauen wir uns die zwei Ausnahmen an.

Reife in Ribera del Duero und Rioja

Um ihren Wein noch besser zu machen, haben sich zwei Regionen eigene Regeln verpasst. In den beiden berühmtesten spanischen Appellationen - Ribera del Duero und Rioja - sind die Vorgaben am strengsten. Dabei ist die Mindestreifezeit der einzelnen Stufen gleich. Anders ist, dass der Wein hier länger im Fass sein muss. In Spaniens Top-Region Rioja ist zusätzlich die Mindestanforderung für die Flaschenreife festgehalten. 

Die Regeln in der Ribera del Duero in Zentralspanien entsprechen weitgehend den allgemeinen. Allerdings müssen Crianza und Gran Reserva länger im Fass liegen: Erstere doppelt so lange wie die reguläre, also ein Jahr. Die Gran Reserva bleibt zwei Jahre im Holz, statt der anderthalb Jahre in der allgemeinen Vorschrift. Zu den Spitzen-Bodegas, die Reserva oder Gran Reserva erzeugen, gehören Pago de los Capellanes, Pesquera und Hacienda Monasterios Reserva. Allerdings sind die Bezeichnungen in Ribera del Duero nicht allzu verbreitet. Das hat damit zu tun, dass Reserva und Gran Reserva für viele Winzer zu stark von der Rioja geprägt sind. Und von der möchten sie sich mit ihren eigenen Weinstilen abgrenzen.  

Spaniens Top-Appellation Rioja hat die Reserva-Stile perfektioniert. Wie wichtig die Flaschenreife ist, sehen Sie an den Regeln hier. Diese gleichen zunächst denen der Ribera. Zusätzlich wird jedoch die Flaschenreife extra ausgewiesen. So müssen die Reserva-Weine mindestens ein halbes Jahr auf der Flasche reifen. Für eine Gran Reserva sind mindestens je zwei Jahre auf der Flasche und im Fass vorgeschrieben. Auch in der Rioja gibt es Weingüter, die ihren Weinen jede Menge Zeit lassen. So reift die Gran Reserva 904 der Traditions-Bodega La Rioja Alta schon mal bis zu zwanzig Jahre auf dem Weingut. Da besteht keine Gefahr, dass Sie den Wein zu früh trinken.

Traditionalisten versus Modernisten

So traditionell wie bei La Rioja Alta in der Kleinstadt Haro arbeiten dort viele der alteingesessenen Weingüter. Weitere berühmte Namen in Haro sind die Bodegas López de Heredia, Marqués de Murrieta, Marqués de Riscal, Muga, Marqués de Cáceres und Cune (Compañía Vinícola del Norte de España). Sie haben geholfen, die Rioja Gran Reserva zum Weinklassiker zu machen! 

Haro in der Rioja: Weinfässer in einer Passage aufgestapelt.
In Haro sitzen die meisten altehrwürdigen Rioja-Bodegas, die die weltweiten traditionellen Gran Reserva erzeugen.

Allerdings gibt es auch Winzer, die etwas anderes wollen. Meist ist ihnen der klassische Reserva-Stil zu schwer, die Holzaromen zu intensiv. In ihren Versionen möchten sie mehr Eleganz zeigen. Deshalb verwenden sie keine oder weniger amerikanische Eiche. Französische Eiche gibt ihre Aromen subtiler an die Umgebung ab. Noch dazu experimentieren Winzer, die einen modernen Stil wollen, mit der Länge der Reife und lassen ihre Weine kürzer reifen. Das Label Crianza, Reserva oder Gran Reserva fehlt dann auf dem Etikett. 

Was aber keineswegs heißt, dass diese Weine schlechter sind. Ein Beispiel: So erfüllt der 'Gaudium' von Marqués de Cáceres mit insgesamt 42 Monaten Reife und 24 Monaten auf der Flasche die Rioja-Regeln für eine Reserva. Er ist aber in neuen Barriques aus französischer Eiche ausgebaut und damit keine typische Rioja Reserva. Kein Wunder, hat man doch als önologischen Berater Frankreichs Koryphäe Michel Rolland an Bord geholt. 

In Ribera del Duero ist eine moderne Version besonders berühmt: die Weinguts-Ikone Vega Sicilia in der Ribera del Duero dürfte weltweit einzigartig sein. Ihr Kultwein 'Único' wird erst dann aus der Bodega entlassen, wenn der Chef-Önologe befindet, dass der Wein perfekt ist. Das kann dann auch mal einige Jahrzehnte dauern. So kam die Edition von 1968 erst 1991 auf den Markt. Der Wein wird regelmäßig mit Preisen überhäuft. Und das, obwohl er gar keine Gran Reserva ist. Denn er wird zum Teil in französischer Eiche ausgebaut und ist trotzdem außerordentlich gut.

Keine Reserva nach Vorschrift: der außergewöhnliche Unico in edlen Weinfässern.
Ruht lang und in edler Halle: 'Único' von Vega Sicilia. © Tempos Vega Sicilia.

Zwischen Tradition und Moderne

Ganz so streng sind die Gräben zwischen Traditionalisten und Modernisten natürlich nicht. Manche Weingüter bieten gar beide Versionen an, etwa die eben erwähnte Bodega Marqués de Cáceres. Auch die Bodegas Muga, die Fässer in ihrer eigenen Küferei herstellen lässt, kann beide Stile: Weinliebhaber können wählen zwischen der klassischen Prado Enea Gran Reserva und modernen Stilen wie dem Torre Muga und Aro. 

Alle diese Weine bieten viel Genuss, egal ob sie eher modern oder traditionell schmecken. Zur Verkostung haben wir zwei Vorschläge. Sie können die drei traditionellen Stile nebeneinander probieren: Jung und fruchtbetont die Crianza, mit ersten Reife- und Röstaromen die Reserva und feingereift die Königsklasse Gran Reserva. Oder Sie verkosten einen traditionellen Stil neben einem modernen. Also eine Variante, die im amerikanischen Holzfass ausgebaut wurde mit einer aus einem französischen Eichenfass. In welchem Fass Ihr Wein ruhen durfte, finden Sie meist bei den Weinbeschreibungen. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Verkosten!

Marie Ohl

Von Marie Ohl

Hätte nie gedacht, dass sie mal beruflich über Wein schreibt. Und sich früher gefragt, warum manche Leute bereit sind, so viel Geld für Wein auszugeben. Jetzt versteht sie es. Studium der Theaterwissenschaft mit Stationen bei Christoph Schlingensief und beim ZDF, WSET (Wine & Spirit Education Trust) Level 3. Mag es, mit dem Schreiben die Wein-Welt zu entdecken und Dinge zu erklären.
© Steffen Kugler

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