Kategorien
Stellenbosch Südafrika

Stellenbosch: Südafrikas wichtigste Weinregion

Zusammen mit Paarl und Franschhoek bildet Stellenbosch die weltberühmten Cape Winelands in Südafrika. Aber auch allein betrachtet hat die wohl beliebteste Weinregion am Kap facettenreiche Weine und eine spannende Geschichte zu bieten.

Wein hat in Südafrika eine extrem lange Tradition. So wird zum Beispiel seit dem Ende des 17. Jahrhunderts in Stellenbosch bereits Weinbau betrieben. Zu verdanken ist das dem zweiten südafrikanischen Gouverneur Simon van der Stel. Nachdem es 1652 zur Gründung von Kapstadt kam, war er es, der im Jahr 1679 den Grundstein für die zweite Siedlung legte. Etwa 50 Kilometer von Kapstadt entfernt. Nach eben diesem Gouverneur benannt hieß das Städtchen zunächst "Stelenbusch", danach "Busch van der Stel", bis daraus dann final Stellenbosch wurde.

Die kleine Stadt mit ihren derzeit knapp 20.000 Einwohnern und der zauberhaften Kap-Architektur im holländischen und auch viktorianischen Stil entwickelte sich schnell zum Dreh- und Angelpunkt des südafrikanischen Weinbaus. So ist die staatliche Weinkontrollbehörde hier ebenso ansässig, wie die einzige Weinbaufachschule des Landes und das önologische Forschungszentrum namens "Nietvoorbij". Dieses Weinbauchnabel-Dasein hat Stellenbosch übrigens auch Simon van der Stel zu verdanken. Schließlich war der Gouverneur nicht nur Weinliebhaber, sondern auch Besitzer des 750 Hektar großen Weinguts Groot Constantia. Er ermunterte Ende des 17. Jahrhunderts niederländische Siedler, sich in der Region Stellenbosch niederzulassen und das Land urbar zu machen. Genau das taten die Pioniere auch und pflanzten große Eichenwälder. Schnell aber wandten sie sich verstärkt dem Weinbau zu.

Karte von Südafrika mit Kennzeichnung des Westkaps und Stellenbosch.
Geographische Verortung von Stellenbosch in Südafrika. © Wine in Black

Klima und Geographie in Stellenbosch

Verwunderlich ist das nicht, denn die geographischen und klimatischen Bedingungen in Stellenbosch, das heutzutage gut 17.500 Hektar Rebfläche umfasst, sind ebenso ideal wie vielfältig. Da wäre zum einen die Lage, in der sich die über 120 Weingüter befinden. Mit dem Stellenbosch Mountain in Sichtweite zur gleichnamigen Stadt, ist es vor allem ein Berg, der wie kein anderer die Weinregion optisch prägt: der Simonsberg. Sein Schatten spendet die nötige Kühle, damit die Trauben im Sommer nicht verbrennen.

Nützlicher Helfer ist aber zum anderen auch der Benguela-Strom. Dieser kommt direkt von der Antarktis im Südatlantik an und hat einen derart starken Einfluss, dass man die kühlende Wirkung selbst im Hinterland von Stellenbosch noch spüren kann. Jedenfalls, wenn man eine Traube ist. Ein echter Segen! Denn ohne diesen Atlantik-Einfluss wäre es in Stellenbosch eigentlich zu warm für den Weinbau. So aber bringen vor allem Rebstöcke in Küstennähe einen Wein hervor, der dank einer fast schon vibrierenden Mineralität jedem Cool Climate-Gewächs Konkurrenz machen kann.

Der Simsonsberg prägt die Landschaft am Westkap in Südafrikas Stellenbosch.
Prägt die Landschaft der Region: der Simsonsberg.

Nicht minder besonders (und extrem unterschiedlich) sind die Böden in der Weinregion (wobei in Südafrika dazu District gesagt wird). Über 90 unterschiedliche Bodenformationen kann man in Stellenbosch finden. Vom alluvionalen Kiesel über verwitterten Granit bis zu sandig-lehmigen Böden ist hier alles zu finden. Bei allen Unterschieden gibt es aber auch einen einenden Faktor: Die Böden hier gehören zu den ältesten der Welt. Sie sind bis zu 100 Millionen Jahre alt und besonders fruchtbar. Was uns jetzt endlich zu den Rebsorten und damit auch zu den Stellenbosch-Weinen an sich bringt.

Vom Weißwein-Spezialisten zur Rotwein-Koryphäe

Noch vor 20 Jahren war ein Großteil der 17.500 Hektar großen Rebfläche mit weißen Rebsorten wie Sauvignon Blanc, Chardonnay, Chenin Blanc, Colombard, Sémillon und Hanepoot (Muscat d’Alexandrie) bestockt. Auch heute noch ist Stellenbosch ein Garant für aromatische Weißweine. Die eigentliche Stärke dieses Districts liegt aber in fruchtigen und gut strukturierten Rotweinen. Und das hat einen Grund. Denn Stellenbosch ist die einzige Weinregion Südafrikas, in der es auch im Sommer regnet. Es muss also nicht künstlich bewässert werden. In Kombination mit dem Klima fühlen sich nicht nur weiße, sondern auch rote Reben hier besonders wohl.

Weingarten im südafrikanischen Stellenbosch.
Stellenbosch ist die einzige südafrikanische Weinregion, die ohne künstliche Bewässerung auskommt.

Kein Wunder, dass sie deswegen inzwischen 75 % der kompletten Anbaufläche ausmachen. Neben Pinot Noir, Cabernet Franc und Cinsault findet man hier vor allem Cabernet Sauvignon, Merlot und Syrah. Und natürlich auch die einheimische Rebsorte Pinotage. Zusammen mit Cabernet Sauvignon bildet sie oft die Grundlage für den sogenannten Cape Blend - einer Cuvée im Bordeaux-Stil, die dank Pinotage (und natürlich dem vollkommen anderen Terroir) einen ganz eigenen Charakter entwickelt.

Wo Syrah auf Shiraz trifft

Zwischen 30 und 70 % Pinotage wandern in solch einen Blend. Und neben Cabernet Sauvignon, der vor allem im Hinterland von Stellenbosch sehr gut gedeiht, sind auch Merlot und Syrah sehr gern gesehene Cuvée-Partner. Da es bis heute keine einheitliche Regelung für einen Cape Blend gibt - und erst recht keine bindenden Gesetze - lohnt es sich, ein wenig zu recherchieren, um die genaue Zusammensetzung herauszufinden. Denn Cape Blend ist durch die vielen unterschiedlichen Varianten eben nicht gleich Cape Blend. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei. Denn die Stilistik geht von zart und feingliedrig bis hin zu intensiv und würzig.

Ebenso verhält es sich allerdings auch mit den reinsortigen Rotweinen. Je näher die Reben an der Küste wachsen, desto feiner und kühler wird der Weinstil. Am besten lässt sich das an der Rebsorte Syrah erkennen. Weiß man das, hat man als Weinliebhaber schon mal einen guten Anhaltspunkt, wenn es um die Stilistik dieser Rebsorte aus Stellenbosch geht.

Eher Richtung Atlantik angebaut, entstehen Weine, wie sie die nördliche Rhône nicht besser hervorbringen könnte. Winzer, die ihre Reben hier stehen haben, verpflichten sich auch ganz eindeutig dem europäischen Stil. Anders hingegen bei den Reben, die in eher trockenen und wärmeren Bereichen von Stellenbosch wachsen. Sie entsprechen in der Regel eher dem Stil der Neuen Welt. Stichwort Australien und Barossa Valley. Kein Wunder, dass hier dann meist Shiraz als Rebsorte angegeben wird - eben so, wie Syrah in Down Under genannt wird. Und das verspricht dann einen intensiveren, sehr dichten und hoch aromatischen Geschmack. 

Weingarten in Südafrikas Stellenbosch mit unterschiedlichen Schildern zu den verschiedenen Rebsorten.
Obacht: Hier gedeiht Shiraz - und nicht Syrah.

Die 7 Wards des Districts

Wie auch in Frankreich oder Italien gliedert sich der District Stellenbosch übrigens in verschiedene Appellationen, die hier allerdings Wards heißen. Folgende Wards haben sich seit dem 17. Jahrhundert herausgebildet:

  • Banghoek
  • Bottelary
  • Devon Valley
  • Jonkershoek Valley
  • Papegaaiberg
  • Polkadraai Hills
  • Simonsberg-Stellenbosch

Im Gegensatz zu Frankreich oder Italien sind diese Wards allerdings keinem bestimmten Wein beziehungsweise Stil verpflichtet. Was nicht zuletzt daran liegt, dass sich die Rebflächen der gut 120 Weingüter oft über die verschiedenen Wards verteilen. Dementsprechend groß ist die stilistische Bandbreite der renommiertesten Weingüter wie etwa Kleine Zalze, Kaapzicht Estates oder auch Warwick Estates. Letztgenanntes Weingut revolutionierte den Weinbau in Stellenbosch sogar. Denn mit Norma Ratcliffe war ab 1967 erstmals eine Frau als Winzerin in Südafrika tätig - und das auch noch sehr erfolgreich. Schnell brachten ihr ihre ersten Wein-Hits den Beinamen "First Lady des Kapweinbaus" ein.

Wein-Pionierin Norma Ratcliffe im Weinkeller.
"First Lady des Kapweinbaus": Norma Ratcliffe. © Warwick Estate

Stellenbosch: Tourismus-Mekka und Wein-Paradies

Tatsächlich wirkte Norma Ratcliffes Erfolg wie eine Initialzündung, die den Weinbau in Südafrika wiederbelebte. Denn aufgrund der Apartheid von 1948 bis 1994 durften südafrikanische Weine nicht exportiert werden. Entsprechende weltweite Handelsembargos sorgten dafür. Anfangs hatte das einen regelrechten Dornröschenschlaf unter den Winzern zur Folge. Jeder muckelte so vor sich hin, große Ambitionen für noch größere Weine hatte indes kaum jemand. Da musste erst eine Frau kommen, um die Herren bei ihrem Ehrgeiz zu packen. Das gelang ihr dann auch sehr gründlich.

Nur leider wurde dieser Erfolg zunächst nur in Südafrika wahrgenommen - und eben nicht international. Eine weitere Schattenseite der damals herrschenden Apartheids-Gesetze. Ebenso verirrten sich kaum Touristen in Richtung Stellenbosch. Trotz der zauberhaften Natur! Eigentlich ein Unding! Um das zu ändern, schlossen sich 1971 unter anderem die beiden Weingüter Simonsig und Spier zusammen und gründeten die erste (und damit auch älteste) Weinroute in Südafrika. Im Laufe der Jahre wurde genau diese Weinroute immer mehr erweitert, sodass sie inzwischen an den wichtigsten Weingütern in Stellenbosch vorbeiführt.

Mit der Demokratisierung kamen ab 1994 dann endlich die ersten Touristen nach Südafrika. Und diese verfielen meist sofort der wunderschönen Stellenbosch-Landschaft. Die Weinroute tat ihr übriges, damit der District schnell weltweit in aller Munde war. Denn sie wurde nach und nach ausgebaut und erweitert, sodass inzwischen fast alle Weingüter aus Stellenbosch besucht werden können. Und damit natürlich auch Warwick Estates, von wo aus die Verdienste von Wein-Pionierin Norma Radcliffe jetzt endlich angemessen in die Welt hinausgetragen werden. Zusätzlich untermauern dann aber natürlich noch die hervorragenden Weine aller großen und kleinen Weingüter den Ruf als vinophiles Genuss-Mekka. Trotzdem sind die Weine preislich auf dem Boden geblieben. Ein Ausflug nach Stellenbosch im Glas lohnt sich also allemal.

Nicole Korzonnek

Von Nicole Korzonnek

Früher vor allem im Kulturjournalismus zuhause, begeistert sich Nicole Korzonnek nicht erst seit dem obligatorischen Pausen-Sekt im Theaterfoyer für Wein. Neben Theaterkritiken für die FAZ und Artikel für diverse Kulturformate brachte sie ihr journalistischer Weg über die Jahre immer mehr in Richtung Wein. Ob nun mit einem eigenen Blog oder eben als Copywriterin & Chief Editor Wine Magazine bei Wine in Black, wo sie die Geschichten hinter den Weinen entdeckt und dann auch begeisternd erzählt.

Weine aus unserem Shop, die zu diesem Artikel passen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.