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Constantia: Südafrikanische Weinregion der Superlative

Sie ist die älteste Weinregion in Südafrika – und die kleinste. Außerdem ist sie die Heimat eines der berühmtesten Süßweine der Welt. Willkommen in Constantia!

Gemeinhin gilt Simon van der Stel, seines Zeichens erster Gouverneur der Kap-Kolonie, als Vater des südafrikanischen Weinbaus. Mit der Gründung seines eigenen Weinguts Groot Constantia soll er 1685 alles ins Rollen gebracht haben. Das stimmt aber nur zur Hälfte. Denn tatsächlich gab es bereits 1682 mit Swaaneweide (heute Steenberg genannt) die erste Weinfarm am Kap. Wahr ist allerdings, dass sich Simon van der Stel eben 1685 südöstlich von Kapstadt mit Blick auf die False Bay niederließ und dort mit seinem Weingut die erste Weinregion des Landes formte, die er dann auch gleich auf den Namen seines eigenen Betriebs taufte: Constantia.

Und nein, der Name ging nicht auf seine Frau zurück. Die hieß Johanna. Constantia ist der lateinische Begriff für Beharrlichkeit. Eine Tugend, die man im Weinbau bekanntlich braucht. Auch Groot Constantia, also große Beharrlichkeit, lässt sich leicht erklären, wenn man sich die Dimensionen der van der Stel’schen Farm anschaut. Sage und schreibe 750 Hektar waren bei ihm im 17. Jahrhundert unter Reben! Übrigens ausschließlich rote und weiße Muskat-Sorten, aus denen ein ganz besonderer Süßwein bereitet wurde. Der Vin de Constance. Genau diesen schauen wir uns jetzt mal genauer an, denn er begründete den Ruhm von Südafrikas ältester Weinregion.

Vorderseite des Hauptgebäudes des Weinguts Groot Constantia in Südafrika
Simon van der Stels Weingut Groot Constantia existiert auch heute noch.

Legendenbildung: Vin de Constance

Besonders machte den Vin de Constance vor allem der Produktionsprozess. Ein Großteil der Trauben wurde sehr spät und damit vollreif gelesen. Man ließ aber noch Trauben am Stock, damit diese rosinieren konnten (Appassimento lässt grüßen!) - und dadurch ein intensives Aroma von Dörrobst, Rosinen und Honig ausbildeten. Also ein Geschmacksprofil, das man eigentlich nur erhält, wenn die berühmte Edelfäule namens Botrytis mit im Spiel ist. Diese ward in Constantia aber nie gesehen. Das allein ist aber nicht der Grund, warum der Vin de Constance im 18. und 19. Jahrhundert der beliebteste Dessertwein der Welt war, Napoleon ihn in die Riege seiner Lieblingsweine aufnahm und selbst auf dem Sterbebett noch danach verlangte.

Nein, der Beginn dieser Legende hatte nichts mit der Machart zu tun, sondern mit dem kaufmännischen Geschick von Simon van der Stel. Dieser wählte für sein Weingut Groot Constantia nämlich nicht ohne Grund das Gebiet zwischen Kapstadt und der False Bay. Denn die britischen Segler, die auf dem Weg nach Indien (oder von dort zurück) waren, machten genau hier Halt, um neuen Proviant zu laden. Und zu dem gehörte auch Wein, den die Engländer vorzugsweise süß genossen. Beste Voraussetzung für den Vin de Constance. So trat der Süßwein dann seinen Siegeszug um die Welt an. Diesen bekam Simon van der Stel dann aber leider nicht mehr mit. Er starb 1712.

Straße an der False Bay in Südafrika
Heute braucht man nicht in die False Bay segeln, man kann auch mit dem Auto die Bucht entlangfahren.

Katastrophenalarm in Constantia

Nach van der Stels Tod zerfiel seine Weinfarm aufgrund von Erbfolgen in drei Teile: Groot Constantia, Klein Constantia und Bergvliet. Letztgenanntes existiert nicht mehr, die anderen beiden indes schon. Wenn auch in anderer Form. Und das hat etwas mit zwei Katastrophen zu tun, die Südafrikas Weinbau nachhaltig zum Erliegen brachten. Denn Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Vin de Constance auf dem weltweiten Höhepunkt seiner Beliebtheit war, schleppten Reisende den gefürchteten Mehltau und die noch gefürchtetere Reblaus in Constantia ein. Innerhalb weniger Jahre wurde ein Großteil der Rebflächen vernichtet. Anders als in Europa, wo man amerikanische Wurzeln als Unterlage für die eigenen Reben nahm und so die Flächen nach und nach wieder aufbaute, fand das in Constantia nur vereinzelt statt.

Die Gründe hierfür waren vielfältig. Denn nicht nur die Reblaus machte den Südafrikanern das Leben schwer. Politisch brodelte es schon seit 1806 im Land, als die niederländische Kapkolonie an die britische Krone überging und die Buren sich immer mehr zurückziehen mussten. Es folgten die beiden Burenkriege zwischen 1880 und 1902, die dem Land zwar die Unabhängigkeit brachten, aber leider keinen Frieden. Schließlich kam es Anfang des 20. Jahrhunderts zu den ersten Apartheidsgesetzen. Zeitgleich fand eine Urbanisierung statt. Das nahegelegene Kapstadt wuchs und wuchs. Aus Rebflächen wurde Bauland.

Weingärten in der südafrikanischen Region Constantia
Im Hintergrund kann man bereits Kapstadt sehen.

Constantia: Auferstanden aus Ruinen

Hat man das alles im Hinterkopf, dann verwundert es nicht, dass der Weinbau in Constantia fast völlig zum Erliegen kam. Wie übrigens überall im Land. Das änderte sich erst in den 1970er-Jahren, als in der Nachbarregion Stellenbosch die ersten Pioniere auf hochwertige Qualitäten achteten und somit den südafrikanischen Weinbau auf ein neues Level hoben. Davon ließen sich weitere Südafrikaner animieren, die dann Constantia wieder neues Leben einhauchten, indem sie Reben pflanzten und hier wieder Weinbau betrieben.

Wobei die Region nach wie vor sehr überschaubar ist. Die knapp 500 Hektar Rebfläche, die es hier noch gibt, werden gerade mal von einem guten Dutzend Weingütern bewirtschaftet. Dass die Weine trotzdem weit über die Landesgrenzen hinaus in die Welt strahlen, ist vor allem den klimatischen und geographischen Bedingungen zu verdanken.

Karte vom westlichen Südafrika mit den Weinregionen Constantia, Stellenbosch, Franschhoek und Paarl
Klein aber fein: Hier findet man Constantia. © Wine in Black

Klima und Böden in Constantia

Um in Constantia Wein anzubauen, braucht es schon eine gewisse Portion Mut. Denn das Klima hier ist nicht nur dank der Nähe zum Atlantik sehr kühl, sondern auch sehr feucht. In der Tat hat die Region etwa 30 Prozent mehr Niederschlag als Deutschlands verregnetste Stadt: Hamburg. Dass sich die Reben nicht eine Pilzkrankheit nach der nächsten holen, ist einem bestimmten Wind vom Atlantik zu verdanken. Dem Cape Doctor. Seine trockene Luft, die kontinuierlich zwischen den Rebzeilen weht, sorgt dafür, dass Pilze aller Arten hier keine Chance haben. Und zwar die schlechten wie die guten. Edelfäule gibt es in Constantia also nach wie vor nicht. Derweil sorgt die Durchschnittstemperatur von 18 bis 20 Grad Celsius dafür, dass die Trauben hier sehr langsam reifen. Und dadurch eine besonders intensive Aromatik entwickeln.

Auch die Böden prägen die Aromatik der Constantia-Weine. Der Constantiaberg, der die Landschaft optisch dominiert, ist die östliche Verlängerung des Tafelbergs. Seine tiefgründigen Lehmböden mit verwittertem Eisen und unterschiedlichen Anteilen von Granit und Sand versorgen die Reben ideal mit Nährstoffen. Und noch besser: sie sorgen für eine ideale Wasserregulation. Ist zuviel da, versickert das, was nicht gebraucht wird. Ist es zu trocken (was in Constantia zugegebenermaßen nur selten vorkommt), müssen die Reben trotzdem nicht verdursten. Was uns jetzt nahtlos zu den Rebsorten bringt.

Rebzeilen vor dem Constantiaberg in Südafrika
Der Constantiaberg dominiert in der kleinen Region die Landschaft.

Wichtige Rebsorten im Überblick

Im 17. Jahrhundert waren die unterschiedlichen Muskat-Trauben die großen Stars in Constantia. Muscat Blanc wird hier für den Vin de Constance, der seit den 1980er-Jahren von dem Weingut Klein Constantia wieder zum Leben erweckt wurde, nach wie vor angebaut. Aber der neue große Star ist ohne Zweifel die weiße Rebsorte Sauvignon Blanc. Mit ihrem Stachelbeeraroma und der nur milden Säure, die sie hier in der Region entwickelt, tragen ihre Weine fast schon mediterrane Züge voll opulenter Fruchtigkeit. Selbiges gilt auch für Chardonnay, die hier in kleinen Mengen gedeiht. Die weiße Chenin Blanc indes kommt meist nur als Verschnittpartnerin für Cuvées zum Einsatz. Reinsortig ausgebaut besticht sie durch ihre stahlige Weinsäure.

Auf der roten Rebsortenseite ist in Constantia Cabernet Sauvignon der Star. Durch das kühle Klima und die Lehmböden entstehen hier gut strukturierte Weine, die zwar mit opulenter Aromatik von Schwarzer Johannisbeere glänzen, die aber auch einen eleganten und feingliedrigen Körper haben. Cool Climate at its best, sozusagen. Auch Merlot und Shiraz finden sich in Constantia und bringen fruchtig-vollmundige Weine hervor. Der Fokus liegt in der Region aber eindeutig auf den Weißweinen.

Detailaufnahme von Weinblättern an einem Weinstock
Sauvignon Blanc ist der neue Star in Constantia.

Constantias Zukunft

Während andere renommierte Weinregionen auf der Welt wachsen, sind die Rebflächen in Constantia inzwischen wieder rückläufig. Das hat bei Weitem nichts mit der Qualität zu tun, denn die ist nach wie vor herausragend. Schuld ist nach wie vor die Urbanisierung. Kapstadt breitet sich aus. Und nimmt damit den Reben den Platz weg. Trotzdem ist die Nähe zur Hauptstadt ein großer Vorteil für die Region. Vor allem in Sachen Tourismus. Constantia hat eine eigene Weinroute, die an allen Weingütern der Region vorbeiführt.

Obwohl der Tourismus in Constantia ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor ist, behalten die gut ein Dutzend Weingüter stets den Fokus auf das Wesentliche. Die Weine selbst. Momentan wecken alte Reben das Interesse der verschiedenen Önologen. Weinstöcke, die mehr als 30 Jahre auf dem Buckel haben, findet man in Constantia eher selten. Das soll sich jetzt ändern. Die Weingüter hegen und pflegen ihre Reben, um ihnen ein möglichst langes Leben zu bescheren. Hier wird also von langer Hand an der Qualität gefeilt. Denn Ziel ist es, in ein paar Jahren besonders intensive und komplexe Weine erzeugen zu können. Die Mengen aus Constantia werden dadurch natürlich nicht größer. Im Gegenteil. Je älter die Reben, desto geringer der Ertrag - und umso intensiver. Aber genau das macht es nochmal eine Schippe interessanter. Da kann man sich als Weinliebhaber also schon auf die Zukunft freuen.

Nicole Korzonnek

Von Nicole Korzonnek

Früher vor allem im Kulturjournalismus zuhause, begeistert sich Nicole Korzonnek nicht erst seit dem obligatorischen Pausen-Sekt im Theaterfoyer für Wein. Neben Theaterkritiken für die FAZ und Artikel für diverse Kulturformate brachte sie ihr journalistischer Weg über die Jahre immer mehr in Richtung Wein. Ob nun mit einem eigenen Blog oder eben als Copywriterin & Chief Editor Wine Magazine bei Wine in Black, wo sie die Geschichten hinter den Weinen entdeckt und dann auch begeisternd erzählt.

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