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Margaux: Ikonische Weinregion im Bordeaux

Die Rotweine aus der französischen Appellation Margaux gehören zur absoluten Weltspitze! Schauen wir uns das Gebiet im Südwesten Frankreichs mit seinen schillernden Châteaux mal genauer an.

Margaux, ein Name wie eine Segelyacht im Sonnenlicht. Rotweine aus der französischen Appellation Margaux zählen zu den elegantesten und begehrtesten Juwelen der Weinwelt. Dichte und zugleich duftig-seidige Gewächse von Château Palmer und Château Margaux lassen Genießer in Ehrfurcht schweigen. Vom letztgenannten Château Margaux stammt ein Rotwein, der die Hauptrolle in einer legendären Anekdote spielte. Im Jahre 1989 lud der Weinhändler William Sokolin (1930 bis 2015) zu einem exklusiven Dinner in New York. Neben kulinarischen Kostbarkeiten wurde eine Flasche Château Margaux 1787 zum Verkauf angeboten. Angesetzt mit einem stolzen Preis von 500.000 US-Dollar. Da sie aus dem Nachlass des us-amerikanischen Präsidenten Thomas Jefferson stammen sollte. Die Flasche zerbrach unter dubiosen Umständen. 

Daher weiß man bis heute leider nicht, ob tatsächlich jemand den angesetzten Preis bezahlt hätte. Aber man weiß, dass die Versicherung einsprang. Sie berappte die immer noch stattliche Entschädigung von 225.000 US-Dollar - heute umgerechnet 197.000 Euro. Mit genau diesem Wert findet man das Exemplar in Auflistungen zu den teuersten Weinflaschen der Welt. Aber Thomas Jefferson ist natürlich nicht der einzige Grund, warum Sokolin den Wert so hoch angesetzt hatte. Es war eben ein Rotwein aus Margaux! Die waren und sind außergewöhnlich glamourös. Heutige Preise gehen bei 1.000 Euro los. Also ein Schnäppchen im Vergleich, aber für die meisten Weingenießer immer noch Luxus. Wo genau der herkommt, schauen wir uns jetzt mal an. Zoomen wir uns näher in die Weinregion.

Fein und gar nicht so klein: Margaux und seine Châteaux

Das Médoc mit seinen verschiedenen Appellationen.
Margaux im Bordeaux. © Wine in Black

Der Luxus kommt aus dem maritimen Südwesten Frankreichs, nur einen Katzensprung von der Atlantikküste entfernt. Hier liegt die Großregion Bordeaux, die etwa 50 einzelne Wein-Appellationen umfasst. Diese befinden sich, grob vereinfacht, entweder links oder rechts des Flusses Gironde. Wir begeben uns auf die linke Seite, auf die Landzunge zwischen Gironde und Atlantik. Gleich sind wir da. Etwa in der Zungenmitte befindet sich das Médoc. Es umfasst einige kleinere Appellationen, die aus den roten Rebsorten Cabernet Sauvignon und Merlot dichte, verführerische Spitzenweine machen. Die erste und größte dieser Appellationen erreicht man nach einer knappen Stunde Autofahrt von der Hafenstadt Bordeaux aus. Es ist Margaux. Angekommen.

Betritt man das 1.500 Hektar umfassende Gebiet zum ersten Mal, kann man zunächst verwundert sein. Viehweiden säumen den Fahrweg über das flache Land, die nahegelegene Gironde schimmert einem mitunter bräunlich entgegen. Hier sollen Perlen wie Château Margaux zuhause sein? Tatsächlich, das sind sie! Die Appellation ist gespickt mit eindrucksvollen Weingütern, die entlang der Weinstraße D2 nach und nach aufblitzen: sei es Château Palmer mit seinen Märchentürmen, das malerisch hinter einem Wassergraben gelegene Château Issan oder das mondäne Château Giscours. Bei einigen wirkt es, als wäre die Landschaft mit Absicht ganz flach, damit sich die 65 Anwesen mit voller Kraft entfalten können. Und wo residiert jetzt das klangvolle Château Margaux? 

Château Palmer hinter Reben
Der Konkurrent von Gegenüber: Château Palmer ist der Nachbar von Château Margaux. © Olivier Metzger

Der Superstar Château Margaux

Die Berühmtheit Château Margaux gibt sich geheimnisvoll, weil versteckt. Um hierher zu gelangen, biegt man von der Hauptroute ab und findet sich kurz darauf auf einer platanengesäumten Allee wieder. Das neoklassizistische Hauptgebäude am Ende der Allee hat bisher jeden Ankommenden beeindruckt. Mit seinem Säulenportal und mit seinem Inneren. Sein Fasskeller, in dem heute Wein im Wert von 30 Millionen Euro reift, strahlt Eleganz und Exklusivität aus. 

Bereits im 18. Jahrhundert hatten die Gewächse aus diesem Keller prominente Fans. Denn Thomas Jefferson war tatsächlich in Margaux. Noch vor seiner Zeit als Präsident, als er us-amerikanischer Botschafter in Frankreich war. 1787 - also genau in dem Jahr, als die Trauben für die später zerbrechende Auktionsflasche noch am Rebstock hingen - besuchte er Château Margaux. Murrte, als er hörte, dass er für eine Flasche 1784er drei Livres zahlen sollte. Kaufte aber trotzdem. Knapp zwei Jahrhunderte später wird sich der Weinverkoster Neil Martin ähnlich hin- und hergerissen äußern. Über den 2015er Margaux empfiehlt er: "Beten Sie für eine Flasche und sorgen Sie sich später um die Kosten." Teuer sind sie, die Weine. So können Sie etwa den 2015er für 1.750 Euro erwerben. Doch offensichtlich sind sie von derart hohem Genuss, dass man sie erwerben muss. Warum aber sind die Weine von hier derart begehrt?

Weinfässer im Weinkeller von Châteaux Margaux.
Eindrucksvoll: Der Weinkeller von Châteaux Margaux. © Brice Braastad

Große Gewächse aus dem Flachland

Dafür müssen wir beim Weingut bleiben. Das hat in der Appellation nämlich einen Sonderstatus inne. Denn es ist in Margaux das einzige, das als Premier Grand Cru Classé (Erstes Großes Gewächs) nach der berühmten Klassifikation von 1855 eingeteilt wurde. Anders als etwa im Burgund wurde hier nicht die Lage, sondern das Weingut bewertet. Als Erstes Großes Gewächs gehörte und gehört Château Margaux also zur absoluten Wein-Elite im Bordeaux! Insgesamt gibt es lediglich vier weitere Mitglieder, die diesen Titel auf die Etiketten ihres Spitzen-Weines drucken dürfen. Die hochexklusiven Zugangsregeln des Clubs erlauben nämlich keine Neuzugänge.  

Aber auch in der Nachbarschaft von Château Margaux gibt es jede Menge herausragenden Wein zu entdecken. Die Ersten Gewächse werden komplettiert durch Zweite, Dritte, Vierte und Fünfte. Und ja, auch das ist noch Elite! Château Palmer etwa ist als Drittes Gewächs eingeteilt und ein veritabler Konkurrent für Château Margaux. Palmers Rotweine verführen mit ihrer seidigen Opulenz regelmäßig Genießer und Kritiker. Palmer und Margaux gehören damit zu lediglich 61 Weingütern die diesen seltenen Status als historischer Grand Cru Classé haben. In ganz Bordeaux. Und in Margaux finden Sie ein Drittel davon. So viel, wie in keiner anderen Appellation. Hinzu kommen zehn Crus Bourgeois, die in der Hierarchie auf die Grands Crus folgen, und daher ebenfalls großartigen Rotwein-Genuss bieten. Die Bedingungen sind hier eben wie gemacht für hochklassigen Bordeaux.

Knirschender Kies, duftiger Wein 

Betritt man die Weinberge in der Appellation Margaux, dann knirscht es meist unterm Schuh. Denn er trifft fast überall auf Kiesböden. Und der ist der Grund, warum in Margaux mit ungefähr 60 Prozent vor allem eine Rebsorte dominiert: Cabernet Sauvignon. Die mag nämlich keine Staunässe und Kies trocknet schnell, wenn es geregnet hat. Was in Margaux recht häufig vorkommt. Deswegen wachsen die besten Rebstöcke auf den sanften Hügelkuppen aus Kies. Hier kann das Wasser noch schneller abfließen. Allerbeste Voraussetzungen für Cabernet Sauvignon, der neben Aromen von Brombeere und Cassis viel Tannin mitbringt. Also für die Struktur und die lange Lagerung der Weine sorgt! Wo feuchterer Ton dominiert, fühlt sich die Sorte Merlot wohl, die den Weinen einen samtigen Anstrich verleiht. Auf ganz wenigen Flächen verteilt wachsen auch noch Petit Verdot, Malbec und Carmènere. So weit, so typisch für die linke Seite im Bordeaux. 

Trauben werden von Hand sortiert, Nahaufnahme
Egal ob Cabernet Sauvignon oder Merlot: Margaux steht für Sorgfalt und Passion. © Château Issan

Warum aber geraten die Rotweine aus Margaux so anders als die ihrer Nachbarn? Warum sind sie eleganter als die kraftvollen aus Pauillac oder die fruchtig-intensiven aus Saint-Julien? Man hat in der Geologie nach Antworten gesucht. Eine These ist, dass die Böden in Margaux leichter sind, mit mehr Sand und feinerem Kies, was zu dem besonderen Duft der Trauben führt. Eine andere These schaut auf die Bodendicke. Weil der Kies nicht so tief ist wie in den Nachbarregionen, erreichen die Wurzeln hier den darunterliegenden Kalk und Mergel schneller. Und erhalten so einen anderen Mineralien-Cocktail. Der wiederum für den Unterschied im Glas verantwortlich sein soll. 

Schön wäre es, die Magie von Margaux-Weinen so einfach entschlüsseln zu können. Aber: Darf man einmal einen verführerischen Margaux im Glas schwenken, dann ist das sowieso ein Nebenschauplatz. Unser Gaumen hat im Wein selbst die Antwort gefunden: Die Winzer wissen, was sie tun! Wir sind dankbar, dass jahrhundertelange Expertise auf den Kieshügeln und in den Kellern der Weinwelt diese großen Perlen schenkt. Das Glück sei für ihn ein Château Margaux, hat der Philosoph Friedrich Engels seiner Nichte geschrieben. Das können wir auch für alle anderen der feingeschliffenen Gewächse aus Margaux nur so bestätigen. Auf das Glück, die Magie und elegante Weine!

Copyright Titelbild: Brice Braastad

Marie Ohl

Von Marie Ohl

Hätte nie gedacht, dass sie mal beruflich über Wein schreibt. Und sich früher gefragt, warum manche Leute bereit sind, so viel Geld für Wein auszugeben. Jetzt versteht sie es. Studium der Theaterwissenschaft mit Stationen bei Christoph Schlingensief und beim ZDF, WSET (Wine & Spirit Education Trust) Level 3. Mag es, mit dem Schreiben die Wein-Welt zu entdecken und Dinge zu erklären.
© Steffen Kugler

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