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Champagner-Spezial Rebsorten

Pinot Noir: Aromatische Spitzen-Weine

Die Rebsorte Pinot Noir gilt als eine der edelsten der Welt. Und das, obwohl sie hoch kompliziert ist im Anbau. Warum begeistern die Weine aus Pinot Noir dann so viele Genießer? Wir schauen uns die Sorte und ihre faszinierenden Weine mal näher an.

Kennen Sie den Film, in dem ein Mann einer Rebsorte eine Liebeserklärung macht? Falls Sie Cineast und Fan von Pinot Noir sind, ahnen Sie die Auflösung. Im Jahr 2004 lief das Roadmovie "Sideways" in den US-amerikanischen Kinos an. In der Tragikomödie reisen zwei Freunde gemeinsam in die kalifornischen Weinberge. Der eine sucht dort Abenteuer, der andere besonders gute Pinot Noir. Letzterer ist der deprimierte, weil erfolglose Schriftsteller und Weinmaniac Miles. Als ihn eines Abends die Sommerlière Maya fragt, warum er ausgerechnet von Pinot Noir so begeistert ist, blüht er schlagartig auf und beginnt.

Miles setzt an zu seiner Lobrede auf die kapriziöse Pinot Noir. Sie wachse nur in speziellen Gegenden der Welt, brauche ständig Aufmerksamkeit und könne nur von den passioniertesten Winzern so angebaut werden, dass sie ihr volles Potenzial entfalte. Man spürt Miles Enthusiasmus und kurz darauf lüftet er den Grund dafür: "Die Aromen!", setzt Miles an, und reiht nach einer Kunstpause Superlative aneinander: "Es sind die unvergesslichsten, brillantesten und aufregendsten der Welt!". Dem schließen wir uns an. Und stürzen uns in die Faszination Pinot Noir. Bleiben wir zu Beginn bei den Aromen. 

Rotwein im klassischen Burgunderkelch-Weinglas
Im Burgunderkelch kommen die Pinot Noir-Aromen besonders gut zur Geltung.

So schmeckt Pinot Noir

Die Aromen sind von großer Finesse und Klarheit und dabei unglaublich zahlreich. Man möchte einfach immer wieder an einem guten Pinot Noir riechen. Und ihn trinken. Das Bouquet guter Pinot Noir-Weine duftet zart nach süßen roten Beerenfrüchte und rotem Steinobst. Dabei sind intensive Himbeer- und Erdbeeraromen vor allem für junge Weine typisch. Bei älteren Weinen sind eher Kirsche und Pflaume anzutreffen. Hinzu kommen süße Gewürze und mit weiter zunehmender Reife häufig würzige Noten, die an Kräuter, Trüffeln, Leder, Pilze und Wild erinnern. Gute Pinot Noir zeigen auch florale Töne, etwa die zarter Veilchen. 

Die Liste der Aromen ließe sich noch weiter fortführen. Da die Sorte sehr stark auf ihr Terroir reagiert, finden sich viele verschiedenen Stilistiken, wie wir weiter unten sehen werden. Diese Komplexität macht sie besonders - und manche auch sprachlos. So schreibt Hugh Johnson, der versierte britische Weingeschichtenerzähler, über Pinot Noir: "Auf jeden Fall reicht mein Wortschatz bei Weitem nicht aus, alle Nuancen zu beschreiben." Und das ist eindeutig als Kompliment für die Rebsorte und ihre Weine gemeint. 

Weitere Pinot Noir-Eigenschaften 

Sie sehen: wir haben einen ganzen Absatz gebraucht, nur um die Aromen zu beschreiben. Kommen wir zu ihren weiteren Eigenschaften. Da die Sorte wenig Tannine hat, schimmern ihre Weine im Glas in einem sanften Kirschrot. So können Sie bei den meisten Pinot Noir, wenn Sie ein beschriebenes Blatt hinter das gefüllte Glas halten, noch lesen, was auf dem Papier steht. Versuchen Sie das mal mit einem Malbec! Was den Körper anbetrifft, zeigen Pinot Noir-Weine ein ausgewogenes Verhältnis von dezenter Süße und lebendiger, manchmal hoher, Weinsäure. Herausragende Exemplare sind kraftvoll und gleichzeitig von nahezu seidiger Textur. 

Eine weitere Besonderheit von Pinot Noir hat auch mit den Tanninen zu tun: Obwohl sie durch lange Reife besser werden, sind sie bereits in ihrer Jugend ein Genuss. Auch das ist in der Weinwelt besonders. Denken Sie bloß an die großartigen Bordeaux-Weine aus dem Médoc oder Nebbiolo aus dem italienischen Piemont: Fast alle sind in ihrer Jugend auf Grund ihres hohen Tanningehalts rau am Gaumen und erst nach längerer Flaschenreife zu genießen. 

Reife Pinot Noir-Trauben in Nahaufnahme
Und so sieht sie aus, die besondere Rebsorte.

Falls Sie einen Pinot Noir für ein Essen aussuchen, empfehlen wir Ihnen dazu Gerichte mit gebratenen dunklen Pilzen oder Wildgeflügel. Zum einen passt er mit seinen erdigen Aromen gut zu den erdigen Komponenten von Pilzen und Wild. Zum anderen sind Pilze komplexe Aromenkünstler, die mit einem Partner auf Augenhöhe besser schmecken. Und komplex ist Pinot Noir definitiv. Zu guter Letzt haben die Weine einen leichten bis mittleren Weinkörper und überdecken die zarten Pilzaromen nicht. Ähnliches gilt für schonend geschmortes und feines Wildgeflügel. Nachdem wir nun wissen, wie und wozu die Weine schmecken, klären wir jetzt, warum die Sorte so extravagant ist. 

Warum so kompliziert? Anbau und Boden

Für Pinot Noir müssen die Bedingungen bei Klima und Boden stimmen. Sie wächst am besten im kühlen bis mäßig warmen Klima wie im Burgund, im Nordosten Frankreichs. Denn in heißem Klima verliert sie ihre Finesse und erbringt schnell marmeladige Aromen. In zu kühlem wiederum bestraft sie den Winzer mit unreifen Aromen von Dill, Tomate, Minze und Pfeffer. Sie gedeiht bevorzugt auf kalkhaltigen Böden mit guter Belüftung und gutem Wasserabzug. Daher erbringt sie im Burgund so gute Ergebnisse, denn dort sind vor allem die Spitzenlagen von wasserdurchlässigem Kalkgestein geprägt. Aber auch Mischungen aus Kalk und anderen Bodentypen wie in der Champagne stellen einen guten Untergrund für die Sorte dar. 

Im Weinberg selbst müssen Winzer wissen, dass die Sorte anfällig ist für Krankheiten. Das liegt an ihrer dünnen Schale. Pilze, Bakterien und Fäule haben also gute Karten, wenn das Wetter zu nass ist. Auch Frühjahrsfrost ist eine ernste Gefahr, denn die Pflanzen treiben früh aus. Es ist paradox: obwohl nass-kühles Wetter also ungünstig sein kann, wächst Pinot Noir nicht im heiß-trockenen Klima. 

Burgundische Landschaft von oben
Auf kalkhaltigen Böden und im kühlen Klima wie hier im Burgund gedeiht die Sorte hervorragend.

Als wäre das nicht bereits genug, kann man sie mengenmäßig nicht zu Höchstleistungen anstacheln. Denn das dankt sie mit schlechter werdender Qualität. Ab circa 50 Hektolitern pro Hektar sinkt die Qualität rapide. Deswegen begrenzen viele Winzer den Ertrag, in dem sie etwa einen Teil der ersten grünen Trauben abschneiden. Und weil die zarten Aromen im fertigen Wein gut zu schmecken sein sollen, wird hochwertiges Lesegut gebraucht. Unreife Trauben, überreife oder gar angefaulte Trauben sind leicht herauszuschmecken. Auch, weil im Keller nur wenig Holz zum Einsatz kommt.

Ausbau für Wein-Experten: Die richtige Dosis Holz

Auch von Kellermeistern verlangt Pinot Noir die volle Konzentration. Denn die Sorte ist nicht geeignet für einen Ausbau mit viel Holz. Ein starker Holzeinsatz wäre zwar technisch möglich, aber dann erhalten Sie bei dieser leichten Traube einen Rotwein, der vorrangig nach Holzaromen wie Vanille schmeckt. So macht man es etwa bei der traditionellen Rioja Gran Reserva. Aber die hat eben mit Tempranillo eine ganz andere Sorte als Grundlage. Diese verträgt mit ihrem vollen Körper und mehr Tanninen durchaus den Ausbau in getoasteten Barriquefässern und eine lange Fassreife von mehr als anderthalb Jahren. Pinot Noir verträgt das nicht. Und doch wird Pinot Noir im Holz ausgebaut, sogar in leicht getoastetem. Das ist kein Widerspruch. Leichte Röstaromen durch ein französisches Barrique erhöhen die Komplexität, auch bei Pinot Noir.  

Denn Holz kann mehr als Vanillearomen. So macht Holz den Wein runder, weil sich die Tannine besser mit der Frucht verbinden. Herausragende Weine verleihen einem dann das Gefühl, sie würden wie Seide im Mund entlanggleiten. Außerdem befinden sich im Holz weitere Tannine. Und diese geben dem Wein ein Mehr an Struktur und Reifepotenzial. Im französischen Burgund, wo die Winzer ihre Weine bereits seit Jahrhunderten erfolgreich ausbauen, sind zwölf bis achtzehn Monaten im Eichenfass die Regel. Allerdings ist es eine Gratwanderung: Gute Winzer wissen, wie lange ihr Pinot Noir im Fass ruhen darf, bevor die Röstaromen zu stark werden und die Frucht mit Vanillenoten zukleistern würden.

Holzfässer für Wein
Große Winzerkunst: Der richtige Holzeinsatz.

Und das macht eben einen großen Teil der Faszination aus: gute Pinot Noir sind etwas Besonderes, weil eben viele Faktoren stimmen müssen. Und die Menge begrenzt ist. Das erklärt auch, warum Winzer weltweit Rotweine aus ihr bereiten. Und das schon seit Jahrhunderten! 

Eine Rebsorte voller Geschichte

Pinot Noir ist eine sehr alte Rebsorte, die seit über 2.000 Jahren im Burgund angebaut wird. Die vielen regionalen Namensvarianten belegen, dass die Sorte nicht nur in ihrer französischen Heimat kultiviert wurde. So ist sie unter anderem in Deutschland als Spätburgunder oder als Blauburgunder und Klevner im deutschsprachigen Raum bekannt. Einige Quellen sprechen von sagenhaften 300 Synonymen für Pinot Noir. Ihr Name geht übrigens auf das französische Wort für Pinienzapfen zurück. Denn genau so klein und eng beieinander stehen die einzelnen Beeren in der Traube zusammen.  

Als weiteres Indiz für ihre lange Geschichte gelten Weiterentwicklungen und Kreuzungen. Über die Jahrhunderte sind aus ihr Mutationen entstanden, die mitunter als eigene Rebsorten gelten, etwa Pinot Meunier (Schwarzriesling), Pinot Gris (Grauburgunder) und Pinot Blanc (Weißburgunder). Im Namen deutlich erkennbar, sind sie verwandt. Sie gehören zur sogenannten Pinot- oder Burgunder-Familie. Und diese ist weitverzweigt. Sogar Chardonnay, die nicht das Wort "Pinot" im Namen hat, ist Teil dieser Familie! Zusätzlich gibt es von Pinot Noir jede Menge gezüchtete Klone, allein in Frankreich sind bis zu 50 offiziell anerkannt. Schauen uns an, wo die Sorte hauptsächlich wächst. 

Hier wird Pinot Noir angebaut

Weltkarte, auf der die Rebflächen von Pinot Noir zu sehen sind
Kleine Übersicht: Hier gedeiht überall Pinot Noir. © Wine in Black

Weltweit sind ungefähr 100.000 Hektar mit ihr bestockt. Zum Vergleich: Cabernet Sauvignon, ebenfalls einer der beliebtesten Sorten der Welt, wächst weltweit auf fast dreimal so viel Fläche, nämlich etwa 290.000 Hektar. Der weltweit größte Produzent von Pinot Noir ist Frankreich, das über Rebfläche von mehr als 25.000 Hektar verfügt. Dort wird sie nicht nur in ihrer Heimat Burgund, sondern auch in der Champagne und im Elsass angebaut. Aber auch im Südwesten Deutschlands findet man die Sorte, vor allem an der Ahr, in der Pfalz, in Baden, in Württemberg und in Rheinhessen. Auch in den benachbarten Gebieten in Österreich und der Schweiz gehört sie seit Jahrhunderten zum Rebsortenspiegel.

Im 20. Jahrhundert schaffte die Sorte dann den Sprung in andere Weinbauländer. Auch nach Übersee wie in die Vereinigten Staaten, wo sie inzwischen ebenfalls große Erfolge feiert. Etwa zeitgleich entdeckte man die Sorte in Neuseeland. Und ist dort mit über 5.000 Hektar Rebfläche die zweitwichtigste Rebsorte. Schauen wir uns zunächst das Burgund an, den Maßstab für großen Pinot Noir und danach die Champagne, wo Pinot Noir eine Rolle für eines der elegantesten Getränke der Welt spielt.

Weltklasse-Pinot Noir im Burgund

Das Burgund gilt als eine der berühmtesten, aber auch kompliziertesten Weinbauregionen Frankreichs. Warum ist das so? Nun, zum einen sind die Weine herausragend. Am berühmtesten sind die Pinot Noir von der Côte d'Or - ein etwa 50 Kilometer langer Streifen südlich der Stadt Dijon. An der Côte d'Or belegt die edle Rebsorte bis zu 95 Prozent der Anbaufläche und liefert einige der renommiertesten und kostbarsten Rotweine der Welt. Denn die Böden im Burgund sind - vor allem in den Spitzenlagen wie hier - von wasserdurchlässigem Kalkgestein geprägt. Da fühlt sich Pinot Noir besonders wohl. So haben insbesondere die Tropfen aus dem nördlichen Teil der Côte d'Or - der Côte de Nuits - haben bei Kennern Kultstatus. Wie etwa die Domaine de la Romanée-Conti mit ihrem Spitzen-Wein Romanée-Conti.

Vosne-Romanee im französischen Burgund
An der Côte-d’Or entstehen einige der elegantesten Rotweine der Welt.

Der ist einer der begehrtesten Rotweine der Welt. Und wird natürlich aus Pinot Noir gemacht. Einzelflaschen eines Romanée-Conti sind im vier- bis fünfstelligen Bereich zu haben. Wenn Sie Glück haben. Denn: Neue Jahrgänge werden zugeteilt. Die beiden Grand Cru-Jahrgänge 2015 und 2016 haben jeweils die legendären 100 Parker-Punkte erhalten. Und das, obwohl man Robert Parker’s Wine Advocate eher ein Faible für schwere Rotweine nachsagt. Über die 2015er-Edition schreibt dann William Kelley, Burgunder-Spezialist bei Robert Parker: "Trotz seiner unglaublichen Konzentration und Dauerhaftigkeit ist dieser Romanée-Conti völlig schwerelos, und seine mühelose Harmonie und sein unablässiges Finale schließen jeden Streit über seine maßstabsetzende Qualität aus." Für Begeisterung unter Weinliebhabern sorgen natürlich auch die Schaumweine nördlich des Burgunds. 

Fülle für Champagner 

Die Champagne ist das kühlste Weinbaugebiet Frankreichs. Aufgrund des kühlen Klimas können die Trauben gerade so ausreifen und ergeben eher karge Grundweine mit frischer Weinsäure und tendenziell neutralem Geschmack. In weiten Teilen der Champagne finden sich Kalkböden - ideal für Pinot Noir. Dieser speichert zum einen gut Feuchtigkeit. Zum anderen leitet überschüssiges Wasser ab und vermeidet Staunässe und Rebkrankheiten. Die frühreifende Sorte hat hier ausreichend Zeit, Aromen auszubilden, ohne dabei ihren hohen Gehalt an belebender Weinsäure zu verlieren.

Eine Flasche Champagner mit Blick auf Weinberge
Kalkböden und kühles Klima sorgen für frische Aromen.

Die Trauben, die in dieser Weinregion wachsen, sind fast ausnahmslos für den weltberühmten Champagner bestimmt. Diese Schaumweine sind Cuvées aus den roten Burgundersorten Pinot Noir und Pinot Meunier sowie der weißen Chardonnay. In den Champagnern selbst sorgt Pinot Noir für Fülle. Die Anteile der drei Sorten können dabei erheblich variieren. Es gibt sogar sortenreine Champagner aus Pinot Noir. Und ja, die sehen weiß aus. Denn das Fruchtfleisch von roten Trauben ist weiß. Daher heißen Champagner aus roten Trauben auch "Blanc de noirs" genannt - also der "Weiße aus schwarzen Trauben". Im Jahr 2013 waren 13.000 Hektar, also ungefähr ein Drittel der Rebflächen, mit Pinot Noir bestockt. Allein in der Champagne baut man also so viel an wie im benachbarten Deutschland.

Spätburgunder in Deutschland

Hier ist die Rebsorte vor allem als Spätburgunder bekannt. Bereits im 16. Jahrhundert erzeugte man hochwertige Weine aus Spätburgunder. Gab es im 19. Jahrhundert eine Phase mit wässrigen Massenprodukten, setzten engagierte Jungwinzer Ende des vorangegangen Jahrhunderts an, die Qualität zu verbessern. Und heute gibt es Spitzen-Spätburgunder, die mit den französischen Pinot Noir auf Augenhöhe sind! So schreibt das Business-Magazin Bloomberg 2016: "Deutscher Spätburgunder ist die angesagte Alternative zum teuren Burgunder." Das spiegelt sich auch in der Rebfläche wider: Heute ist Spätburgunder mit etwa 12.000 Hektar Anbaufläche die wichtigste rote Rebsorte Deutschlands. Damit baut man deutlich mehr an als an der Côte d'Or mit 6.500 Hektar! Neben Rotwein wird aus Pinot Noir auch Rosé und Schaumwein hergestellt.

Da in Deutschland ein im Vergleich zu anderen Weinländern eher kühles Grundklima herrscht, gedeiht Spätburgunder hier am besten in den wärmeren Anbauregionen. Man findet sie vor allem im Ahrtal, im Rheingau, in Baden und der Pfalz. In Baden ist Spätburgunder sogar die meistangebaute Varietät. Hier befinden sich mehr als 50 Prozent der deutschen Pinot Noir-Bestände. Vor allem die Anbauzonen Kaiserstuhl und Breisgau mit ihren warmen Klimata sind ideal. In Baden werden aus der Sorte samtige und zugleich kraftvolle Rotweine erzeugt, die meist problemlos im Barrique ausgebaut werden können. 

Das Ahrtal in Deutschland
Spätburgunder ist im Ahrtal sehr verbreitet.

Weitere deutsche Anbaugebiete, in denen die Spätburgunder-Rebe noch eine größere Rolle spielt, sind Rheinhessen, Franken und Württemberg. An der Ahr, einem der kleinsten deutschen Weinbaugebiete, sind fast 80 Prozent der Rebflächen mit Spätburgunder bestockt. So viel wie in keinem anderen deutschen Weinbaugebiet! Reisen wir nun in die Neue Welt, denn in den Vereinigten Staaten gibt es seit 1987 einen Außenposten des Burgunds. Und sie sind mittlerweile das zweitgrößte Pinot Noir-Erzeugerland der Welt!

Vereinigte Staaten

Es geschah bei einer Blindverkostung in Paris. Aber nicht bei der im Jahr 1976, die der Weinhändler Steven Spurrier organisiert hatte. Sondern ein Jahr früher. Da hatte der Burgunder Winzer Robert Drouhin zu einem Burgunder-Wettbewerb geladen, bei der er glücklicherweise selbst mit einem seiner Weine den ersten Platz gewann. Sensationell ging der zweite Platz an einen Wein aus Übersee. Einen Pinot Noir aus Oregon. Drouhin war derart begeistert, dass er nach Oregon reiste und dort 1988 sein zweites Weingut, die Domaine Drouhin, gründete. Die Vereinigten Staaten hatten eindrucksvoll gezeigt, dass sie sich auch auf Pinot Noir verstehen. 

Pinot Noir aus Oregon

Die meisten Rebflächen ihrer heute knapp 20.000 Hektar liegen an der Westküste. Zum einen in Kalifornien, der größten und bedeutendsten Weinbauregion der USA. Zum anderen befinden sie sich nördlich von Kalifornien, im Bundesstaat Oregon. Als man dort Ende der 1960er-Jahre mit dem modernen Weinanbau begann, wagten sich die Winzer schon bald an die Pinot Noir. Und machten ihre Region zu einem der ersten Anbaugebiete der Neuen Welt, in dem die schwierige Varietät herausragende Weine hervorbrachte. Die Traube ist hier heute die wichtigste Rebsorte und belegt eine Fläche von knapp 4.900 Hektar. 

Schwerpunkt des Pinot Noir-Anbaus ist das im Norden Oregons gelegene weitläufige Willamette Valley. Hier herrscht ein gemäßigtes Klima, in dem sich maritime und kontinentale Einflüsse in etwa die Waage halten. Außerdem sind die Böden aufgrund ihrer guten Drainage ausgezeichnet für die Sorte geeignet. Stilistisch sind die Weine leicht und etwas erdig. Im Glas können Sie Schwarzkirschen, Erd- und Himbeeren, Waldboden, Trüffeln und süße Gewürze erwarten. Diese Exemplare sind mit ihrer eleganten, fein-nuancierten Art den Tropfen aus dem Burgund so gut wie ebenbürtig und international begehrt. Wie sehr Pinot Noir mit der Gegend verbandelt ist, zeigt auch das dreitägige Festival "International Pinot Noir Celebration", das seit 1985 jährlich im Juli stattfindet.

Willamette Valley mit Weingärten
Ein sonniger Herbsttag im Willamette Valley.

Fruchtbetontes aus Kalifornien

Im weiter südlich gelegenen Kalifornien gedeiht Pinot Noir nur dort, wo ein verhältnismäßig kühles Klima herrscht. Grob gesagt eher Richtung Küste als im Landesinneren. Im größten Weinbaugebiet der Vereinigten Staaten sind ganze 15.000 Hektar mit der Sorte bestockt. Nördlich von San Francisco haben sich vor allem die Weine der Anbaugebiete Los Carneros und Russian River Valley einen guten Namen gemacht. Und bei Santa Barbara sind vor allem das Santa Ynez Valley und das Santa Maria Valley für ihre stilvollen Pinot Noir berühmt. 

Allgemein fielen frührere kalifornische Pinot Noir süßer, schwerer und fruchtbetonter aus als die aus Oregon oder Mitteleuropa. Die Aromen reichen von Schwarzkirsche bis zu Himbeere, hinzu kommen Bourbon-Vanille und Karamell.  Inzwischen gibt es aber auch hier feingliedrigere Exemplare, die sich am Burgund orientieren. Reisen wir nun auf die Südhalbkugel, genauer gesagt nach Neuseeland. 

Neuseelands Rebsorte Nummer Zwei

Das junge Weinland hat Mitte der 1980er-Jahre international für Furore gesorgt. Zunächst mit intensiven Weißweinen aus Sauvignon Blanc und bald darauf mit Weltklasse-Rotweinen. Aus Pinot Noir. Denn die Gebiete Central Otago, Marlborough und Martinborough sind Cool Climate-Regionen mit ausreichend Sonnenstunden und ideal für die Sorte. Die besten Varianten erinnern an kalifornische Pinot, sie sind fruchtintensiv, mit Gewürz- und Wildfleischaromen und eleganter Struktur. 

Weingläser, gefüllt mit Pinot Noir vor toller Landschaft
Das kühle, aber sonnige Klima in Neuseeland bietet gute Bedingungen für Pinot Noir.

Mittlerweile gilt Neuseeland als wichtiger Produzent von Pinot Noir. Erst Ende der 1980er-Jahre wurde deutlich, dass sich hier ganz vorzügliche Weine aus der Sorte produzieren lassen. Das Klima ist kühl genug, damit die Trauben lange ausreifen können. Da die neuseeländischen Pinot Noir-Weine auch international schnell große Beachtung fanden, wurde der Anbau der Traube intensiviert und ihre Rebfläche stark vergrößert - sie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten mehr als verfünffacht. Von ungefähr 800 Hektar im Jahr 1999 auf 5.600 Hektar im Jahr 2020. Damit ist Pinot Noir nach der Weißweinsorte Sauvignon Blanc zur zweitwichtigsten Rebsorte Neuseelands aufgestiegen. 

Viele der besten neuseeländischen Pinot Noirs stammen aus Martinborough - einem kleinen, qualitätsorientierten Anbaugebiet im kühlen Süden der ansonsten verhältnismäßig warmen Nordinsel. Die meisten Pinot Noir-Bestände des Landes befinden sich jedoch auf der kälteren Südinsel. So werden in der Region Marlborough auf der Südinsel daraus nicht nur hochwertige Stillweine, sondern, wie in der Champagne, Deutschland und den Vereinigten Staaten, auch feine Schaumweine produziert. Hervorragende Pinot Noirs kommen auch aus Central Otago - einer der südlichsten Weinbauregionen der Welt. Auf trockenen Schieferböden entstehen hier elegante, langlebige Pinot Noir-Weine mit intensiven Fruchtaromen, die bei internationalen Verkostungen schon vielfach ausgezeichnet wurden. Uns bleibt, Ihnen hier zumindest noch ein paar weitere Regionen zu nennen, wo herausragender Pinot Noir erzeugt werden. 

Weitere Anbaugebiete für Pinot Noir

Auf der Südhalbkugel sind es die kühlen Gebiete in Australien wie das Yarra Valley, die Mornington Peninsula und Tasmanien In Südafrika zeigen Winzer, dass sie neben kräftigen Cape Blends auch elegante Rotweine können. Sie bauen die Sorte vor allem in kühlen Regionen in Küstennähe an. Besonders gut geraten die burgunderähnlichen Pinot Noir in Walker Bay und im Elgin Valley. Auch aus Chile kommen gute Pinot Noir, etwa aus den kühlen Gebieten San Antonio und Casablanca.

Sie sehen: überall, wo es das Klima zulässt, gibt es Winzer, die sich dieser Kapriziosität mit Begeisterung widmen. Und da die Sorte so stark auf ihre Umgebung reagiert, gibt es jede Menge Unterschiede zu entdecken. So sind die Pinot Noir aus Neuseeland eher fruchtig, während die aus dem Burgund mehr erdige Aromen aufweisen. Allerdings können auch die Burgunder-Varianten unterschiedlich schmecken, je nach Lage des Weinberges. Komplexe, duftige Aromen haben sie aber natürlich alle! Wenn Sie jetzt Lust auf einen Pinot Noir bekommen haben: Wie wäre es mit einem Pinot Noir aus dem Burgund und einem aus der Neuen Welt im Vergleich? Vielleicht machen Sie ihr dann auch eine Liebeserklärung?

Marie Ohl

Von Marie Ohl

Hätte nie gedacht, dass sie mal beruflich über Wein schreibt. Und sich früher gefragt, warum manche Leute bereit sind, so viel Geld für Wein auszugeben. Jetzt versteht sie es. Studium der Theaterwissenschaft mit Stationen bei Christoph Schlingensief und beim ZDF, WSET (Wine & Spirit Education Trust) Level 3. Mag es, mit dem Schreiben die Wein-Welt zu entdecken und Dinge zu erklären.
© Steffen Kugler

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48 Antworten auf „Pinot Noir: Aromatische Spitzen-Weine“

[…] Trotz ihrer Vielfalt ist die Navarra Rotweingebiet. Tempranillo, Spaniens Starrebe Nummer 1, nimmt gegenwärtig den größten Teil der Rebfläche ein. Dicht dahinter befindet sich Garnacha und auf Platz drei die französische Cabernet Sauvignon. Daneben gibt es die autochthonen Sorten Graciano und Mazuela, ergänzt um weitere französische Sorten, Merlot, Syrah und Pinot Noir. […]

[…] Stilistisch sind die Chardonnay-Weine im Napa Valley heute recht unterschiedlich. Sie reichen von körperreiche, cremig-geschmeidige Varianten mit Pfirsichnoten hin zu schlankeren Weinen mit mehr Zitrus- und Apfelnoten und einer viel höheren Weinsäure. Genau, das erinnert an Chardonnay für Champagner-Grundwein. Und so wundert es nicht, dass sich im Napa Valley auch Größen wie das Champagnerhaus Taittinger niedergelassen haben, um Schaumweine zu machen. Aus Chardonnay und der roten Pinot Noir.   […]